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Dieses Thema hat 9 Antworten
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 ADHS Selbsthilfe für Eltern - 2013, 2012, 2011
3,1415 Offline



Beiträge: 446

31.05.2013 20:59
Vorgehen der Psychologin - bin ich zu kritisch? Antworten

Hallo liebes Forum!

Ich bin sozusagen funkelnagelneu hier und hoffe - nachdem ich den heutigen Nachmittag mit lesen und über den netten und respektvollen Umgangston hier freuen verbracht habe - auf Rat. Leider gibt es in unserer unmittelbaren Umgebung niemanden, mit dem wir reden könnten. Okay, zumindest niemanden mit Erfahrung auf dem Gebiet ADHS, alle anderen regen sich schon aus Solidarität mit uns auf... ;)

Sohnemann ist jetzt 7 1/2 Jahre alt und in der 1. Klasse (nicht früher eingeschultes Kann-Kind). Vieles deutet schon seit KiGa-Zeiten auf ADHS hin. Er ist ein pfiffiges und liebenswertes Kerlchen, sehr aufgeweckt, kreativ, vielseitig interessiert und für sein Alter erstaunlich "denkfähig". Aber auch furchtbar hibbelig (mehr als 5 Sekunden Ruhe gibt es nicht, er merkt seine motorische Unruhe selbst gar nicht, erst wenn er z.B. auf seine Hand hingewiesen wird stellt er fest, dass er gerade Fäden aus der Tagesdecke knibbelt o.ä), vorlaut, mit der Aufmerksamkeitsspanne einer Fruchtfliege, extrem leicht ablenkbar (laut Lehrerin reicht eine Fliege an der Wand des Nebenzimmers...), ohne Geduld, extrem von sich überzeugt und gleichzeitig mit wenig Selbstwertgefühl (ich denke, Ihr versteht was ich meine). Sehr schnell aufgebracht, mit ganz eigenem Gerechtigkeitsempfinden - was dann auch mal zu Grundsatzdiskussionen führen kann, bei denen er sich nur selten (und wenn, dann nur mit wirklich guten Argumenten) vom Gegenteil überzeugen lässt. Eben eine besondere Herausforderung für uns alle...

Während es sich daheim (bei einer angemessenen Überzahl an Erwachsenen *g*) alles im Laufe der Jahre eingependelt hat, sprengt sein Verhalten in Gruppen alles von Schule und Hort vorgesehene. Zum Glück haben wir eine nette Klassenlehrerin und einen tiefenentspannten Schulleiter, die gemeinsam mit uns zum (hoffe ich) Wohl des Kindes agieren. Und seit einigen Wochen sind wir bei einer psychologischen Ambulanz (die an eine Tagesklinik angeschlossen ist, sowie an eine "geschlossene Kindereinrichtung"), um verschiedene Dinge abklären zu lassen. Im Raum standen neben ADHS auch Hochbegabung und Asperger. Jeder wollte irgendwas, jeder hatte andere Diagnose- und Lösungsvorschläge. Wir leierten eine Diagnostik an, um auch für Sohnemann zunächst mal Ruhe in die Situation zu bringen. Und damit fingen unsere Probleme irgendwie erst richtig an. Mir geht es mit der Psychologin nicht gut, nur weiß ich nicht, ob ich eine überkritische Mama bin oder ob mein Bauch doch Recht hat.

Der Text wird noch länger, ich hoffe, das ist okay?

Schon beim ersten Gespräch wurde nur ungefähr 5 Minuten mit meinem Sohn gesprochen. "Ach, Du bist der XY. Du gehst ja schon in die Schule. Macht Dir das Spaß? Nein? Was macht Dir denn keinen Spaß? Aha. Mal doch mal ein Bild." Sohnemann mag malen nicht so sehr. Also schaute er sich lieber im Zimmer um und spielte schließlich mit einem kleinen Bauernhof. Währenddessen (in Anwesenheit des Kindes!) wurde ich wörtlich gefragt: "Was ist denn in Ihren Augen das Problem mit Ihrem Kind?"

Ich war so verwirrt, ich konnte gar nicht antworten. Ich habe der Dame zu verstehen gegeben, dass mir ein Gespräch unter vier Augen lieber wäre. Keine Reaktion. Kurz darauf musste Sohnemann auf Toilette, als er den Raum verlassen hatte, wies ich explizit darauf hin, dass ich so nicht offen reden kann und dass Sohnemann alles auf sich bezieht - und zwar in sehr negativer Hinsicht (er bezeichnete sich selbst schon einmal als "ich bin halt schlecht"). Ich bat um ein Gespräch unter vier Augen, das wurde mit einem Achselzucken zur Kenntnis genommen... aber nicht durchgeführt (Sohnemann war übrigens nach Aussage der Lehrerin die nächsten Tage nach dem Termin "irgendwie durch den Wind"...). Die Dame ritt unglaublich auf einer angeblichen Gewalttätigkeit von Sohnemann herum. Er hat einmal in einem Anfall von Verzweiflung in der Schule einen Stuhl geworfen, allerdings nicht in Richtung anderer Kinder. Das war ein einmaliger Vorfall und ist jetzt ca. 6 Monate her. Wenn ihn eine Situation stresst und er nicht damit umgehen kann, verlässt er lieber vorübergehend den Raum (leider auch die Schule, wenn auch nur für Minuten, dann kommt er zurück und alles ist gut), um wie er selbst sagt "wieder ruhig zu werden". Aber ich konnte der Dame nicht klar machen, dass Gewalttätigkeit hier nicht das Problem ist. Irgendwie hörte man mir nicht zu, bzw. ich hatte den Eindruck, da war eine Meinung vorgefasst.

