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#1 Mein neuer Job von Buttertonne 13.07.2022 08:06

Hallo zusammen!

Vorab schildere ich kurz meine Situation.

Seit ein paar Jahren hatte ich immer wieder mit Depressionen zu kämpfen. Letztes Jahr bin ich zum ersten Mal über Monate ausgefallen. Burnout.
Ich habe seit dem regelmäßige Sprechstunden. Da ich zu diesen schon regelmäßig Termine oder Unterlagen vergessen/oder beim Doc hab liegen lassen, festigste sich der Verdacht auf ADS. Diese Vermutung gab es als Kind schon bei mir, wurde aber nie genauer behandelt. Meine Mutter ist immernoch der Ansicht ADS gibt es nicht.
Also habe ich mich testen lassen und die Psychologen sind sich so weit einig.

Mein Lebenslauf gestaltet durch sehr viele Arbeitgeber. Längste Arbeitszeit knapp 3 Jahre. Bin jedesmal in Leistungsschwierogkeiten geraten. Zu teilen auch gefeuert. Oder unglücklich versetzt worden.

Ich war immer als Bauleiter tätig. Nach meinem Burnout hat sich das Verhältnis zu meinem Chef geändert. Bis dieser - Überraschung - meinte ob ich mir nicht was anderes suchen will. Ich wollte die Chance nutzen und downshiften. Dachte das hilft mir. Allerdings habe ich jetzt einen trockenen Büro Job und leide teilweise schon richtig.

Habe in über einem Monat erst mein Gespräch über Medikamente. Wo ich mir nun viel erhoffe (Konzentration etc).

Allerdings merke ich schon jetzt eine gewisse Enttäuschung bei meinem Chef.
Ich bin unordentlich, vergesslich, unkonzentriert, dadurch langsam und zu teilen werde ich auch wieder depressiv.

Meine Frage also:

Soll ich ihm die Situation schildern?
Ich habe keine Probezeit.
Aber ich glaube ich kann bis zu den Medis noch ne Menge kaputt machen.

Danke schonmal!

Eure Buttertonne

#2 RE: Mein neuer Job von AndreaA 13.07.2022 12:30

Hallo Buttertonne,

herzlich Willkommen hier im Forum.

Hast du denn die offizielle Diagnose? Hat es einen Grund warum der Arzt einen weiteren Termin zur Medikamentenbesprechung macht?

Ob du es sagst oder nicht, kommt auch auf deinen Gegenüber an. Ist es Jmd der ADHS als Modediagnose abtut und viel Meinung bei wenig Wissen hat, oder Jmd der empathisch und verständnisvoll ist? Was sagt dir da dein Bauchgefühl.

Ich habe in der Schule nicht von ADHS (bei meinem Kind) gesprochen und auch nur auf Fragen geantwortet. Wenn gefragt wurde ob er Medis nimmt, habe ich bejaht. Wenn gefragt wurde, ob er Ritalin nimmt, habe ich verneint (er nimmt Kinecteen).
Wenn nach dem Wirkstoff Methylphenidat gefragt wird, zeigt es mir, dass mein Gegenüber etwas Ahnung hat und auch da antworte ich auf diese Frage wahrheitsgemäß.

Ich war und bin immer vorsichtig wem ich die Diagnose sage. Habe da auch schon negative Erfahrungen gemacht.
Allerdings geht es bei mir um mein Kind und Schule. Bei Erwachsenen und Arbeit habe ich keine Erfahrung.

#3 RE: Mein neuer Job von SusanneG 13.07.2022 14:12

Hallo Buttertonne, sei herzlich willkommen im Forum !

Es tut mir leid, dass da bei dir beruflich so viel in die Hose ging. Nach allem, was du schreibst, hast du die richtige Nische für dich offenbar noch nicht gefunden.

Zitat von Buttertonne im Beitrag #1
Nach meinem Burnout hat sich das Verhältnis zu meinem Chef geändert. Bis dieser - Überraschung - meinte ob ich mir nicht was anderes suchen will.

Verstehe ich das richtig? Dein Chef hat gemeint, du könntest dir was anderes im gleichen Betrieb suchen und er ist jetzt immer noch dein Chef?

