Seite 3 von 3
#21 RE: Dein Gehirn weiss mehr, als du Denkst Prof. Niels Birbaumer von 3,1415 10.01.2015 17:45

Dito. Wenn das wirklich der Fall ist (was ehrlich gesagt grob fahrlässig wäre und für einen Wissenschaftler peinlich) muss eine Klarstellung her... zumindest würde ich als Vereinsmitglied so etwas erwarten.

#22 RE: Dein Gehirn weiss mehr, als du Denkst Prof. Niels Birbaumer von Pippilotta 10.01.2015 17:58

Eine Reaktion des ADHS Deutschland ist ein zweischneidiges Schwert.

Zitat von SusanneG im Beitrag #15
Zitat von Martin Winkler im Beitrag #14
Das verrückte ist ja auch : Wenn ich jetzt den Beitrag von Birbaumer in meinem Blog kommentiere bzw überhaupt zur Diskussion stelle, verschaffe ich der Sache eine Aufmerksamkeit, die ich nicht will. Schweigen, will ich aber auch nicht.


Aufmerksamkeit würde der ADHS De diesem Buch aber auch verschaffen, wenn er eine öffentliche Stellungnahme einfordert. Ich kann da nur Johannes Streif zitieren: "Novartis, wie schaffst du es nur, dass deine größten Gegner die meiste Werbung für dich machen?"



Zitat von Martin Winkler im Beitrag #14

Aber im nächsten Jahr werden neue Bücher als deutsche Übersetzung von amerikanischen "Werken" erwaret (Saul : Die ADHS-Lüge). Dann geht es wieder los. Und spätestens dann, wird es Journalisten geben, die eben dann genau in die Bresche von Birbaumer schlagen.

Und das erwähnte "Werk" ist übelst, und ich habe nur Auszüge gelesen.

#23 RE: Dein Gehirn weiss mehr, als du Denkst Prof. Niels Birbaumer von SteffieB 12.01.2015 09:31

Interessant !!!!

Wenn man in Verkaufszahlen und Absatzmarkt denkt, ist das natürlich schlau, sich nen Journalisten ins Boot zu holen, denn schliesslich geht es ja um ein populär-wissenschaftliches Buch und nicht um dröge Uni-Literatur .
Dem Vogel-Gezwitscher entnehme ich damit, dass der Schwerpunkt zumindest stellenweise deutlich auf populär und weit weniger auf wissenschaftlich liegt.
Das ist nicht schön für die Betroffenen, aber prima für den Leser, der sich in dem Glauben wiegen darf sich mit aktueller, wissenschaftlich-anspruchsvoller Literatur auseinanderzusetzen und dabei aber, damit es nicht gar so anstrengend und komplex wird, zwischendrin ein paar gängige und beliebte Plattitüden bzw. ungesicherte Behauptungen serviert kriegt.

Hachja.....

Liebe Grüße,
Steffie

#24 RE: Dein Gehirn weiss mehr, als du Denkst Prof. Niels Birbaumer von SusanneG 26.01.2015 19:29

Update:

Seitens des Vorstands des ADHS Deutschland wurde Kontakt zu Herrn Prof. Birbaumer aufgenommen und um Stellungnahme gebeten. Nachdem die ausblieb, ist nun eine Rezension des Buches in Arbeit.

Soviel zu den gesicherten Infos, jetzt zu meinen Vermutungen:

Da ich den Rezensenten kenne, wird die Rezension Prof. Birbaumer nicht besonders gut gefallen. Sie wird vermutlich in der neue Akzente erscheinen sowie auf der Facebook-Seite des ADHS Deutschland. Wo sonst noch, wird sich zeigen.

Viele Grüße
Susanne

#25 RE: Dein Gehirn weiss mehr, als du Denkst Prof. Niels Birbaumer von Zottel 26.01.2015 20:53

Zitat
Update:

Seitens des Vorstands des ADHS Deutschland wurde Kontakt zu Herrn Prof. Birbaumer aufgenommen und um Stellungnahme gebeten. Nachdem die ausblieb, ist nun eine Rezension des Buches in Arbeit.

Soviel zu den gesicherten Infos, jetzt zu meinen Vermutungen:

Da ich den Rezensenten kenne, wird die Rezension Prof. Birbaumer nicht besonders gut gefallen. Sie wird vermutlich in der neue Akzente erscheinen sowie auf der Facebook-Seite des ADHS Deutschland. Wo sonst noch, wird sich zeigen.

Viele Grüße
Susanne



Vielen Dank für Euren Einsatz!
Auf den ADHS Deutschland kann man sich halt verlassen

#26 RE: Dein Gehirn weiss mehr, als du Denkst Prof. Niels Birbaumer von Pippilotta 26.01.2015 21:16

Zitat von SusanneG im Beitrag #24
Update:

Seitens des Vorstands des ADHS Deutschland wurde Kontakt zu Herrn Prof. Birbaumer aufgenommen und um Stellungnahme gebeten. Nachdem die ausblieb, ist nun eine Rezension des Buches in Arbeit.