Ein Gespräch mit Lehrerin und Sonderpädagogin wurde rundweg abgelehnt. Ich musste ihr die Schweigepflichtsentbindung nahezu unter Zwang aufdrängen. Ein Besuch in Klasse oder Hort war nicht möglich. "Das machen wir nicht, wir sehen das Kind ja hier.". Klar, völlig logisch bei einem Verhaltensproblem, dass in größeren Gruppen auftritt. Das kann man doch am allerbesten in Einzelsituationen beurteilen.

Es wurden mir zwei weiterführende Termine auf's Auge gedrückt. Nein, keine Frage, ob ich Präferenzen hätte (es ist dort bekannt, dass beide Elternteile Berufspendler sind). Zwei Termine und fertig. Was gemacht werden soll? Antwort Sekretärin "Weiß ich nicht, da müssen Sie Frau XY fragen..." Grmpf, die war schon wieder weg, telefonisch nicht zu sprechen, also auf den ersten Termin gewartet.

Da ich ein wenig mitdenken kann war mir schon klar, dass es beim ersten Termin um einen IQ-Test geht. Kind wurde mitgenommen, ich ins Wartezimmer gesetzt, an nachfragen nicht zu denken. Aber irgendwann ist jeder Test vorbei, und als Sohnemann wieder bei mir abgeliefert wurde, habe ich es gewagt zu fragen, welches Verfahren angewendet wurde (HAWIK o.ä.). Die Antwort: "Das erfahren Sie im Abschlussgespräch!". Weiteres nachfragen unmöglich, ich wurde in einer Art abgekanzelt, dass mir die Luft wegblieb. Und ich bin beruflich Kummer gewohnt *g* Wohlgemerkt, ich fragte nicht nach einer Auswertung, sondern nur nach der Methode. Eigentlich hätte ich auch ohne Nachfrage einen Satz wie "Da haben Sie Sohnemann wieder, er hat sehr gut mitgemacht" erwartet. Überflüssig zu erwähnen, dass auch die Frage nach dem Inhalt des zweiten Termins an eine Wand lief...

Der zweite Termin (mit immer mehr Bauchschmerzen meinerseits) kam und ging, Informationen Fehlanzeige. Dann unlängst das Elterngespräch. Kein klares IQ-Ergebnis (ja, es war HAWIK, das wusste ich aber durch Erzählungen von Sohnemann schon *g*), sondern auch in den einzelnen Teilbereichen mit so dermaßen weit auseinanderweichenden Ergebnissen, dass selbst die Teilbereiche nicht auswertbar waren, von einem Gesamt-IQ nicht zu reden. Das reichte von absoluter Oberkante der Skala bis zur Unterkante durchschnittlicher Bereich. Angeblich hat das Kind sein Leistungs-Niveau aber über den gesamten Test hinweg gehalten - ich frage mich nur, wie sie das beurteilen will. Gerade in Bereichen, in denen er ohnehin Konzentrationsprobleme hat, schnitt er "schlecht" ab. Das wissen wir aber erst, nachdem wir uns die Teilbereiche hinterher aus eigenen Recherchen anschauten, die Dame selbst wollte nichts erklären. Und für sie sind nach eigener Aussage auch "Erklärungsversuche" nicht von Interesse. Sie war ohnehin der Meinung, dass unser Kind durchschnittlich intelligent ist und die (in der Mehrzahl vorhandenen) überdurchschnittlichen Abschnitte dadurch zustande kommen, dass wir unser Kind "puschen". Auf unsere Frage, was sie damit meint, kam "Na, puschen eben." Ah. Klar. Ich bin eine Tiger Mum. Gut, dass mir das mal einer sagt. Böse Mama.

Eine Diagnose wollte sie nicht stellen. Gerade das versöhnte uns sogar etwas mit der Dame. Asperger kann sie so (= Fragebogen und "theoretische" Abfrage von Emotionen - haha, klar kann der auf kognitiver Ebene vorstellen, wie andere empfinden, in konkreten Situationen, auf emotionaler Ebene als "Betroffener" klappt es nicht...) nicht ausschließen, aber auch nicht bestätigen. Weitere Diagnostik nötig. In Bezug auf ADHS hat sie sich überhaupt nicht ausgelassen. Zumindest nicht eindeutig. Eine neurologische Abklärung soll zusätzlich erfolgen (gehört die nicht ohnehin zur Basisdiagnostik bei ADHS?). Sie möchte es nicht diagnostizieren, weil sie glaubt, dem Kind nicht gerecht zu werden. Aber es gäbe bestimmt andere Stellen, die auf Grundlage der jetzt vorliegenden Werte diese Diagnose stellen würden. *verwirrtbin*

Ihr Vorschlag war jedoch: das Kind müsse sofort, ohne vorherige "Therapieversuche" in die geschlossene Therapie. Für 6-8 Wochen. Ein Kind, dass - sogar nach Aussage der Lehrerin und Kinderärztin - noch extrem kindlich in seinem emotionalen Verhalten ist und eine sehr enge Elternbindung hat und unserer Meinung nach als "Sicherheitsleine" auch noch braucht. Ein Kind, dass gerade seinen Platz in Schule und Hort findet und erste Freundschaften knüpft. Und das, ohne uns zu sagen, was dort eigentlich gemacht werden soll. "Darüber können wir reden, wenn Sie der Maßnahme zugestimmt haben."

Ich glaube, wir haben geschaut wie ein Auto kurz vorm Unfall. Jetzt mal ernsthaft, die spinnt doch, oder? Oder spinnen wir? Sie will das Kind nicht in der Schulsituation sehen, sondern lieber gleich "wegsperren" (so würde er das empfinden), ohne eine eigene Beobachtung des Verhaltens? Was soll das denn für einen Sinn haben?