Zitat von Buttertonne im Beitrag #1
Ich wollte die Chance nutzen und downshiften. Dachte das hilft mir. Allerdings habe ich jetzt einen trockenen Büro Job und leide teilweise schon richtig.

"Downshiften" geht bei ADHS meistens in die Hose. Derlei "Angebote" fangen spätestens in der vierten Klasse Grundschule an und hören frühestens zum Rentenbeginn auf. Beispiele? Ein Grundschulkind mit einem IQ von 120 bekommt ein sehr durchwachsenes Zeugnis und den Eltern wird gesagt, das sei nicht schlimm, dann gehe das Kind eben auf die Hauptschule, man brauche ja auch gute Handwerker.

Erstens spiegelt sich hier der IQ nicht im Zeugnis wider, was nicht gegen das Kind spricht, aber auch nicht für die Schule. IQ und Schulnoten stehen nicht unbedingt in direktem Zusammenhang. Zweitens wird hier unterstellt, alle Hauptschüler werden Handwerker und alle Handwerker haben den Hauptschulabschluss. (Nur mal so am Rande ... als ich jung war, hat man hier nicht Handwerker, sondern Müllmann gesagt. Die Dummschwätzer würden staunen, wenn man bei Müllwerkern mal den IQ ermitteln würde.)

Zitat von Buttertonne im Beitrag #1
Habe in über einem Monat erst mein Gespräch über Medikamente. Wo ich mir nun viel erhoffe (Konzentration etc).

Ein Gespräch über Medikamente bedeutet nicht, dass du am nächsten Tag funktionierst wie ein Roboter. Es bedeutet, dass der Arzt dich über Medikamente aufklärt. Es kann durchaus sein, dass du nach dem ersten Gespräch noch gar kein Medikament bekommst. Und ob das erste Medikament schon passt, steht auf einem ganz anderen Blatt. Fixiere dich nicht darauf, dann bist du auch nicht enttäuscht. Ach ja, und nimm den Fokus bitte weg von der Konzentration.

Zitat von Buttertonne im Beitrag #1
Allerdings merke ich schon jetzt eine gewisse Enttäuschung bei meinem Chef.
Ich bin unordentlich, vergesslich, unkonzentriert, dadurch langsam und zu teilen werde ich auch wieder depressiv.

Meine Frage also:

Soll ich ihm die Situation schildern?

Nein. Dazu hat Andrea schon einiges gesagt. Ich kann nur jedem einschärfen: Sprich nie ungefragt über deine ADHS! Was du deinem Chef sagen kannst, ist, dass du gerade in der Diagnostik bist - man sucht, ob da noch was anderes ist außer den Depressionen. Du erhoffst dir davon neue Erkenntnisse und eine lösungsorientierte Therapie, wie auch immer die aussehen mag.

Zitat von Buttertonne im Beitrag #1
Aber ich glaube ich kann bis zu den Medis noch ne Menge kaputt machen.

Jo. Isso. Und deshalb "simulieren" wir das jetzt mal mit den Medikamenten .

Sorge täglich für Entspannung, nimm dir Zeit nur für dich. Wann und wie lange ist irrelevant.

Sorge für ausreichenden Schlaf. Wenn der Bienenkorb im Kopf summt, gönne dir ein große Tasse Melissentee vor dem Schlafengehen.

Trinke ausreichend viel (mindestens zwei Liter, gerne mehr).

Trinke Tee (grüner Tee, schwarzer Tee, Mate - höchstens drei Minuten ziehen lassen)

Trinke Kaffee (wenn der Magen motzt, nimm Espresso-Bohnen).

Trinke Cola (Coke zero oder Diet Coke)

Iss immer mal wieder ein "Pocket Coffee".

Vergiss Limo und Cola mit Zucker. Wenn dir nach Süßem ist, dann iss Schokolade - Schokolade macht glücklich. Oder Gummibärchen.

Wenn du unruhig wirst, geh aufs Klo.