Chance vertan und ich warte auf die nächste Ausgabe der neuen Akzente

#27 RE: Dein Gehirn weiss mehr, als du Denkst Prof. Niels Birbaumer von SteffieB 27.01.2015 08:16

Dann bin ich auch mal sehr gespannt auf die nächste Ausgabe der "Akzente" !
Und DANKE !

Liebe Grüße,
Steffie

#28 RE: Dein Gehirn weiss mehr, als du Denkst Prof. Niels Birbaumer von Zottel 04.02.2015 08:35

"Prof. Niels Birbaumer und ADHS-Bashing"

Hier gehts zum Artikel https://adhsspektrum.wordpress.com/2015/...d-adhs-bashing/

Grüße

Zottel

#29 RE: Dein Gehirn weiss mehr, als du Denkst Prof. Niels Birbaumer von Pippilotta 04.02.2015 09:40

Liebe Zottel,
danke für's Einstellen

#30 RE: Dein Gehirn weiss mehr, als du Denkst Prof. Niels Birbaumer von Regina 22.02.2015 21:39

Ihr Lieben,

hier nun die Rezension von Johannes Streif, die seit heute auf der Facebook-Seite des Vereins zu finden ist:

https://www.facebook.com/permalink.php?s...125963424135757

Es geht natürlich auch in Textform:

