#1 Psychoedukation bei Kindern von Frank-guck-in-die-Luft 27.06.2022 14:50

Hallo zusammen, meine Große hat eine Schulfreundin, 11 Jahre, von der sie mal erwähnte, sie habe "ADS". Neulich habe ich das Mädchen nach Hause gefahren und hatte mal Gelegenheit, sie darauf anzusprechen und mich als auch Betroffener zu "outen". Sie weiß die Diagnose (wie gesagt, "ADS") und bekommt auch ein Medikament (welches, weiß sie nicht). Ansonsten hat ihr niemand irgendwas darüber erzählt, was das eigentlich ist und wie das eigentlich funktioniert, wo der Unterschied zu anderen ist, was man machen kann, nichts davon. Ist das normal?? Ich finde das echt ganz besch...eiden, dass ihr da keiner irgendwas erklärt. War leider nur eine kurze Autofahrt und ich konnte nicht viel anbringen... (Die Eltern scheinen sich auch nicht auszukennen, jedenfalls sind sie große Fans von Hausarrest und Handy wegnehmen zur Strafe und solchen Sachen.)

Mir tut das echt so tierisch leid, in der Schule hat das arme Ding auch Schwierigkeiten und bekommt da auch keine Unterstützung. Da hat sie schon das Glück einer frühen Diagnose und dann kriegt sie trotzdem nicht die Hilfe, die sie braucht. Man kann sich da halt aber auch schlecht einmischen, ich kenne die Eltern halt auch gar nicht.

#2 RE: Psychoedukation bei Kindern von SusanneG 27.06.2022 16:45

Uff! Boah, was bin ich froh, dass ich schon so alt bin (und meine Mädels - 33 und 48 - auch)!

Zitat von Frank-guck-in-die-Luft im Beitrag #1
11 Jahre,

Mit elf wusste Kleinetochter ziemlich genau, was ADHS ist, was das Medi macht und warum sie derzeit kein Medi nehmen will und aufgrund welcher Situationen sie das Medi wieder nehmen will. Nur mal so als Anhaltspunkt ...

Zitat von Frank-guck-in-die-Luft im Beitrag #1
Ist das normal??

1. Nein! Ich kann doch meinem Kind keine Tabletten als Dauermedikation geben ohne jeglichen Kommentar dazu, weshalb es diese bekommt und was die Medis machen! (Das war jetzt der Kommentar der Rentnerin mit der Ü30-Tochter.)

2. Ja, leider. Inzwischen darf "jeder" (auch der/die Ahnunglsose) ADHS diagnostizieren, ADHS-Medis verordnen, dem Kind ADHS-Medis geben und dem Kind gegenüber so tun, als wäre es Schnupfen. Ich will hier keinesfalls die große Mehrheit derjenigen angreifen, die einen guten Job machen - egal ob Fachleute oder Eltern! Aber je weniger die Fachleute wissen, was sie tun, desto mickriger fällt die Information für die Eltern aus und damit das Wissen, das sie den Kindern weitergeben könnten. Fruchtbarer Boden also, auf den die Saat aus den Berichten vieler Medien fallen. Besser, man spricht nicht darüber.

Zitat von Frank-guck-in-die-Luft im Beitrag #1
Die Eltern scheinen sich auch nicht auszukennen,

Siehe oben - Eltern werden vom Kinderarzt (leider häufig auch von der Schule) geschickt und wenn der Diagnostiker/Behandler dann auch nicht so genau weiß, was es damit en detail auf sich hat, bleibt nicht viel übrig, was man dem Kind erklären könnte. Alternativ: Man schämt sich und sagt deshalb dem Kind gegenüber so viel wie gar nichts.

Zitat von Frank-guck-in-die-Luft im Beitrag #1
jedenfalls sind sie große Fans von Hausarrest und Handy wegnehmen zur Strafe und solchen Sachen.

Da redest du gegen Wände, tu es dir nicht an. Du weißt ja, wie wir auch hier gegen Wände laufen.

Zitat von Frank-guck-in-die-Luft im Beitrag #1
Da hat sie schon das Glück einer frühen Diagnose und dann kriegt sie trotzdem nicht die Hilfe, die sie braucht.

Ja, das ist sehr schade, aber es ist leider nicht ungewöhnlich .

Zitat von Frank-guck-in-die-Luft im Beitrag #1
Man kann sich da halt aber auch schlecht einmischen, ich kenne die Eltern halt auch gar nicht.

Du kannst dem Mädchen sagen (oder durch deine Tochter sagen lassen), dass sie sich gerne an dich wenden darf, wenn sie Fragen hat, und dass du auch gerne mit ihren Eltern reden willst, wenn diese es wünschen. Mehr kannst du nicht tun. Und wenn du ehrlich zu dir selbst bist: Wenn ein relativ fremder Mann mit deiner Tochter ungefragt über seine ADHS redet, würdest du da ziemlich harsch einschreiten.

Eine Chance gibt es: In der Schule gibt es immer mal wieder Gelegenheit, als Eltern über ein als notwendig erachtetes Thema zu sprechen (Klassenlehrer fragen, gerne auch Rektor) und/oder notfalls das Thema am Elternabend ansprechen und dich als Ansprechpartner anbieten.

Doch Obacht! Über nichts anderes haben Menschen so viel Meinung bei so wenig Ahnung wie beim Thema ADHS. Da muss man den Umweg nehmen über Neurodiversität, Neurodivergenz, ADHS, ASS, LRS, Hochbegabung - und bitte die Linkshänder nicht vergessen. Wenn es denn sein muss, kriegst du das Wichtigste in eine Viertelstunde gepackt, länger hört dir eh keiner zu.

Wenn es denn "professioneller" sein soll, kannst du dir Unterstützung holen von Kristina oder aus den umliegenden ADHS-Gesprächskreisen (Kontaktdaten gibt es bei Bedarf bei mir).

Und falls du dir bei diesem Thema die Haare raufst - ich raufe mit !

#3 RE: Psychoedukation bei Kindern von AndreaA 27.06.2022 17:33

Also mein Großer hat die Diagnose (ADS) mit 15 Jahren bekommen. Ich weiß relativ spät. Ich habe ihm die ADHS dann nochmals genau erklärt. Vieles hat er bei seinem Bruder ja schon mitbekommen.

Zwergi hat die Diagnose mit 8 Jahren bekommen und weiß was ADHS und auch was ASS (Diagnose mit 10 Jahren) ist. Wir haben da von Anfang an offen drüber gesprochen.
Achso, die Informationen über ADhS und ASS habe ich im übrigen nicht von den Ärzten oder Therapeuten bekommen. Ganz im Gegenteil, die Therapeuten musste ich z. T. aufklären. Die Infos habe ich mir aktiv geholt, indem ich in eine SHG gegangen bin (für ADHS / ADHS-Deutschland), Bücher gelesen habe, dieses Forum gefunden habe und ja auch in Gruppen auf Facebook bin (die Facebookgruppen aber eher für ASS).
Ohne die Selbsthilfe und gute Bücher wäre ich auch ahnungslos.
Man muss nur selber aktiv werden. Es bringt einem Keine*r die Informationen. Auch wenn Aufklärung ja auch Sache der Ärzte wäre.

#4 RE: Psychoedukation bei Kindern von Frank-guck-in-die-Luft 27.06.2022 21:11

Traurig ist das alles. Ich spüre den Entschluss reifen, hier lokal aktiv zu werden...

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