Und dann ist da noch die vielzitierte heißgeliebte Konzentration . Was mir (im Bürojob) hilft: Alles runter vom Schreibtisch, was ich heute nicht brauche. Alles hin auf den Schreibtisch, was ich in den nächsten zwei Stunden brauche. Gummibärchen (oder Pocket Coffee oder Salzstangen oder Kekse oder Whatever) bereitstellen. Wasser bereitstellen, Heißgetränk holen, Handy checken, lautlos stellen, in die Schublade legen (du hast ein Festnetz-Telefon, wenn es wirklich wichtig ist), aufs Klo gehen - und los geht es!

#4 RE: Mein neuer Job von Buttertonne 13.07.2022 14:13

Hey Andrea!

Ich habe tatsächlich keine finale Diagnose. Kommt vllt noch bei meinen Überlegungen hinzu. Das ganze ist bisher so abgelaufen:

Die Therapeutin bei der ich die Regelmäßigen Sprechstunden habe hat den Verdacht geäußert. Dann haben wir das ein paar Sitzungen lang erörtert. Wo ich mich dann auch immer wieder selbst erkannt habe. (wenn man nach meiner Frau geht habe ich alle Symptome XD) Die Therapeutin hat selber ADS und betreut viele Betroffene. Also haben wir gesagt testen wir das mal. Bei Psychologen hab ich mich dann testen lassen. Dieser hatte dazu nur kurz Stellung genommen und meinte das wäre danach wohl sehr eindeutig. Er wertet das jetzt aus. Dazu bräuchte er wohl auch eine Stellungnahme von meiner Therapeutin und die Unterlagen meines ehemaligen Therapeuten (damals noch Verdacht auf Bipolar). Der Psychologe meinte wenn das daraus auch noch hervorgeht dann würden wir gucken wie wir da mit passenden Medikamenten arbeiten können. Also geht es nicht nur um Medikamente sondern au h um die finale Diagnose.

Habe im Internet schon so ein paar Horrorgeschichten gelesen. Bzg Job verlieren etc. Internet ist ja so ne Sache. Deshalb wollte ich mich hier mal erkundigen.

Zu meinem Chef... Joa über 60 Jahre. Kann es nicht ganz einschätzen. Eigentlich super Verhältnis. Nur merke ich halt dass er mehr erwartet hat.
Es ist wohl so, dass man hier unter Kollegen immernoch von einem ehemaligen Angestellten spricht der wegen Depressionen lange ausgefallen ist und danach nicht mehr richtig Fuß fassen konnte.

Jetzt hab ich natürlich extra Angst wenn ich wieder mit einem Psyche-Problem um. Die Ecke komme.

Grundsätzlich habe ich zu dem ganzen Thema ADS und Medikamente noch so viele Fragen. Aber das ist was mir gerade so am Herzen liegt.

VG

#5 RE: Mein neuer Job von Buttertonne 13.07.2022 14:41

Huhu!

Hui, da kam ja viel XD Danke dafür.
Und danke für die Tipps.

Zu meinem neuen Chef, er ist ganz neu. Bei meinem alten konnte ich nichts mehr reißen. Nach dem Burnout wollte er mich schon loswerden. Ich hab nicht mehr als Bauleiter gearbeitet sondern nur noch nebenher für andere Bauleiter. Rechnungsprüfung, Revisionsunterlagen, Controlling. Erst hat er es versucht mit viel zu viel Arbeit und danach mit gar keine Arbeit mehr. Als ich dann immernoch nicht von mir aus gekündigt habe, hat er halt das Gespräch gesucht. Damals war ich aber tatsächlich schon auf Jobsuche.

Es ist etwas ähnlich wie bei meinem noch anderen Arbeitgeber vorher. Als Bauleiter gearbeitet und über meine Baustellen die Kontrolle verloren. Bin dann auch depressiv geworden aber nicht ausgefallen. Wurde nur halt noch schlechter. Damals hat man mich in den Innendienst versetzt. Es wurde mir nie direkt gesagt aber hab wohl gehört, dass es Schadensbegrenzung war. Ich hab zu viele Fehler gemacht, die ins Geld gingen. Dann habe ich Kalkuliert. Den ganzen Tag nur Gebäude durchgerechnet. Ich habe das nicht ausgehalten. Das hat mich richtig fertig gemacht. War abends richtig richtig erledigt. Aber nicht von der Arbeit sonder von den Versuchen überhaupt zu arbeiten. Nach vorsichtigen Anfragen ob ich wieder an die Front darf und mir das verneint wurde, habe ich mir was neues gesucht.