"Tja, ich hab mir schon gedacht, dass Sie das nicht wollen." (Originalzitat verbunden mit leicht schnippischem Tonfall), als wir unsere Gründe darlegten, warum wir das für keine gute Idee halten. Auf die Gründe wurde nicht eingegangen. Wie überhaupt auf so ziemlich alles, was wir sagten. Der stationäre Aufenthalt sei die einzige Lösung, ansonsten könnte man quasi nichts machen. Offensichtlich sah sie dann auch keinen Bedarf mehr, überhaupt noch mit uns zu reden, denn auf einmal war die Zeit ausgesprochen schnell um und ein Termin nahte. Mein Göttergatte meinte hinterher zu mir "Die Dame ist aber offensichtlich auch nicht gewohnt, dass ihr mal jemand widerspricht". Da musste ich trotz allem grinsen.

Warum der ganze Text? Ich bin unsicher. Extrem unsicher. Ich habe hier ein Kind, dass nicht so glücklich ist, wie ich es gerne hätte. Ein tolles Kind, dass ich abgöttisch liebe. Aber auch ein Kind mit anderen Ansprüchen und irgendwie einer "anderen Verdrahtung im Kopf". Ich bin nur Mama, keine Fachfrau. Ich weiß einfach nicht mehr, was richtig ist und was nicht.

Sehe ich die Psychologin zu kritisch? Soll (und kann ich überhaupt einfach so) die Ansprechpartner/in wechseln? Mein Bauchgefühl sagt mir ziemlich eindeutig: "Such Dir jemanden, der Deinen Mann, Dich und Dein Kind ernst nimmt. Der Argumente hat und nicht nur Behauptungen. Der Euch als Eltern und das Kind als besonderen kleinen Menschen respektiert." Aber dann sitzt nagt eine andere Stimme "Ihr habt schon sooo viel Zeit verloren, mach das jetzt fertig mit der Diagnose." Was können, was sollen wir jetzt tun?

Alles etwas wirr, ich weiß. Und ich entschuldige mich für den extrem langen Text (es musste einfach mal runter von der Seele). Vielleicht brauche ich einfach auch nur ein kleines Schultertätscheln und ein "Na-na, es wird schon..." ;)

Danke für's Zuhören!

das pi

Henni ( gelöscht )
Beiträge:

31.05.2013 22:41
#2 RE: Vorgehen der Psychologin - bin ich zu kritisch? Antworten

Hallo pi
Die Verhaltensweisen u. Charaktereigenschaften deines Sohnes kenne ich nur zu gut. Fast alles wie es bei uns war. Pfiffiges Kerlchen, liebenswert, aufgeweckt u. denkfähig, (kreativ naja), dafür aber auch vorlaut, seehr leicht ablenkbar, minimalste Aufmerksamkeitsspanne, seeehr schnell aufbrausend, seinen eigenen Gerechtigkeitssinn (er hat oft Kinder verteidigt ohne das es nötig war) und dann leider auch oft Ärger einkassiert. Der Umgang mit gleichaltrigen gestaltete sich seit Beginn der Kindergartenzeit mit 3 Jahren bis ungefähr zum 10./11. Lebensjahr. Er war auch im Kindergarten immer auffällig. Das erste womit ich im Kindergarten konfrontiert wurde war:"Er kann sich an keine Regeln halten". Diese angebliche Phase war dann doch keine Phase sondern ein großer Bestandteil seiner ADS-Symptomatik. Es folgten in der Grundschulzeit ständig Telefonate u. Gespräche mit den Lehrkräften. Das war so schlimm das ich immer wenn das Telefon klingelte schon zusammenzuckte weil es ja wiedermal ein Lehrer hätte sein können. Beim Elternsprechtag in der Grundschule fiel dann von der Lehrerin der Satz:"Ich könnte ihrem Sohn den Hals umdrehen!" Da konnte ich nur noch heulen. Das hat mir unheimlich weh getan. Aber das ist vorbei. Seine Noten waren immer gut. Er sollte sogar eine Klasse überspringen was wir dann aber doch sein ließen. Jetzt ist er fast 13, nimmt seit Februar morgens eine kleine Dosis Medikinet (hatte überhaupt keine Konzentration sodass seine Versetzung gefährdet war)und Mittags gebe ich ihm nur nach Bedarf ebenfalls eine kleine Dosis. Wenn Klassenarbeiten anstehen ist es sinnvoll damit das Gelernte auch abrufbar ist und er es gezielt einsetzen kann. Wenn er jetzt zum Fußballspielen geht oder ins Schwimmbad oder ähnliches bekommt er nichts weil er sich sozial mittlerweile seeehr gut verhält. Überhaupt keine Schwierigkeiten mehr.
Nun aber zu deiner Unsicherheit bzgl. der Psychologin. Wechseln ist möglich! Und ich würde es wohl auch tun. Ihr solltet schon ernst genommen werden, dafür ist dieses Thema vielzu ernst! Es geht um euer Kind und um eine wichtige Diagnose und eine anschließende, vernünftige auf ihn abgestimmte Therapie! Ich habe seeehr lange gewartet immer in der Hoffnung und dem Glauben :"Ach, das wird schon." Weiß garnicht mehr, wie ich das solange konnte durchstehen aber bin ein optimistischer Mensch. Alles wird gut! Habe mich auch lange gegen ein Medikament geweigert bis dann seine Versetzung in Gefahr war. Eine Wiederholung der Klasse (schlechte Noten aufgrund seiner Konzentrationsstörg.) wem bringt das was??
Stünde ich nochmal vor so einer Entscheidung, hätte ich mich viel früher für ein geeignetes Medikament entschieden. Wir hätten uns viel Ärger erspart! Zum Glück verträgt mein Sohn die Tabletten bestens, keine einzige Nebenwirkung. Er nimmt sie selber gerne wie er sagt weil er natürlich auch merkt, dass er sich dadurch besser konzentrieren kann und tatsächlicher auch fröhlicher ist. Er unterhält sich lieber mit Leuten und auch der Unterricht macht ihm mehr Spaß. Klar ist er motivierter wenn er mal ne 3 nach Hause bringt als immer nur 5er.
Wir konnten das Ruder noch rumreißen. Ich denken auch du wirst das richtige für deinen kleinen Mann tun. Fachfrauen sind hier wohl die wenigsten, obwohl auch ich oft gerne eine gewesen wäre.
Viele Grüße und alles Gute, Hennis Mama

Jo007 Offline



Beiträge: 98

31.05.2013 23:43
#3 RE: Vorgehen der Psychologin - bin ich zu kritisch? Antworten

Sprichst du vo uns?

