Auslassversuch

19.04.2012 10:06
avatar  FaVe
#1
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Hey!

Jetzt frage ich doch zu dem Thema "Auslassversuch/Auslassphase " von MPH mal bei Euch nach: wie sind eure Erfahrungen, unbedingt ratsam, anstrengend, erfolgreich .....?

Unsere Situation: seit ca 1, 5 Jahren bekommt Sohni Medikinet retard. Der Umgang mit ihm ist wesentlich einfacher, er kommt in der Schule viel besser klar, also war es die richtige Entsscheidung.

Im letzten Herbst wurde vom verschreibenden SPZ ein Auslassversuch angeregt: wir aber hatten da quasi einen Tag unfreiwilligen Auslassversuch hinter uns: Wir hatten Sohni die Kapsel zwar hingestellt, er glaubte sie auch genommen zu haben: aber nachmittags beim Säubern des Fußbodens tauchte sie dort auf, war leider bei impulsiver Hampelei runtergekullert. Der Tag war fruchtbar, Sohni war unkonzentriert, im Umgang total reizbar, unruhig, ... die ganze Familie war durch sein launisches Verhalten gereizt und mit gestresst.

Das haben wir berichtet, daraufhin war das Thema Auslassung vom Tisch.

Im Moment nimmt Sohni seine Kapsel beim Frühstück, nachdem er mit mir im Bad zum anziehen war: ich erlebe bis zum Einsetzen der Wirkung ein Kind, ´das total unstrukturiert ist, keine Absprachen einhalten kann, auf Ansprachen nur gereizt reagiert, sich auch körperlich nicht im Griff hat, mit uns anderen der Familie nur in Streit gerät, auf Konfrontationskurs läuft. Total unangenehm.

Am Wochenende kriegt er seine Kapsel mit einem Snack ganz früh, erst wenn ca. eine Stunde später die Wirkung voll da ist, nimmt er am Familienleben teil, bis dahin bleibt er im Bett, spielt in sienem Zimmer o.ä. Da verläuft der Tagesbeginn angenehmer.

Mit diesen Erfahrunge als Grundlage hat das SPZ den Auslassversuch aus seiner Sicht als nicht notwendig verschoben, da Sohni offensichtlich die Medis braucht.

Eigentlich bin ich ja mit dieser Entscheidung auch einverstanden, aber im Hinterkopf habe ich trotzdem, dass ja auch im Beipackzettel steht, man solle es versuchen.

Wie ist das bei Euch?

Grüße FaVe

Wahnsinn ist erblich,
.... man kann ihn von seinen Kindern bekommen


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19.04.2012 13:32
avatar  Simone
#2
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Hallo FaVe,

nach den neuesten Verschreibungsrichtlinien ist ein jährlicher Auslassversuch sogar vorgeschrieben. Dennoch liegt es im Ermessen des behandelnden Arztes, ob ein Auslassversuch gemacht wird oder nicht.

Mir hat unser Arzt folgendes mit auf den Weg gegeben:

Wenn überhaupt, dann sollte der Versuch zu Beginn eines Schulhalbjahres und/oder in den Schulferien.
Denn dann kann man Noten-technisch noch etwas unternehmen, sofern der Schuss nach hinten los geht.

Ausserdem kommt es noch auf das grundsätzliche Verhalten des Kindes an. Wenn der Morgen ohne Medis oder
spontanes "Medi-Vergessen" so katastrophal verläuft, wie du es beschreibst, dann muss kein Auslass-Versuch
gemacht werden. Hier hat das SPZ schon richtig entschieden.

Dein Sohn ist erst 10. Lass ihm noch etwas Zeit.

Unser 16-jähriger sollte in den letzten großen Ferien einen Auslass-Versuch starten. Da er aber einen Ferienjob in seinem Traumberuf angenommen hatte und sich davon einen Ausbildungsplatz erhoffte (welches auch geklappt hat) meinte uns Doc, dass wir das mit dem Auslass-Versuch besser doch sein lassen sollten. Und das war genau die richtige Entscheidung. Ohne Medis hätte das mit dem Ausbildungsplatz nie im Leben geklappt.