Aber wie die sagst... Vllt ist es immernoch nicht das richtige. Meine Hoffnung sind zum einen Medikamente die mich "wirtschaftlicher" funktionieren lassen. Aber habe da auch großen Respekt vor. (auch hier liest man im Netz ja die wildesten Sachen)

Aber es stellt sich mir ja die Frage, was dann ein richtiger Job ist. Ich kann nach dem Downshifting nicht noch weniger verdienen. Ich habe auch so große Verpflichtungen (Kinder, Haus, Studienkredit, es wird alles teurer). Habe schon für diesen Job ein viiiiiel besseres Angebot abgelehnt. Was meine Frau auch mitgegangen ist. Gesundheit geht vor und nochmal meinen persönlichen Absturz miterleben will sie auch nicht. Aber wenn ich jetzt sage ich finde mich neu dann heißt das auch wieder "weniger Lebensqualität".

Ist etwas schwierig. Ich bin sehr kreativ. Anfangs ging es in meinen Sprechstunden darum, dass es bei meinen Depressionen um Panikattacken geht. Ausgelöst von meiner Lebenssituation. Ich bin eigentlich schon immer sehr unzufrieden in der Baubranche. Habe immer gedacht iwann schaff ich es da raus und mache was kreatives. Nun muss ich aber auch für die Kinder da sein und ein großes Haus abbezahlen (groß gebaut weil ich ja immer mehr Geld verdienen werde)


Ich glaube jetzt schweife ich etwas ab. Zumal ich ja wieder auf der Arbeit bin.

Heute hatte ich viele Außentermine. Damit kann ich um. Schaffe danach auch noch den anfallenden Papierkram. Nur sobald ein Tag nur aus Büro besteht wirds hart. Aufeinander folgende Tage machen mich dann schon fertig.

Soviel erstmal. Hab schon das Telefon am blinken weil ich nicht dran gegangen bin xD

Bis später

#6 RE: Mein neuer Job von Laura S 13.07.2022 17:09

Hallo Buttertonne,

von mir auch herzlich Willkommen im Forum. Du sagst , Du hast noch soviele Fragen zum Thema ADHS - dann bist Du hier ganz richtig! Auf viele Fragen wirst Du schon Antworten finden, wenn Du Dich hier im Forum intensiver einliest - und Deine individuellen Fragen kannst Du stellen. Eins solltest Du dabei beachten: Kein ADHSler ist wie ein anderer - daher sollte man keine Fragen stellen , die „Kennt das jemand auch?“ oder so ähnlich beinhalten…. Du wirst hier auf viele mit ADHS sehr erfahrene Menschen treffen, also frag !

Und schau bitte , dass Du nicht alles auf einmal möchtest. Eine offizielle Diagnose ist auf jeden Fall wichtig für eine evtl. beginnende medikamentöse Behandlung, auch eine laufende Therapie ist sehr förderlich. Es gibt Ärzte, die setzen das voraus bei einer med. Therapieeinleitung.

Übrigens, um Missverständnisse zu vermeiden - Psychologen dürfen auch diagnostizieren, aber nicht Medikamente verordnen. Dafür brauchst Du einen Arzt. Hast Du bereits einen Psychiater? Wenn Du schon Depressionen und Burnout hinter Dir hast, vermute ich das stark. Leider kennen sich nicht alle Psyichiater mit ADHS aus. Das wäre also erstmal bei der Diagnostik der nächste Schritt, leider konnte ich das nicht so klar rauslesen, ob Du bereits eine offizielle Diagnose hast.

Du hast zu uns gefunden, ein guter Schritt - außerdem such Dir gerne eine Selbsthilfegruppe in Deiner Nähe (und wenn es etwas weiter ist, dann fahr weiter ). Es ist viel Wert, Gleichgesinnte zu treffen und Erfahrungen auszutauschen. Dort gibt es auch ggf. Tipps, wo der nächste ADHS- kundige Psychiater ist. Ich bin anfangs immer über 80 km zu meinen Arzt gefahren, bis ich irgendwann in meiner Nähe einen gefunden habe….