Mein Frosch (jetzt etwas über 9) in der Kita: "Der hat Elepsie oder nen Autismus, weil "" er sich im Stuhlkeis wegtäumt und in seiner eigenen Welt ist"" und sich auch mal gewehrt hat. Gegen Gleichaltrige, die aber 10 KG mehr wogen und nach einem wrestlingmäßigen Sprung in den Rücken sich auf die Brust hauten (ich habe es mitansehen müssen und in Gedanken schon den Rollstuhl bestellt) und dang ganz stolz waren, dass Frosch geheult hat. Ich war schon fron, dass er noch geatmet hat!

Schule: "Jetzt war ich ja da, kann ich wieder in die Kita?".

Leider nicht: Er war in der Kita kopfmäßig immer der Erste, in der Schule konnte viele das, was er auch konnte.

Absolute Verweigerung; in der Schule ist keiner ausser meiner Gedanken; und wenn ich schon mal da bin, bin ich der Klugscheißer!

Zusätzlich Vergessen der einfachsten Sachen: Z.B. einfach aufs Klo zu gehen, ....

Ich möchte eigentlich gar nicht wissen, wie oft mein Frosch von anderen Kindern (sagen wir mal gemaßregelt geworden ist).

Genau in dieser Anfangssituation bin ich an einen Arzt geraten, der mir bis heute noch Bauchschmerzen bereitet.
2 Minuten, in der er nur mit mir geredet hat; HAWIK und EEG von seiner angestellten Ergotherapeutin vorlegen lassen und dann:

"Wenn das Kind (er kannte noch nicht mal den Namen) kein MDH (natürlich keine Erklärung) bekommen würde, würde Frosch zum Verbrecher werden und sein Leben im Knast verbringen.

Natürlich war diese Diagnose mal voll daneben.

Vertraue auf deinen Bauch und holt euch eine 2. Meinung!
Vertraue dabei auf die Feelings deines Sohnis. Wenn er gerne in Diagnose geht, seit ihr eien ganzen Schritt weiter vorne.
Unsere Kinder können meistens viel besser noch auf ihr Bauchgefühl höhren, als unser verstandgesteuerter Bauch!

Vertrau ihm einfach, beiß die Zähne zusammen und immer weiter.....

LG, Jo

3,1415 Offline



Beiträge: 446

01.06.2013 01:19
#4 RE: Vorgehen der Psychologin - bin ich zu kritisch? Antworten

Hallo und vielen Dank für die schnellen Antworten! Damit habe ich so rasch gar nicht gerechnet, das tut gut!

@ Hennis Mama: Kann sich an keine Regeln halten... Testet aus, wie weit er gehen kann... Kann sich in Gruppen nicht einfügen... habe ich auch alles schon soo viele Male gehört. Zusammenzucken bei Anrufen? Oooooh ja! Mittlerweile atme ich jeden Tag richtig auf, wenn die Schulzeit vorbei ist und kein Anruf kam. Das größte Problem in der Schule ist ja, dass er sich unter Stress abseilt, eine Runde um das Schulgelände herum läuft (natürlich außen herum, immer am Zaun entlang, aber Schulhof wäre ja immer noch Schule und damit zu wenig Abstand) und dann zurück kommt. Wir haben jetzt unterzeichnet, dass wir informiert werden und Sohnemann dann eben ohne Aufsicht ist. Ich bin unglaublich dankbar, dass wir eine - wenn auch manchmal leicht verzweifelte - Lehrerin haben, die Sohnemann unbedingt in der Klasse halten will und von ihm sagt, dass er in vielen Dingen eine echte Bereicherung ist. Wenn er es schafft, mitzumachen. Es ist alles andere als einfach, zumal bei ihm die "üblichen Tricks" der Lehrkräfte nicht ziehen ("wenn - dann"-Drohungen u.ä.). Sein Gerechtigkeitssinn ist, sagen wir mal, gewöhnungsbedürftig. Abgesehen davon, dass alles, was gegen seine Meinung ist, per se ungerecht ist *g*.

Es wurde jetzt sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt und er bekommt jetzt einige Sonderstunden mit einer Sonderpädagogin (ggf. auch mit anderen Kindern zusammen, je nach Bedarf/Anliegen, auch Supervision für die Lehrkraft), die ohnehin schon in der Klasse tätig ist. So fällt es den anderen Kids nicht so arg auf. Aber irgendwann sind halt die Mittel der Schule am Ende, und genau da hatte ich eben auf Rat der Psychologin gehofft. Aber auch, wenn sie mich für die sturste Tiger-Mum ever hält, mein Kind wird dort keinen stationären Aufenthalt nehmen. Das würde ich wenn dann nur bei massiven Problemen auch im Elternhaus für notwendig halten. Und die gibt es bei uns nicht (relativ gesehen, Ihr wisst, was ich meine: nicht mehr als für uns alle im Alltag tragbar...). Sohnemann hat jetzt zum ersten Mal so etwas wie Freunde. Gerade am Tag des Elterngesprächs bekam Sohnemann morgens vor der Schule von einem Klassenkameraden einen Lolli geschenkt mit den Worten "Der XY ist mein Freund!". Und im Hort gibt es immer öfter Belohnungsaufkleber für stilles Verhalten in der Hausaufgabenzeit. Nee, nix gibt's. Sohnemann bleibt genau da, wo er jetzt ist!

