Ich mag (gerade) nicht mehr...

09.02.2012 13:48
avatar  smilla
#1
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Ich mag (gerade) nicht mehr!!

Kennt Ihr diese Tage auch, an denen Ihr kein Bock mehr habt? Heute is`so einer. Heute bin ich gefrustet warum mein Kind nicht so ist wie alle anderen Vorzeigekinder in seiner Klasse!

Ich habe gerade keine Lust mehr, meine Küche mit Belohnungsprogrammen zu tapezieren, Positiv-Rückmelde-Programme zu entwerfen und jede Meinung anzuhören die irgendjemand auf Lager hat!

Ich will hier und heute, gerade jetzt nur eine einzige Sache: Ein normales Kind und ein normales Leben. Kennt Ihr diese Wachsamkeit (Ihr kennt sie!!), die einem immer im Nacken hockt? War das, ist das oder wird das richtig sein, was ich/ wir da machen? Ständig das Gefühl man darf nicht einknicken, muss stets am Ball bleiben, alles doppelt überdenken und es irgendwie immer richtiger machen als andere Mütter? Weil ich auch immer denke jeder erwartet das von mir, es besser zu machen weil mein Kind eben anders ist!!

Und leider ist diese Wachsamkeit schon so in Fleisch und Blut übergegangen, dass z.B. folgendes passiert:

Gehe ich vor ein paar Tagen, ein Samstagabend mit dem Hund `ne Runde!Sohn sitz mit Papa zu Hause schon in der Badewanne! Toller Samstag, tolles Kind, Spielbesuch und alles tutti, Stockbrot und Feuerkorb! Wie im Bilderbuch!

Plötzlich ein Gefühl, ich nenne es nicht Glücklichsein, aber Zufriedenheit trifft es wohl ganz gut! Denke ich also:
Soooooo, heute bist du seit langem richtig zufrieden, mit unserem Leben, dem ADHS, der Schule etc.

Und dann WUSCH!!! Drrrrrrrrrrrrrrrrring! Dann geht der Alarm los im Kopf, der schreit: Halt, halt!! Lass das nicht zu! Kannst Du Dir das überhaupt leisten?

Und ehrlich? Ich würde diesen Moment gerne ewig andauern lassen aber ich habe gelernt dass es besser ist, die Antennen nicht einzufahren, achtsam zu sein, denn sonst wirft mich die nächste Katastrophe wieder doppelt raus!!

So, jetzt habe ich genug gejammert, sorry! Aber bitte glaubt mir eines: ich liebe meinen Sohn wie verrückt, gerade deshalb sind diese Gefühls-auf-und-abs ja manchmal so schwierig! Aber ichweiss, das kennt Ihr wohl auch...smilla


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09.02.2012 17:03 (zuletzt bearbeitet: 09.02.2012 17:03)
avatar  FaVe
#2
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Hallo Smilla!

oh ja, ich kenne diese Gedanken auch: nicht nur: warum nicht wie ein normales Schulkind, sondern auch: warum nicht nur wie sein Bruder?

Und das jeden Morgen beim Anziehstress, jedes mal, wenn ich mit der Lehrerin zu tun habe, wenn ich den Zettel an der Wand mit "Akzeptieren Sie Ihr Kind so wie es ist.....!"

Wenn wir im Urlaub mal wieder eine größere Wohnung buchen, damit die beiden Brüder getrennt schlafen, weil sonst gar ncihts geht, wenn ich mal wieder den Termine bei irgendeienm Arzt oder Therapeuten wahrnehme, wenn

Aber wenn dann mein ADS Sohni mehrmals die Woche kommt mit den Worten "Mama ich hab dich lieb" (Macht der größrere nicht betroffene nie!) dann ist geht einem doch das Herz auf.

Ich möchte dieses Kind nicht hergeben, er wird seinen Weg mache, auch wenn er Umwege macht: aber wir alle wissen, es kostet uns Eltern Kraft, diesem Weg mitzugehen ...

Dafür bin ich hier im Forum, um mich manchmal auszuheulen, oder auch mal festzustellen, anderen gehts genauso oder evtl. schlimmer. Aber es stimmt schon, man traut sich kaum zu genießen, was gut klappt, weil im Hinterkopf schon das Gedankenteufelchen lauert, "Die nächsten Schwierigkeiten kommen bestimmt!"

Im Rückblick ging dann doch einiges: nach der Wiederholung der 2. Klasse klappte Schule besser, er braucht halt länger für Mathe, aber weiß wie es funktioniert, im Lesevergleich kann er gut vorlesen, sein technischen verständnis übersteigt das seines älteren Bruders.