Zu Deinem Job. So ganz bin ich noch nicht durchgestiegen, aber ich meine Meinung ist: Diagnostik und Beginn einer med. Einstellung ist kein guter Zeitpunkt, um einen Jobwechsel vorzunehmen. Also, auch wenn du gerade mit dem Job nicht so glücklich bist - ich würde mich entscheiden, was mir grad wichtiger ist und auf keinen Fall alles gleichzeitig machen, das geht nicht gut .

Und über eine bestehende ADHS zu sprechen - da bin ich ganz bei Susanne und Andrea. Da wäre ich ganz ganz vorsichtig! Ich würde Dir im Moment auch davon abraten. Natürlich steht es dir frei , zu sagen , Du bist in Behandlung etc, aber kennt sich jemand nicht aus, kann es doof für Dich werden, erst recht, wenn schon andere psychische Diagnosen bekannt wurden.

Und wie Susanne schon schrieb - fokussiere Dich nicht zu sehr auf Konzentration - und dass es dann alles besser laufen wird mit medikamenten. Du musst bei einer Einstellung mitunter auch etwas länger Geduld haben , bis passendes Präparat und Dosis gefunden sind und es werden damit nicht alle Probleme verschwinden. Du selber musst daran arbeiten. Mit Hilfsmitteln - aber Du bist es, der es lernen muss! Und es heißt nicht, dass der passende job dann gleich gefunden ist.

Also, schau Dich um im Forum und stell Deine Fragen - und berichte uns, wie es läuft!

LG Laura

#7 RE: Mein neuer Job von SusanneG 14.07.2022 13:12

Zitat von Buttertonne im Beitrag #5
Zu meinem neuen Chef, er ist ganz neu.

Zitat von Buttertonne im Beitrag #4
Zu meinem Chef... Joa über 60 Jahre.

Ok, das habe ich nicht richtig erfasst. Dann lass das Thema ADHS & Co. erst mal stecken. Es gibt nur einen einzigen Grund, mit dem Chef darüber zu sprechen: Wenn du gezielt danach gefragt wirst.

Bei Chefs ab 60 gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder gehören sie zur Fraktion "ADHS gibt es nicht" (alternativ: Das sind doch die, die ihre Kinder mit Ritalin ruhigstellen) - dann ist ohnehin jede Diskussion zwecklos. Oder sie haben Interesse und fragen gezielt - dann beantworte alle Fragen.

Zitat von SusanneG im Beitrag #3
Sprich nie ungefragt über deine ADHS! Was du deinem Chef sagen kannst, ist, dass ...

... du ausgeprägte Schlafstörungen hast und daran arbeitest, mal mehr, mal weniger erfolgreich. Aber du bleibst dran. Und das sage bitte nur dann, wenn du den Eindruck hast, dein Chef möchte irgendeine Erklärung dafür haben, dass du schon wieder was versiebt hast.

Zitat von Buttertonne im Beitrag #4
(wenn man nach meiner Frau geht habe ich alle Symptome XD)

Tja, Fremdanamnesen durch Partner sind oft ein wichtiges Instrument. Wenn du mit deinem Diagnostiker "gut kannst", dann bitte ihn doch mal um einen Fragebogen für Angehörige; sage aber auch gleich, dass du dir vorbehältst, ihm den Fragebogen ausgefüllt zurückzugeben oder auch nicht.

Zitat von Buttertonne im Beitrag #4
Dazu bräuchte er wohl auch ...

Einen Scheixx braucht er! Sorry. Das nervt mich so, wenn Diagnostiker alles haben wollen, was bisher lief. Was machen die denn, wenn sie die erste und bisher einzige Anlaufstelle sind? Grundschulzeugnisse? Fremdanamnese bei den Eltern? Man kann auch selbst diagnostizieren, ohne die Meinung von Dritten. Das alles kann und darf nur dazu dienen, die Erkenntnisse des Diagnostikers zu bestätigen oder zu widerlegen - aber bitte erst dann, wenn eine Diagnose gestellt wurde.

Wirr geschrieben, sorry.

Zitat von Buttertonne im Beitrag #4
Der Psychologe meinte wenn das daraus auch noch hervorgeht dann würden wir gucken wie wir da mit passenden Medikamenten arbeiten können.