Gegen Medis hätte ich ja gar nichts, sofern mir jemand schlüssig die Indikation erläutern kann. Aber ich befürchte, soweit wird es dort nicht kommen. Wir (Göttergatte und ich) hatten unabhängig voneinander die Meinung, dass da nur jemand die Betten voll kriegen will.


@Jo: Auch für Deinen Zuspruch ein Danke! Leider haben andere Kinder es schon ganz gut raus, Sohnemann zu provozieren oder ihm Sachen in die Schuhe zu schieben. Körperlich trauen sich zum Glück nur wenige an ihn ran (er ist groß und kräftig), aber wenn doch, dann wehrt er sich - und er fällt halt immer auf. Da war viel Überzeugungsarbeit bei Erzieherinnen nötig, damit grundsätzlich zunächst die Ursache des Konfliktes geklärt wird, bevor (m)ein Kind die Konsequenzen daraus alleine bekommt. Im Köpfchen fit (beim Besuch der Vorschulgruppe des KiGa in einer Grundschule erklärte er den dortigen Erstklässlern deren Matheaufgaben *ggg*), solange es sich nicht um "unwesentliche Details" handelt. Die Toilettenspülung zu benutzen z.B. - das macht mich wahnsinnig! Ans Händewaschen denkt er immer, aber die Spülung...
Stuhlkreis ist auch so ein Thema, das nervt ihn total. Still sitzen und jeden Morgen etwas wiederholen, was er eigentlich schon kann, das geht gar nicht für ihn. Nach 2 Wochen Schule kam ein abgrundtiefes "Mama, ich glaube, die vera... mich!", weil immer noch jeden Morgen das Datum im Morgenkreis geübt wurde. Mama konnte aber nur schwerlich schimpfen. Mama hasst Stuhlkreise (und Teamsitzungen, und Arbeitskreise, und sonstiges redeorientiertes Beisammensitzen außerhalb des Freundeskreises, bei dem zwar schon alles gesagt wurde, nur noch nicht von jedem) auch und weiß, woher Sohnemann das hat.

So eine Angstmacher-Art wie bei Euch hatte unsere Psychologin auch drauf. Sie fasste den Inhalt diverser Fragebögen mal aus ihrer Sicht und mit ihren Schwerpunkten zusammen und dann kam: "Wenn Sie das hier hören, da muss einem doch Angst und Bange werden! Das hört sich doch schrecklich an! So darf das doch nicht weitergehen. Wo soll denn das noch enden?!" Auf den Einwand, dass Schule und Hort in den Fragebögen alle Auffälligkeiten zusammengetragen hatten, die jemals vorgekommen waren (ganz egal aus welchem Grund oder ob es nur einmalig war), wollte sie gar nicht hören. Frei nach dem Motto: "Entweder die Schule UND der Hort übertreiben maßlos, oder Sie haben ein verzerrtes Bild von der Wirklichkeit." Und auch wenn man eigentlich überzeugt ist - solche Sprüche verunsichern gewaltig. Sehe ich alles vielleicht doch durch die rosarote Brille?


Puh, wenn ich mir das alles durchlese, frage ich mich gerade selbst, warum wir noch dort sind. Göttergatte wollte die Dame schon beim Elterngespräch zum Mond schießen, sein ausgesprochen höflicher Tonfall gegen Ende des Termine (als uns auch noch eine Kopie der Testergebnisse mit den Worten "Das brauche Sie nicht, das geht Sie ja nichts an, der Arztbrief reicht doch" verweigert wurde) hätte in der Steinzeit jeden Säbelzahntiger ganz vorsichtig und laaaangsam zurückweichen lassen. Männer sind da manchmal doch pragmatischer veranlagt als Frauen.

In 10 Tagen kommt noch eine neurologische Untersuchung. Dann ist das Quartal vorbei. Und Montag mache ich einen Gesprächstermin mit meiner Kinderärztin aus und bespreche einen Wechsel. Zu einem SPZ, zu einem spezialisierten Psychiater. Und überlege nicht mehr daran herum, ob die Wartezeit bis zu einem neuen Termin nicht zu lang für Sohnemann ist. Das erste Schuljahr ist ja schon bald rum und seine Schulakte dicker als meine zur Zeit des Abis.

Und schon sind die Überlegungen wieder da. Och menno!

Trotz allem: es tut gut zu wissen, dass man nicht allein ist. Deshalb wiederhole ich mich hier gerne: Danke für den Zuspruch!

Eine gute Nacht wünscht
das pi

FaVe Offline



Beiträge: 1.021

01.06.2013 15:40
#5 RE: Vorgehen der Psychologin - bin ich zu kritisch? Antworten

Liebe(s) pi!

Herzlich Willkommen im Forum!

Zwei lange aber informative Beiträge von dir, aber ich kann dich in Deiner Schlußfolgerung nur bestärken: wenn ihr euch in der Institution nicht gut beraten/aufgehoben fühlt, dann wechselt. Besprich es mit Eurem Kinderarzt, in der Hoffnung, dass der euch versteht.
Macht Euch keinen Zeitdruck: diagnostisch ist einiges schon gelaufen, da ist Zeit genutzt.
Aber ich kann Dir nur zustimmen: Arzttermine passen nicht immmer genau in unsser Berufleben, aber eine Nachfrage oder Alternative sollte möglich sein. Auch ich habe darum gebeten, ohne meinen Sohn mit dem Arzt reden zu können: wurde ermöglicht. Besuche des behandelnden Arztes oder Therapeuten in Schule oder Einrichtung sind nicht (meiner Erfahrung nach) üblich, Telefonate schon eher, aber Fragebögen sind Grundlage. Auch echt gut bei euch: Ihr geht als Eltern beide hin: bei der Beurteilung von Situationen bestimmt hilfreich.