Grüße und "gute Launebesserung"
FaVe

Wahnsinn ist erblich,
.... man kann ihn von seinen Kindern bekommen


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09.02.2012 23:18
avatar  lupa
#3
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Hallo smilla,

JA, JA, JA !!!
Diese Tage kenne ich auch!
Der Wunsch nach einem "normalen Leben" und einem "normalen Kind". Dabei ist es genauso, wie Du schreibst. Wir lieben unsere Kinder sehr, sehr, sehr und eigentlich sollen sie ja auch garnicht anders sein. Nur eben mit ein bißchen weniger "Närrischkeit" (Albernheit, Überdrehtsein - nennt es wie ihr wollt ...), emotionalen Blockaden und Achterbahnfahrten, Sprechdurchfall oder aber Antriebslosigkeit bei "langweiligen" Alltagsverrichtungen ... die Aufzählung ließe sich noch beliebig erweitern ...

Und manchmal gelingt es ja auch, dass alles einigermaßen rund läuft ... aber mit welchem Kraftaufwand! Dieses Gefühl, immer "hinten dran stehen" zu müssen - wie ein Dompteur im Tigerkäfig. Immer auf Zack sein, immer gut geplant und organisiert, immer genau wissen, was als Nächstes dran ist, immer an der kurzen Leine ... aber wehe, Du lässt die Dinge mal schleifen und fünf gerade sein ... dann kommt sofort die Quittung. Und das ist sooo anstrengend und lässt manchmal so wenig Spielraum zum einfach nur mal Spaß haben ... weil es dann immer gleich zu kippen droht.

Und am meisten ärgert mich dann, dass man dieses Gefühl allen anderen "Normalo - Eltern" so garnicht vermitteln kann. Keiner versteht, warum Du immer irgendwie erschöpft und angestrengt wirkst oder warum dieses oder jenes so schwierig ist, was bei anderen halt irgendwie "nebenher" erledigt wird.
Der Energieaufwand ist ein anderer ... das wissen wir, die wir es täglich leisten ... aber andere ahnen es nicht einmal ... woher auch ...

Aber gerade deshalb sollten wir solche Bilderbuch - Momente, wie Du sie beschreibst, als Highlight genießen!!! Doch, das ist erlaubt, ehrlich!!!
Die nächste Katastrophe kommt bestimmt ... deshalb können wir sie auch genauso gut ganz entspannt empfangen, wenn´s die Situation gerade hergibt ...
Und daran sollten wir uns so oft wie möglich immer wieder selbst erinnern (was hiermit geschehen ist ), gerade weil die entspannten Momente so wertvoll sind!

Ich schick Dir einen festen Drücker und wünsche Euch morgen einen guten Start in ein entspanntes Wochenende (mit Spielbesuch und Papa - Sohn - planschen, oder so ...)

lupa

Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit. (Erasmus von Rotterdam)


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10.02.2012 07:37
avatar  smilla
#4
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Ach weisst Du, ich selber weiss noch nicht einmal was ich von den anderen Müttern erwarte! Ich kann es sogar verstehen wenn sie ihren Kindern sagen:"Nein, mit dem spielst Du nicht!!" Aber es macht mich so sehr traurig und ich frage mich ob diese Frauen mal überlegen wie doof es ist, wenn das eigene Kind geschnitten und ausgegrenzt wird!

Und irgendwie scheint ja die Gleichung zu existieren Kind doof= Eltern doof!!
Nicht das mich der zweite Teil der Gleichung stören würde, diese Frauen sind ja auch nicht meine Favoriten, aber anders wäre es für Sohnemann eben soviel leichter!!

Ich wünsch`Euch allen ein tolles Wochenende, ob mit oder ohne Fasching

die jammernde smilla


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28.02.2012 09:26
avatar  smilla
#5
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Hallo Ihr alle!

Heute sinniere ich so verträumt vor mich hin und mich beschäftigt die Frage: Warum hat sich mein Sohn eigentlich uns als Eltern ausgesucht? Es gibt diesen Spruch- beim der Wahl der Eltern kann man nicht vorsichtig genug sein!!- kennt Ihr den? Mein Sohn kannte den wohl nicht und ist so auf und gestoßen!!

Das ist hier sicherlich etwas albern was ich schreibe aber mein Galgenhumor hat sich auf der Liste der Tagesgefühle ganz nach oben gepflanzt! Mein Sohnemann ist nämlich zur Zeit ziemlich pampig, blöd und gemein zu uns! Habt Ihr das auch, dass es alle paar Wochen mal ganz besonders bescheuert läuft?

Und da ist er wütend und wir sind alle so gemein und nur die anderen haben Schuld und er reagiert impulsiv! Und dann komme ich, der nachgesagt wird, sie wäre gelassen und ausgeglichen! Und ich habe so gar keinen Bock wegen Kokolores zu streiten und das macht ihn so wütend dass ich ruhig bleibe und meine Harmoniesucht verfolge!! Wisst Ihr was meine liebe Dame von der Erziehungsberatung gesagt hat?