Wer es gelesen hat, ärgere sich, v.a. über den letzten Absatz, und kommentiere nach Lust und Laune auf der Seite des FOCUS. Niels-Peter Birbaumer ist – laut Wikipedia – ein österreichischer Psychologe und Neurobiologe. Für sein zusammen mit dem Journalisten Jörg Zittlau verfasstes Buch „Dein Gehirn weiß mehr, als du denkst. Neueste Erkenntnisse aus der Hirnforschung“, erschienen 2014 im Hochwissenschaftsverlag Ullstein, erhielt er heuer die Auszeichnung „Wissenschaftsbuch des Jahres“ in der Kategorie Medizin/Biologie, die das österreichische „Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung“ und die „Buchkultur Verlagsgesellschaft“ verleihen. Will man ein bisschen böse sein, könnte man sagen, dass die Österreicher ihn bei den Piefkes haben Karriere machen lassen. Nun quält er die Welt – wohlaufgemerkt nach zahlreichen soliden wissenschaftlichen Publikationen! – mit medienaffiner Laienprosa.
Kapitel 9 des derzeit leicht gehypten Werkes ist „Auch der Zappelphilipp ist kein Schicksal: Über die nichtmedikamentöse Behandlung von ADS“ überschrieben. Nun könnte man über die AD(H)S sowie freilich auch und gerade ihre nichtmedikamentöse Behandlung mit gutem Grund hunderte von Seiten schreiben. Birbaumer und Zittlau versammeln auf 18 Seiten hingegen so viel rasch eben mal angelesenen polemischen Blödsinn, dass es für Wissenschaftskollegen eine wahre Freude oder aber großes Elend des Mitleids sein muss, zu lesen, wie sich Birbaumer auf den Spuren eines Professor Hüther zum Knecht des Massenbuchmarktes macht, ein Don Quijote im Kampf gegen die Windmühlen, die er als ADHS identifiziert.
Die Überschriften der Abschnitte des Kapitels sprechen für sich: „Mit dem Schreibaby fängt alles an“ – „In der Schule wird es aggressiv“ – „Der Ruf nach der erlösenden Pille“ – „Vom Zappelphilipp zum Psychopathen“ – „Selbstkontrolle durch Neurofeedback“ – „Ähnlich wie Ritalin, aber mit mehr Perspektive“. Ich fasse zusammen: Regulationsstörungen des Babies, die von überforderten und frustrierten Eltern zu viel geschüttelt werden, führen zu ADHS. Das Kind wird in der Schule mit MPH ruhiggestellt und weder erzogen noch gefördert, daher wächst es zu einem kleinen und später großen Psychopathen heran. Neurofeedback – wunderbare Koinzidenz: in der Person Frau Dr. Ute Strehls, einer Mitarbeiterin Herrn Prof. Birbaumers, eine Domäne der Uni Tübinger – kann von der ADHS über die Epilepsie bis zur Erektionsstörung alles heilen, was nicht bei drei weg vom EEG und auf den Bäumen ist … Dazu berichteten wir hier bereits früher (vgl. zum SZ-Artikel vom letzten Jahr).
Nachdem „Dein Gehirn weiß mehr als du denkst“ auf dem Markt war, mailte ich Prof. Birbaumer am 06.05.2014 an und wies ihn auf zahlreiche Äußerungen zur ADHS hin, die fragwürdig und falsch sind (s.u., jedoch gekürzt). Seine Antwort vom 07.05.2014: „leider kann ich zZ aus zeitgründen nicht auf Ihre zum teil korrekten Argumente eingehen. Bedenken Sie aber: Dies ist kein wissenschaftliches Werk, da geh ich und meine Mitarbeiter auf all diese Argumente ein. Hier soll nur die Kurzsichtigkeit unserer Therapie gezeigt werden. Barkley schätze ich sehr, aber das hat mit dem Thema hier nur peripher zu tun Bestens Ihr NB“ Nicht eben viel Reflexion angesichts des Unfugs, den mutmaßlich eher Zittlau denn Birbaumer verfasst hat. Eine ausführliche Rezension des Buches wird in den nächsten Wochen folgen. Johannes Streif.
Auszüge aus der E-Mail an Prof. Birbaumer vom 06.05.2014:
Das Störungsbild heißt in Deutschland korrekterweise „Hyperkinetische Störung“ oder „Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung“, dem allenfalls die "ADHS" entspricht; die ADS gibt es in der ICD-10 nur als Restdiagnose F98.8. Interessant für das Verständnis der Syndrome Aufmerksamkeitsstörung, Hyperaktivität und Impulsivität wäre ein Verweis auf die umfangreiche Forschung von Barkley und Nachfolgern zu den Exekutiven Funktionen gewesen. Gleichfalls bedeutsam die Publikation von Franz Kramer & Hans Pollnow (1932) Über eine hyperkinetische Erkrankung im Kindesalter, erschienen in der Monatsschrift für Psychiatrie und Neurologie, Bd. 82, Heft 1/2.
Die Abschnittsüberschriften im Kapitel 9 sind polemisch: „Der Ruf nach der erlösenden Pille“ oder „Vom Zappelphilipp zum Psychopathen“ finden in anderen Kapiteln keine Entsprechung (vielleicht mit einer Ausnahme: „Patientenverfügungen: Verführung zum Selbstmord“, doch darüber sollen andere rechten); hinzu kommt, dass sich vergleichbare Formulierungen, die nicht einmal durch einen bewusst populärwissenschaftlichen Duktus zu erklären sind, auch im Text selbst finden.
Die Hinweise auf die Pharma-Industrie legen eine Kausalität in der Erhöhung der Diagnose- und Medikationszahlen nahe, die nicht belegt ist; damit lenken sie von anderen Faktoren ab, die wissenschaftlich belegt sind: Veränderungen in den medizinischen Diagnoseschemata, Popularität des Störungsbildes, Veränderungen im Schulsystem, verändertes elterliches Erziehungsverhalten, aber auch Einschulungsalter (i.e. Reife zum Einschulungszeitpunkt, vgl. u.a. Todd Elder, The Importance of Relative Standards in ADHD Diagnoses: Evidence Based on Exact Birth Dates, 2010). Diese Faktoren bedingen nicht die ADHS, jedoch den gesellschaftlichen Rahmen der Diagnose und Therapie. Unabhängig davon, ob es Spekulationen über die Genese von Diagnosezahlen und Therapieformen der ADHS in einem Buch über die „Neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung“ überhaupt braucht, ist die Darstellung des sozioökonomischen Rahmens der ADHS-Historie dürftig.