Zitat von Laura S im Beitrag #6
Übrigens, um Missverständnisse zu vermeiden - Psychologen dürfen auch diagnostizieren, aber nicht Medikamente verordnen. Dafür brauchst Du einen Arzt.

Was ist denn die genaue Berufsbezeichnung deines Psychologen? Nur ärztliche Psychotherapeuten dürfen Medikamente verschreiben, alle anderen Psychologen dürfen das nicht. Wie Laura schon schon schrieb, brauchst du dann für die Medikamente einen Psychiater.

Zitat von Buttertonne im Beitrag #4
Habe im Internet schon so ein paar Horrorgeschichten gelesen.

Tja, das Internet . Im Internet findest du zunächst mal viele Meinungen ohne Ahnung, außerdem eigene Erfahrungsberichte. Letztere sind subjektiv; sie können in Einzelfällen auch auf dich zutreffen, tun das aber meistens nicht.

Objektive Äußerungen zur ADHS und insbesondere zur Medikation findest du auf den Seiten der Medi-Hersteller (Medice, Novartis, Janssen-Cilag, Shire) und auf den Webseiten der ADHS-Selbsthilfe (ADHS Deutschland, Pontixx, Juvemus ... und eigene Seiten von Selbsthilfegruppen).

Wir sind ein ADHS-Selbsthilfe-Forum. Unsere Team-Mitglieder kommen zum Teil aus der regionalen ADHS-Selbsthilfe, zum Teil haben sie hier bei uns so viel über ADHS gelernt, dass sie inzwischen das Forum moderieren können. Eine mindestens jährliche Fortbildung ist bei uns Pflicht. Achte bei allen ADHS-Foren jeweils darauf, wie viele Beiträge derjenige geschrieben hat, über dessen Beitrag du nachdenkst.

Zitat von Buttertonne im Beitrag #4
Grundsätzlich habe ich zu dem ganzen Thema ADS und Medikamente noch so viele Fragen.

Stelle sie. Wir sind da.

Zitat von Buttertonne im Beitrag #5
Medikamente die mich "wirtschaftlicher" funktionieren lassen

Ich sehe, du lernst . Du hast Leidensdruck, deshalb willst du Medis nehmen. Wenn durch die Medis dieser Leidensdruck weniger wird, dann wirkt das Medikament. Ziel der Medikation ist in erster Linie, dass es dir besser geht. Daraus resultieren dann so Sachen wie Konzentration und wirtschaftliches Funktionieren undundund. Das alles funktioniert aber nur dann, wenn es dir selbst - im Inneren, in deinen Empfindungen, in deinem Selbstwert - besser geht. Du nimmst die Medikamente für dich, nicht für andere.

Zitat von Buttertonne im Beitrag #5
Aber habe da auch großen Respekt vor.

Den will ich dir auch nicht nehmen, es sind nun mal keine Bonbons. Mit einer gesicherten ADHS-Diagnose und dem passenden Medi in der richtigen Dosierung ist das aber völlig in Ordnung. Lass dich nicht beirren. Wenn du Fragen zur Medikation hast, frag uns.

Zitat von Buttertonne im Beitrag #5
(auch hier liest man im Netz ja die wildesten Sachen)

Siehe oben.

Zitat von Buttertonne im Beitrag #5
Aber es stellt sich mir ja die Frage, was dann ein richtiger Job ist.

Nimm einen Stift und ein Stück Papier und schreibe alle Jobs auf, die dir als irgendwie passend erscheinen. Es ist unerheblich, ob du das schaffen kannst, ob es solche Jobs auf dem Markt gibt, ob dich jemand einstellt, ob du was an deinen Bewerbungsunterlagen ändern musst oder was auch immer. Interessant ist nur, über welche Jobs du gerne mal detaillierter nachdenken möchtest. Fotografiere dieses Stück Papier (oder speichere es auf anderem Wege) und dann wende dich erst mal der Sache mit der Diagnostik und der Medikation zu. Erst wenn es hier "passt" - also wenn du dich wohl fühlst und dein Selbstwertgefühl besser ist - holst du den Zettel wieder vor und wendest dich der beruflichen Problematik zu.