Tja, Schulakten: bei meinem Sohni steht der Übergang in die weiterführende Schule an: ich werde vor den Sommerferien noch um ein Abschußgespräch mit der derzeitigen Klassenlehrerin bitten. Außerdem natürlich sobald wie möglich den Kontakt und Austausch mit der neuen Schule suchen. Regelmäßige Rückmeldungen in beide Richtungen bleiben nicht aus.

Vieles ist bei euch doch schon sehr positiv: eine Lehrerin, die Euren Sohn mitträgt / erträgt und "als Bereicherung" empfindet: da haben viele von uns im Forum schon ganz andere Dinge erlebt!

Ich persönlich finde auch gut, dass Eurer sich selber aus Konfliktsituationen mit einem Spaziergang um die Schule rausnimmt und dabei zur Ruhe kommt, die Lösung mit eurer Einverständniserklärung an die Schule hat Seltenheitswert: aber die Aufsichtspflicht ist ein Problem.

Ich weiß nicht, wo Ihr wohnt, (bitte hier auch nicht öffentlich schreiben), aber vielleicht gibt es in Eurer Nähe einen Gesprächskreis. Da gibt es im persönlichen Kontakt Tipps zu ADHS-qualifizerten Therapeuten.

Wenn-Dann Drohungen ziehen bei uns übrigens auch nicht: im Elterntraining fiel bie uns das Wort "Hundesprache": ich versuche immer wieder meine Aufforderungen mit kurzen Worten ohne Diskussionen, Schmeicheleien, Drohungen oder Ankündigugen von Belohnungen bei Sohni durchzusetzen: alles andere führt nur zu weiteren Diskusssionen.

Grüße FaVe

Wahnsinn ist erblich,
.... man kann ihn von seinen Kindern bekommen

3,1415 Offline



Beiträge: 446

04.06.2013 09:11
#6 RE: Vorgehen der Psychologin - bin ich zu kritisch? Antworten

Liebe FaVe,

Danke für das Willkommen! Leider bin ich im Moment krank, daher dauerte die Antwort etwas (ich habe den Beitrag zwar gelesen, war aber zu kraftlos um eine Antwort zu formulieren).

Dass wir eine tolle Lehrerin haben - das ist etwas, für das ich dem Himmel schon oft in spontanen Stoßgebeten gedankt habe. Ich habe schon viele Horrorgeschichten über "Abschiebeversuche" gelesen und bin heilfroh, dass so etwas bei uns kein Thema ist! Der Schulleiter hat für die Idee eines stationären Aufenthaltes übrigens auch sehr spontante und eindeutige Worte gefunden *g*

Übermorgen habe ich einen Termin bei der Kinderärztin zur Besprechung. Bislang habe ich sie als sehr aufgeschlossen erlebt und hoffe daher, dass sie die Situation versteht (ich gehe fast schon davon aus). Dann gilt es, einen neuen Ansprechpartner zu finden. Anscheinend gibt es in der näheren Umgebung sogar zwei Spezialisten, die beide sowohl in Verbänden als auch "literarisch" aktiv sind. Ich werde mich mal in der nächstgelegenen Selbsthilfegruppe umhören (ich habe schon die Telefonnummer der Ansprechpartnerin und warte jetzt nur noch auf eine telefontaugliche Uhrzeit). Und beim nächsten Mal von Anfang an auf mein Bauchgefühl hören.

Vor dem Schulübertritt graut es mir jetzt schon! Ich hoffe, bis dahin haben wir alles gut im Griff. Sohnemann möchte ja unbedingt auf's Gymnasium. Zum Glück haben wir noch drei Jahre Zeit.

Das mit der "Hundesprache" kommt mir irgendwie bekannt vor (mir ist auch schon mal ein "Sohnemann, sitz und bleib!" herausgerutscht...), das funktioniert wirklich recht gut. Da wir Sohnemann kennen, greifen wir halt auch schon ziemlich früh in Situationen ein oder geben "barsche" Kommandos. Andere Eltern/ Bekannte kommentieren das dann mit "Ach, lass ihn doch..." und reagieren mit Unverständnis bis sichtlich pikiert. Was wir uns denn so anstellen würden, wir hätten doch so ein tolles Kind. Klar, ganz meine Meinung (wie toll er ist merke ich jetzt gerade wieder, wenn er sich rührend um mich kümmert). Aber wehe, wir würden ihn "einfach mal lassen". Diese permanente Rechtfertigungssituation schlaucht mich schon ziemlich (auch wenn ich auf Erklärungen verzichte, es nervt ganz schön).


Was mir in den letzten zwei Nächten durch die Fieberträume gegangen ist:
Ich bin vielleicht ein bisserl hysterisch, aber die Psychotante kann mein Kind doch nicht ohne unser Einverständnis zwangseinweisen lassen, oder?