Also Frau..., normalerweise sage ich den meisten Leuten, schreien und schimpfen sie nicht zu viel! Aber ihnen sage ich: schimpfen sie viel schneller und auch mal laut! Oje...und das mir!
Denkt jetzt nicht, ich würde mir alles gefallen lassen, nein,nein, so ist das nicht1 Ich will nur eben nicht schreien und das kostet mich am Ende nach so einem Machtkampf auch ganz viel Kraft. Hätte ich es wohl tun sollen?

Aber manchmal habe ich ein echtes Problem: Wieviel ist ADHS und was davon ist einfach nur altersnormal? Ich sehe nämlich viele Situationen auch bei anderen Kindern und die sind "normal"...

Ich habe es einfach so satt manchmal, alles zu überdenken und zu gucken dass die oder das, was ich tue oder nicht, in diesen Momenten das richtige ist! Ob es ihm jetzt hilft oder eher nicht...naja, das kennt Ihr sicher auch!

Morgen ist wieder das Gespräch mit der Lehrerin um uns auf den IST- Stand zu bringen! Ich bin gespannt...

Aber bevor ich jetzt noch mehr Schmus hier hintippe höre ich einfach damit auf und koche Kaffee

Bleibt munter, Ihr Lieben... die smilla


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29.02.2012 15:39
avatar  ferrano
#6
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Liebe smilla,

das kommt mir so bekannt vor, dieses ganze kämpfen , sich bemühen ..., "verlieren lernen", scheitern- wenn auch nur im Kopf, weil Dein kind nicht "gut" schwimmen kann, "mittel" in der Schule ist, wenige bis keine Freunde hat, bla , bla ...

bin inzwischen irgendwie drüber, es interessiert mich eigentlich nicht mehr so sehr was die anderen denken, ja, es ist mir wurscht, viele können nicht wissen was wir so durchmachen.
Ich bin dankbar, dass ich durch meine Kinder so viel lerne. Es ist NORMAL verschieden zu sein, es ist normal etwas nicht zu können, es ist auch normal das die Kinder nicht so sind, wie die Eltern sie haben wollen (triff dich mal mit Eltern deren Kinder in der Pübertät sind ). Kinder sind so wie sie sind und wir Erwachsenen sind es auch.

Ich muss manchmal lachen, wenn wir im Restorant bestellen: den Salat für Kind 1 ohne Soße, das Schnitzel auch, für en Mann das Geschnetzelte aber ohne Pilze ..., für das andere Kind alles mit Ketup und Mayo und Zitrone extra. Das Wasser ohne Kohlensäure- äh wir sind ECHT norma-
es gibt doch viele Duckmäuser, Ja- Sager, stromlinienförmige Langweiler, Leute die so tun als ob ... mehr Schein als sein (nix für unds ADS ler, oder eben wieder doch ...)hey, die Stinos da draußen - na, und !

Ich kenne inzwischen soo viele Kinder und Eltern die irgendwie anders sind, das scheint doch wirklich normal zu sein!

Diese Einstellung bekomme ich seit dem letzen Jahr, Problemsohn 1 wird jetzt 12 Jahre. wie lange das gedauert hat!

Es hilft nur seine eigene Einstellung zu verändern und trotz allem zu sagen : es ist verdammt normal nicht so normal zu sein!

Ich finde es befreiend nicht so durchschnittlich zu sein, ich kann keine Integralrechnung und keinen Kopfsprung vom Startblock, ich kann mit Pferden und Kindern umgehen, Leute mit Problemen beraten etc. Normalos sind gähn!Die finden doch nie ne kreative Lösung für eine Problem, oder eine zu umständliche etc.

Ich will mich eben auch nicht mehr so fühlen, wie du es beschreibst, es ist normal sich zu streiten und auch mal anzubrüllen (authentisch sein ist wichtiger als Pseudo- Pädagogik, Kraft kostet alles beides). Das Leben ist nicht "Kinder aus Büllerbü", aber manchmal kann es toll sein.
Das Dinge nicht klappen ist genauso wahrscheinlich wie das sie klappen ... das stresst mich nicht mehr so.

Liebe Grüße von der revolutionären Front

Uli


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29.02.2012 16:02
avatar  smilla
#7
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Danke ferrano!!!!


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29.02.2012 16:54 (zuletzt bearbeitet: 29.02.2012 16:55)
avatar  ( gelöscht )
#8
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( gelöscht )

Eins kann ich Euch mit gutem Gewissen sagen wenn eure Kinder euch Zuneigung bestätigen ist die erlicher und dankbarer als wie von jeden Normalo. Wer von den Normal Kinder-Eltern kann denn so eine Erfahrung kennen lernen?


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