Gruß

Simone

Bildung kommt von Bildschirm und nicht von Buch. Denn sonst würde es Buchung heißen


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19.04.2012 17:09
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#3
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( gelöscht )

Hallo,
bei uns ist es so, dass wir noch dabei sind Sohni richtig auf Ritalin einzustellen. Daher hatte sich die "Ferien-Pause" erstmal erledigt.
Allerdings dachte ich schon mit großem Schrecken an die großen Ferien, da auch er, so leid es mir tut, ohne die Medis mit sich selber- und somit auch wir mit ihm- nicht klar kommt (kommt mir ziemlich bekannt vor, was geschrieben wurde).
Daraufhin sprach ich unseren Arzt an, der muß ausführlich und ausdrücklich erklärte, dass man, solange die Blutwerte regelmäßig kontrolliert werden und i.O. sind, sich und das Kind nicht unbedingt mit einem solchen Auslass belasten muß.
Das hat mich wirklich beruhigt.


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23.04.2012 10:40
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#4
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( gelöscht )

Hallo FaVe,
wir haben auch einen Auslass-Versuch hinter uns. Heute fangen wir wieder mit einer halben Ritalin-Tablette an. Der Versuch ging über 3 Wochen. Sprich 2 Wochen Ferien und eine Woche Schulzeit. Ich kann nur sagen - mega anstrengend. Die Psychologin von meiner Tochter hatte uns hierbei begleitet und auch Ihre Erfahrungen gemacht. Sie meinte auf jeden Fall, wir müssen nicht unbedingt eine Pause machen.
Mal sehen, ob wir es in den Sommerferien nochmals machen - wenn es nach mir geht eher weniger :-)
Viele Grüße
Ute


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27.04.2012 10:47
avatar  lupa
#5
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Hallo,

wir hatten gestern einen "unfreiwilligen Auslassversuch" - sprich: Sohn hatte in der Früh vergessen die Medis zu nehmen (er ist da sonst sehr zuverlässig) ... und Mama hat, auch entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit, ausnahmsweise mal nicht kontrolliert.

Der Nachmittag war die Hölle und erinnerte mich an unsere schlimmsten Zeiten vor zwei Jahren (damals noch ohne Medis). 2,5 Std. Hausaufgabendrama mit allem was dazu gehört ... heulen, schreien, bocken, sich fest klammern, zappeln, albern ... da sind mir und ihm die Nerven durchgegangen.

Heute morgen beim Frühstück holt er dann die Do. - Tablette aus seiner Tablettendose. ... Ich dachte mich tritt ein Pferd. Ich starre ihn an: "... heute ist aber Freitag ... wieso ist die Tablette von gestern noch da drin???!!!". Daraufhin er, genauso entgeistert: "... ach, deshalb ... !!!" Und dann: "Mama, ohne Medikamente ist garnicht schön!".
Na, das ist doch dann auch mal eine Erkenntnis ... und ich bin auch froh, dass sich sein Verhalten im Nachhinein nun so erklärt.
Und ganz ehrlich: ich brauche vorerst keinen weiteren Auslassversuch für mehr als 24 h ...

Liebe Grüße

lupa

Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit. (Erasmus von Rotterdam)


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27.04.2012 15:40
avatar  FaVe
#6
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Hey!

Danke für eure Antworten!

Ich brauche auch keinen Auslassversuch, um sicher zu gehen, dass die Medis durchaus noch notwendig sind. Da war ich ja mit der SPZ-Entscheidung ganz einverstanden.

Blutuntersuchung steht natürlich im Herbst wieder an, ich beobachte die Phasen vor der Wirkung morgens uns danach am Abend genau: da merkt man ihm sein ADHS echt an.

Ich glaube, was lupa beschreibt, wäre bei uns kaum anders.

Inzwischen geben wir ihm sogar nach dem Medikinet retard am späten Nachmittag je nach Situation noch eine "normale" 5 mg.

Ich wollt mich nur mal versichern.

Grüße FaVe

Wahnsinn ist erblich,
.... man kann ihn von seinen Kindern bekommen


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