Herzliche Grüße
das pi

ferrano Offline



Beiträge: 598

06.06.2013 18:42
#7 RE: Vorgehen der Psychologin - bin ich zu kritisch? Antworten

Liebe pi,

ihr seid genau die Eltern, die jeder ADHS ler haben sollte !
Ihr liebt euer Kind, ihr wisst dass es Schwierigkeiten gibt, ihr unternehmt etwas, ihr habt Humor, ihr habt ein gutes
Bauchgefühl. Ihr seid eine normale Familie, die nicht den Kopf in den Sand steckt, ihr kümmert Euch um die Probleme, das ist die beste Voraussetzung, dass ihr das hin kriegt.
Das Kind hat nur "ADHS", das ist die häufigste Entwicklungsstörung bei Kindern. Da muss man nicht stationär kommen.
Niemand kann euch dazu zwingen. Es erscheint mir auch nicht nötig.
Stationäre Unterbringungen können erfolgen, wenn eine krisenhafte Dauersituation einrtitt, das Kind überall größte Probleme hat und so gut wie gar nicht lenkbar ist. Auch dann geht nichts ohne Einverständnis der Eltern. Vor allem, sind die Eltern überfordert und viele Interventionen (Therapie, Medikamente etc.)fehlgeschlagen, bevor man über stationären Aufenthalt nachdenkt. Indikationen sind z. B. Suizid- Gedanken, Schulangst, Schulversagen, Schulschwänzen, Mediensucht, keine Sozialkontakte, nur schwierige Situationen in der Familie ...
Trifft das auf euch zu?
Nein.

Erstmal sollte man ja die normalen Wege gehen:
- Diagnostik rundum (Intelligenztest, körperl. Untersuchung, Einschätzung der psych. Verfassung)
- Verhaltenstherapie
- Konzentrationstraining
- Elterntraining
- evtl. Medikation

Du bist eine sensible Mutter und spürst, dass dein Kind manchmal unter seinem eigenen Verhalten leidet (spricht für Intelligenz). Du möchtest helfen. Beste Vorraussetzungen dafür, dass es auch gelingt.
Der Weg ist lang, aber das ist eben so mit unseren Kindern. Ich sehe da keine Gefahr in Verzug.
Das Verhältnis von Ärzten und Therapeuten und Eltern muss stimmen, sonst klappt das nicht. Es muss Vertrauen da sein und die Therapeuten /Psychologen sollten den Eltern zuhören und raus kriegen was Ihr jetzt für Hilfen braucht.
Man braucht nicht Leute die Panik verbreiten und Probleme überhöhen (Impulskontroll- Probleme eures Kindes als Gewalt darstellen). Euer Bauchgefühl stimmt, die wollen den Laden voll kriegen.

Sucht euch kompetente Beratung und Diagnostik, das dauert eben seine Zeit. Ihr habt ja schon Partner in der Schule und im Hort. So geht das.

Diese Frau da verschwendet eure Zeit, das kann leider passieren. Abhaken und weiter machen.
Dieses gute Bauchgefühl ist wichtig und wird dringend gebraucht, um immer wieder gute Lösungen hin zu kriegen.

Lasst euch nicht verunsichern, ihr braucht Hilfen, aber kein Drama.

Lieben Gruß
Uli

3,1415 Offline



Beiträge: 446

07.06.2013 09:09
#8 RE: Vorgehen der Psychologin - bin ich zu kritisch? Antworten

Liebe Uli,

danke für Deine wunderbaren aufmunternden Worte! Ich habe mir den Thread ausgedruckt, meinem Göttergatten gezeigt und in meine geheime Schreibtischschublade gepackt. Ihr wisst schon, eine dieser Schubladen, an die kein anderer drangehen darf und in der ganz lebensnotwendige Dinge versteckt sind. Der letzte funktionierende Kugelschreiber (wahlweise Bleistift, Radiergummi - gehen die bei Euch auch immer so schnell kaputt und keiner (schon gar kein Kleiner) weiß, warum?), der immer im falschen Moment benötigte Notizzettel, die gar niemalsnicht existierende Tüte M&Ms, die für Mama-Nerven-Notfälle zwingend vor dem Zugriff der Männer geschützt werden muss - oder eben ein paar warme Worte zum aufmuntern, wenn das Chaos mal wieder hereinbricht.

Wir waren gestern Abend ohne Sohnemann bei der Kinderärztin und haben die Situation besprochen. Es ist wirklich gut gelaufen, sie hat sich fast eine Stunde Zeit genommen (obwohl um uns herum schon geputzt und abgeschlossen wurde). Die ratlose Zweifelfalte auf ihrer Stirn wurde immer tiefer, je mehr wir von der Psychologin erzählten. Wie Du, Uli, sagte Sie spontan, dass ein geworfener Stuhl etwas mit noch nicht ausgereifter Impulskontrolle und nicht mit Gewaltbereitschaft zu tun hat und dass man Dinge auch nicht überbewerten sollte. Sie unterstützt uns darin, den Ansprechpartner zu wechseln. Ihrer Ansicht nach ist Sohnemann vom Verhalten und den vorliegenden Ergebnissen her eindeutig ein ADHSler, wobei sie von sich selbst sagt, dass sie in der Behandlung und Diagnostik keine ausreichende Erfahrung hat und daher ihre Einschätzung nicht als Diagnose verstanden haben möchte. Die Behandlung - egal in welche Richtung (Verhaltenstherapie, Medis etc.) - wird sie auf jeden Fall mittragen, jedoch gerade in Bezug auf Medis nur in enger Zusammenarbeit mit einem erfahrenen KJP. Sie riet uns auch, auf jeden Fall zu einer Selbsthilfegruppe Kontakt aufzunehmen, weil man dort die besten Arztempfehlungen bekommt und es immer gut ist, sich "unter Gleichen" auszutauschen *g* Wir bekamen noch zwei mögliche Adressen, die Bestätigung, alles richtig zu machen und die Aufmunterung, uns nicht verunsichern zu lassen. Dass Sohnemann ein super Kind ist und wir gemeinsam das Ganze auf jeden Fall mit der Zeit in die richtigen Bahnen lenken und "hinkriegen" werden. Ihre sehr ruhige (positiv gelassene) und zuversichtliche Art tat dabei sehr gut!
Ich mag Ärzte ja, die rechtzeitig zugeben, dass sie auf einem Gebiet nicht ohne fachliche Unterstützung auskommen. Da ist ja auch nix dabei, ich kann in meinem Beruf ja auch nicht auf allen Gebieten ein Experte sein. Wie sagte mein Prof immer so schön: "Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo es steht oder wer es weiß".