Zitat von Buttertonne im Beitrag #5
Aber wenn ich jetzt sage ich finde mich neu dann heißt das auch wieder "weniger Lebensqualität".

Um dich neu zu finden ist im Augenblick der falsche Zeitpunkt. Erst muss die Diagnostik abgeschlossen sein und die Medikation funktionieren. Dann gibt es - außer der Medikation - noch andere Therapien, auch hiervon kannst du profitieren.

Zitat von Buttertonne im Beitrag #5
Ich bin sehr kreativ.

Ach ja ? Sag mir einen hier im Forum, der das nicht ist - nur einen! Spaß muss auch mal sein

Zitat von Buttertonne im Beitrag #5
Ich bin eigentlich schon immer sehr unzufrieden in der Baubranche.

Siehe oben - Zettel. Meine Neugier lässt fragen, welche Branche dich denn interessieren würde.

Zitat von Buttertonne im Beitrag #5
und ein großes Haus abbezahlen (groß gebaut weil ich ja immer mehr Geld verdienen werde)

Diese Kiste mit dem Haus abbezahlen kann wohl niemand so gut verstehen wie ich. Lass uns darüber reden, wenn die Medis funktionieren.

Zitat von Laura S im Beitrag #6
Und schau bitte , dass Du nicht alles auf einmal möchtest.

Das kann ich nur unterstreichen.

Zitat von Laura S im Beitrag #6
Selbsthilfegruppe in Deiner Nähe (und wenn es etwas weiter ist, dann fahr weiter )

Ja, unbedingt! Ein Teilnehmer meiner Gruppe hatte eine Anfahrt von 220 km. Er sagte, es war ihm wichtig. 100 km Anfahrt ist keine Seltenheit.

#8 RE: Mein neuer Job von Buttertonne 14.07.2022 14:47

Guten Tag zusammen!

Vorab, ich bin wirklich begeistert über eure ausführlichen Antworten. Ich bin wirklich begeistert. Ich habe keine Erfahrungen mir irgendeiner Form von Forum. So viel Feedback habe ich nicht erwartet.

Ich warte nun mal das weitere Vorgehen meiner Psychiater etc ab. Halte bei meinem Chef oder sonst jemanden erstmal die Klappe 😅
Ich habe ja eh keine finale Diagnose.

Ich schreibe mit meinem Handy und habe nicht rausgefunden wie ich direkt auf Zitate antworte. Von daher versuche ich es mal so.

Zu den Äußerungen bezüglich der mich behandelnden Personen.

Ich habe für die Sprechstunden eine Psychologische Psychotherapeutin (Dr. Dipl. Psych)
Meine bisherige Medikation (Antidepressiva, ausgeschlichen) und den ADS Test (also auch die weitere potentielle Medikation) erfolgt über einen Psychiater (Dr. Med)

Ich werde diese ganzen Bezeichnungen gerne mal durcheinander oder vergesse was wer genau macht 😅

Das Dr. Med eine Stellungnahme von Dr. Dipl. Psych haben wollte erschien mir eigentlich ganz gut. Habe ich mit ihr immerhin schon viel dazu erarbeitet bzw beleuchtet. Auch war sie es die die Vermutung als erstes hatte. Abgesehen von Lehrern aus meiner Kindheit.

Die Idee mit Schlaflosigkeit zu argumentieren finde ich echt super. Unabhängig von größeren Problemen kann ich es manchmal vllt einfsch auf die Kinder schieben 😅

Ich habe mir im Internet ein paar Methoden zur Bewältigung trockener Bürotätigkeiten angelesen. Die ich heute promt umgesetzt habe. Dabei zerlege ich mir morgens schon die Arbeit in sehr viele kleine Häppchen und gönne mir danach immer ein paar Minuten für mich. Bis die Häppchen erledigt sind ist das Handy im Schrank. Zwischendurch wird sich immer wieder neu organisiert. Alles aufgeräumt. Aufgabenlisten abgehakt und alles geschlossen was nicht unbedingt auf sein muss. Sehr schön. Kann alles so einfsch sein. Bzw klingt ganz logisch. 😅