Der Begriff „Droge“ für Medikamente zur Behandlung von ADHS ist polemisch; die Ausführungen auf S.201 unten sind teilweise falsch bzw. verkürzt (MPH fällt immer unter das BTM, nicht nur bei der Gabe an Erwachsene; es beeinträchtigt nicht systematisch das Wachstum und wenn es im Einzelfall doch beeinträchtigt ist, dann marginal; es gibt Studien, die belegen, dass die Gabe von MPH bei ADHS-Betroffenen das Suchtrisiko mindern kann, zumindest aber gibt es keine wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass die MPH-Behandlung bei ADHS-Betroffenen systematisch zu einer erhöhten Abhängigkeitsrate führt; die Behauptung, „dass man ADS ohne pharmazeutische Hilfe in den Griff bekommen kann“ ist so sinnvoll wie diejenige, dass man ohne Brille, Linsen oder OP mit Kurzsichtigkeit leben kann.
„Es gibt zwar auch Fälle, in denen sich ADS erst später entwickelt, infolge von Erziehung und anderen Umwelteinflüssen“ (S.202). Wo sind diese Fälle beschrieben? Ist das dann eine ADHS oder schlicht Unaufmerksamkeit/Unruhe aus anderen Gründen?
Der Hinweis auf Schreibabys und Schütteln (S.203) ist unter der Gürtellinie. Bitte nennen Sie mir die Studien, welche die Kausalkette Schreibaby-Schütteltrauma-ADHS belegen.
Es ist nicht „bislang also unklar, ob die Ursachen von ADS genetischer oder sozialer Natur bzw. eine Mischung aus beidem sind“ (S.203); das wissen Sie besser und können Sie bzgl. der ADHS leichthin recherchieren. Es gibt zahlreiche Studien zur Genetik und Epigenetik der ADHS, Zwillingsstudien, sogar Implantationsstudien. Die Befunde sind eindeutig: die Konkordanz der ADHS bei genetischer Verwandtschaft ist hoch, der Einfluss v.a. der frühkindlichen Prägung u.a. als Faktor der Epigenetik, aber auch der Hirnentwicklung ist immens. Wir sind immer 100% unsere Gene und 100% Produkt unserer Umwelt: solange sich unsere Gene nicht verändern, leben wir mit diesen, doch ohne soziale Umwelt gibt es kein menschliches Leben.
Auch wenn es die Boulevardpresse noch so oft wiederholt: Es gibt kein Ruhigstellen durch MPH (vgl. S.204). Weder die Funktionsweise des Stimulans im Gehirn noch die Effekte auf das Verhalten rechtfertigen den Begriff des Ruhigstellens.
Die Aussagen im Abschnitt „Der Ruf nach der erlösenden Pille“ entsprechen schlicht nicht dem Stand der Forschung; dies gilt für die Ermittlung der Dosis (welcher Hirnstoffwechsel bemisst sich nach dem Körpergewicht?), für die Aussagen zur Homöostase, zu den Nebenwirkungen - wieder die polemische Begrifflichkeit „Ritalin-Kinder“ und „Droge“, ganz zu schweigen vom (populär-) wissenschaftlichen Gehalt eines abgeschriebenen Beipackzettels.
Gleiches gilt für viele Aussagen des Abschnitts „Vom Zappelphilipp zum Psychopathen“: Es ist nicht richtig, dass die MPH-Behandlung „kaum Auswirkungen auf das [hat], was mit den ADS-Patienten nach der Pubertät passiert“; das ist eine Conclusio, die Sroufe 2012 in der NYT zur MTA-Studie postulierte und die deshalb unter Laien weithin rezipiert wurde, ohne die sozialen Limitationen solcher Studien zu reflektieren. Eine Metastudie von Shaw et al. 2012 belegt anderes. Zudem ist zu bedenken: Welche Langzeitstudie kann die Lebensbedingungen von Tausenden von Probanden über Jahre oder Jahrzehnte stabil halten, um statistisch valide und reliable Daten zu erhalten? Und zählt nur, was langfristig einen Gewinn bringt? Das wäre, als mäße man die Qualität eines Schulsystems nur an der Zahl der Abiturienten, die Qualität universitärer Ausbildung allein an der Zahl der Nobelpreisträger. Ist es nicht auch ein wünschenswertes und legitimes Resultat, dass sich ein ADHS-Kind unter Medikation in der Schule wohler fühlt (da es angepasster ergo integrierter ist), auch wenn es keine besseren Noten schreibt?
„Denn wer schon als Kind gelernt hat, dass ihm eine Droge helfen kann, wird dieses Muster als eine Option für sich im Hinterkopf behalten“ - warum fällt Journalisten nie der Widerspruch auf, der darin liegt, dass die Kinder durch MPH angeblich ruhiggestellt werden, weniger kreativ sind, ihre Lebenslust verlieren, in der Schule nicht besser werden etc. und das dann so klasse finden sollen, dass sie später regelmäßig zu vergleichbaren Substanzen greifen?!
Auch die retrospektive Diagnose von Prominenten mit ADHS ist unseriös; Einsteins Biographie macht eine ADHS bei ihm nicht gerade wahrscheinlich und selbiges gilt für manch anderen in vergleichbaren Listen.
Nennen Sie mir bitte Studien, welche kurz-, mittel- und/oder langfristige Überlegenheit von Neurofeedback-Verfahren gegenüber der Medikation belegen. Zum jetzigen Zeitpunkt muss festgestellt werden: Es ist weitaus schlechter untersucht als die medikamentöse Behandlung der ADHS - und das Verhältnis von Aufwand und Wirksamkeit ist gleichfalls schlechter.
Der Schlussabsatz des Kapitels auf S.216 ist schlicht Unfug. Zum letzten Satz vgl. Kay et al. (2010) „Methylphenidate facilitates learning-induced amygdala plasticity“.
http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/...ts=201502191923

LG und morgen einen guten Wochenanfang!
Regina

Xobor Erstelle ein eigenes Forum mit Xobor
Datenschutz