Der jetzige Stand ist also: wir machen nächste Woche noch die neurologische Untersuchung (und da bin ich dabei, definitiv! Die sollen gar nicht erst versuchen, mich im Wartezimmer zu parken...), dann versuchen wir, die Testergebnisse des HAWIK und die Ergebnisse der neurologischen Untersuchung ausgehändigt zu bekommen und verabschieden uns freundlich. Die weiterführende Asperger-Diagnostik wird abgebrochen. Das Kind passt nicht ins Bild, und nur, weil er in Konfliktsituationen die emotionale Befindlichkeit des Gegenübers nicht richtig einschätzt (oder besser: ignoriert), macht das noch keinen Autisten aus ihm. Nicht, wenn alle andere Verhaltensweisen nahezu zwingend gegen dieses Krankheitsbild sprechen. Und außerdem muss auch irgendwann mal gut sein mit der Testerei. Das Kind wird ja schon ganz kirre.
Und dann hoffe ich, endlich mal die Ansprechpartnerin der hiesigen Selbsthilfegruppe zu erreichen. Egal wann ich anrufe, keiner geht dran. Leider auch kein Anrufbeantworter. Aber früher oder später kriege ich sie.

Zum Abschluss dieses Textes noch das Positiv-Highlight der Woche bei uns: Sohnemann hat sich ganz groß bemüht und einen Belobingungspunkt für Ordnung in der Schule bekommen. Seinen ersten überhaupt! Und das auch noch aus freier Entscheidung, ganz ohne nöhlende Eltern im Hintergrund.

Sonnige Grüße
vom pi

lupa Offline



Beiträge: 1.213

07.06.2013 10:44
#9 RE: Vorgehen der Psychologin - bin ich zu kritisch? Antworten

Hallo Pi,

habe den Thread hier mitverfolgt und in allem, was Du schreibst, kann ich Dich nur bestätigen.

Ja, so eine "Geheimschublade" gibt es bei mir auch ... sind bei mir zwar unterschiedliche Plätze, wo die Dinge liegen, aber es handelt sich um die gleichen lebensnotwendigen, sonst immer fehlenden Dinge, die da ihren geheimen Platz haben und vor Zugriffen "Dritter" (v.a. die "gute Nerven - M & M" - hihi) geschützt sein wollen.

Ja, mangelnde Impulskontrolle und Gewaltbereitschft sind zwei Paar Schuh´.

Ja, erfahrener KJP und Selbsthilfegruppe hört sich sehr vernünftig an.

Ja, Sohnemann ist mit Sicherheit ein Super - Kind, so wie alle unsere geliebten "Gremlins" hier ... !!!

Ja, Ärzte, die rechtzeitig Fachkollegen hinzuziehen, handelen verantwortungsvoll!

Ja, sich nicht ins Wartezimmer abschieben lassen und Testergebnisse einfordern!

Ja, Asperger - Diagnostik auf Eis legen.

Und natürlich ... *Tusch!!!* ... alle Daumen hoch für Sohnis Belohnungspunkt für Ordnung!!!

Alles in allem klingt das doch so, als hättet ihr jetzt den "richtigen" Weg für Euch gefunden und könntet ihn jetzt auch mit eigener Überzeugung gehen! Und dann kommt ihr sicher auch bald ans "Ziel" - wie auch immer das dann ganz konkret aussehen mag.
Wir hatten während unserer Diagnostik - Zeit vor drei Jahren auch mehrere Anlaufstellen, bevor wir dann endlich "landen" konnten und das Gefühl hatten: "Ja, jetzt passt´s.". Das ist ein anstrengender, nervenzehrender (s. M&Ms !!! ) und kräfteraubender Prozeß, aber es lohnt sich, dran zu bleiben.

Und wenn´s ganz arg wird, gibt´s ja zum Glück immer noch dieses Forum hier, gell!!! (Gibt´s in Deiner Schublade auch einen Zettel mit dem Link zum Forum drauf?! ).

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende

lupa

Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit. (Erasmus von Rotterdam)

3,1415 Offline



Beiträge: 446

07.06.2013 16:08
#10 RE: Vorgehen der Psychologin - bin ich zu kritisch? Antworten

Liebe Lupa,

das Forum ist natürlich fest gebookmarked, auf allen PCs und Smartphones *g* Wie wichtig ein Austausch auch über Internet - und sei es nur stilles mitlesen und von Erfahrungen anderer profitieren - ist, habe ich heute festgestellt, als ich endlich die Dame von der Selbsthilfegruppe erreicht habe und hören musste, dass die Gruppe nicht mehr existiert... Offensichtlich ADHS-Diaspora hier...

Aber: ich bekam Arztempfehlungen. Und noch besser: ich konnte bereits für Anfang Juli einen Termin bekommen! Also haben wir wohl doch gerade einen Lauf *g* Nun hege ich eine gewisse Hoffnung, dass wir vielleicht jetzt "ankommen" können. Und gaaaaaaanz vielleicht (da ja viel Diagnostik schon vorab gelaufen ist) bis zum Anfang des neuen Schuljahres schon auf dem Weg zu einer Lösung sind. Wir sind ja optimistisch. Müssen wir ja auch sein, sonst macht es ja keinen Spaß!

Liebe Grüße
vom pi (das gerade froh ihren kleinen Gremlin (toller Ausdruck!) beobachtet, der das erste Mal Besuch von einem neuen Schulfreund hat, zwei friedliche Jungs Kopf an Kopf - wahrscheinlich Unfug ausheckend...)

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