Ich bin echt offen für Methoden der Arbeitsbewältigung.
Wenn ich mal anfange geht es einfach aber oft komme ich in eine Abwartsspirale. Iwann brummt nur noch der Schädel. Schwindel, Panik weil nichts fertig wird. Alles dreht sich dann im Kopf aber fühlt sich gleichzeitig verkrampft oder wie Beton an. Wenn ich dann aber arbeite und es funktioniert bremst mich oft auch dir Begeisterung darüber aus. 😅 Ich werde hibbelig stehe immer wieder aus schütteln angespannt meine Hände. Dann kommt es oft vor dass ich den Faden dadurch wieder verliere 😅

Vorgestern hatte ich so einen schlimmen Tag. Er fing mit einer Überlegung zu einem privaten Projekt an. Plötzlich habe ich dazu Zeichnungen erstellt. Material Listen gemacht. Grobe Terminplan und erste Sachen online bestellt. Plötzlich war halb zehn und ich sollte eigentlich seit 7 arbeiten. Danach fällt mir die Arbeit doppelt schwer. Würde am. Liebsten nach Hause und die andere Sache machen. Danach bin ich auch so abgestürzt, dass ich abends total erledigt war. Konnte nicht mehr reden. Alles war so laut im Kopf. Habe meine Frau weggeschickt und mich alleine auf Terrasse gesetzt und 5 Bier getrunken. Musste den Kopf runterfahren.

... Ich schweife schon wieder ab 😅
Muss wieder an die Arbeit.
Wenn ich noch wesentliches nicht beantwortet habe fragt ruhig nochmal nach. Wie gesagt ich sehe auf meinem Handy eure Antworten beim Schreiben nicht. Bzw weiß noch nicht wie das geht 🙈

Erstmal vielen Dank für alles!

VG Buttertonne

#9 RE: Mein neuer Job von Buttertonne 14.07.2022 14:57

Ich muss mir das geschriebene vor dem Senden mal durchlesen 😂
Mit Handy passieren so viele Tippfehler. 😅

#10 RE: Mein neuer Job von SusanneG 14.07.2022 23:06

Zitat von Buttertonne im Beitrag #8
und habe nicht rausgefunden wie ich direkt auf Zitate antworte.

Vergiss die Zitate. Bei mir zum Beispiel ist das Zitieren Bequemlichkeit. Beim ersten Durchlesen speichere ich die Zitate. Wenn ich dann später antworte, sehe ich, worauf ich antworten wollte. Ich halte die Zitate so kurz wie möglich und da spielt die App am Handy ohnehin nicht mit.

Zitat von Buttertonne im Beitrag #8
Meine bisherige Medikation ... erfolgt über einen Psychiater (Dr. Med)

Gut, dann ist das ja geklärt.


Zitat von Buttertonne im Beitrag #8
Das Dr. Med eine Stellungnahme von Dr. Dipl. Psych haben wollte erschien mir eigentlich ganz gut.

Das ist per se auch in Ordnung. Solange der Doc seine eigene Diagnose nicht auf die Meinungen anderer Beteiligten stützt, ist alles gut.

Zitat von Buttertonne im Beitrag #8
Ich habe mir im Internet ein paar Methoden zur Bewältigung trockener Bürotätigkeiten angelesen. Die ich heute promt umgesetzt habe. Dabei zerlege ich mir morgens schon die Arbeit in sehr viele kleine Häppchen und gönne mir danach immer ein paar Minuten für mich. Bis die Häppchen erledigt sind ist das Handy im Schrank. Zwischendurch wird sich immer wieder neu organisiert. Alles aufgeräumt. Aufgabenlisten abgehakt und alles geschlossen was nicht unbedingt auf sein muss. Sehr schön. Kann alles so einfsch sein. Bzw klingt ganz logisch.

Siehste, man findet auch ganz hilfreiche Sachen im Internet. Ich hätte es nicht besser beschreiben können.

Zitat von Buttertonne im Beitrag #8
Muss wieder an die Arbeit.

Oha! Du, wir sind vor allem abends aktiv. Es ist nicht notwendig, dass du hier während der Arbeitszeit schreibst . Soviel zu Methoden der Arbeitsbewältigung .

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