Hallo, ich bin neu hier

23.03.2014 22:17
avatar  AnneN ( gelöscht )
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AnneN ( gelöscht )

Hallo zusammen,

ich bin die Mutter von einer quirligen Tochter mit ADHS mit Hyperaktivität.

Zuerst habe ich das gar nicht so wahrgenommen, da sie unser erstes (und einziges) Kind ist.
Aber im Nachhinein waren da schon einige Anzeichen, dass es etwas anders als bei den anderen abläuft. Ständig in Action, nicht stillsitzen können (außer die Glotze ist an oder sie schaut sich ein Buch an). Als sie im Kindergarten anfing sich und andere Kinder zu verletzten, wurde mir geraten, mich mit dem Kinderarzt in Verbindung zu setzen. Daraufhin bekamen wir Ergotherapie, die wir jetzt nach der Einschulung wieder aufgenommen haben. Das Verhalten im Kindergarten hat sich gebessert, aber die anderen Kinder hatten sie dann "auf dem Kiker". Naja... Kinder können grausam sein. Die wussten halt schnell, wie sie auf die Palme gebracht werden kann. Gott sei dank, hatten wir in der Gruppe tolle Erzieherinnen, die ihr gut taten. Die hatten die Situation gut im Blick und die Kids, die dann versuchten sie aus der Reserve zu locken, wurden entsprechend angesprochen. Auch heute geht meine Tochter noch gerne in die Kita, ihre alte Gruppe besuchen.

In der Schule wurde es ganz, ganz schwer. Ich hatte es schon vermutet, aber gehofft, dass es doch nicht so dicke kommen würde. Am Ende des Kindergartens hatten wir schon viel gelernt bei der Ergotherapie. Vor allem: auch ICH habe viel gelernt (Belohnungssyteme, Konsequenz etc).

Nun bin ich aber irgenwie doch wieder voll down. Ähnlich, wie ich die Diagnose ADHS vom Kinderarzt bekam.

Die kleinsten Sachen machen ihr Schwierigkeiten. Sie geht z.B. total ungern auf die Toilette. Warum, habe ich bis heute nicht herausgefunden. Meistens muss dann unbedingt noch irgendwas - in ihren Augen dringend - erledigen (z.B. Bild zu ende malen). Es passiert dann natürlich auch des öfteren, dass sie in die Hose macht. Sie schämt sich dann total, aber ein Lerneffekt für's nächste mal ist nicht in Sicht. Oder beim Umziehen beim Sportunterricht ist sie immer die letzte! Von den Lehrern höre ich dann: 'Wenn das nicht klappt, kann sie kein Sport mehr mitmachen. Hab ja noch soundso viele andere Kinder in der Klasse.'
Das ist überhaupt DER Spruch überhaupt: Kann ich nicht, hab ja noch andere Kinder in der Klasse. JA! Weiß ich! Aber es gibt eben auch meine Tochter und ein bisschen mehr lösungsorientierte Ansätze wären schon schön. ... mal milde gesprochen...
Aufgrund der Schwierigkeiten seit der Einschulung im Sommer bin ich also wieder zum Arzt - da bekam ich wieder ein Rezept für Ergo, was ich auch gut fand. Ich kam mit der neuen Situation auch irgendwie nicht klar und war froh, dass wir wieder Unterstützung bekamen. Gott seit Dank haben wir auch schnell einen Termin bekommen. Nach den ersten Terminen war aber auch klar, dass wir wohl um Medikamente nicht drumrumkommen. Als ich das dann mit den Lehrern erklärt habe (bin dann ja auch auf die angewiesen mit Rücklauf, ob die Medis auch wirken etc.) fanden die das ja gar nicht so toll. Die bösen Medikamente, das kann ja nicht sein... 'Vielleicht überlegen sie das noch mal.' Und erst da haben sie geschnallt, dass die Diagnose ADHS kein Hirngespinst war. Beim ersten Gespräch hat man mich da nicht wirklich ernst genommen. Später hat mir die Lehrerin erklärt, dass sie alle dachten, meine Tochter '... müsste noch ein bisschen erzogen werden...' (Da bin ich ehrlich gesagt, fast von Stuhl gefallen).

Langer Rede, kurzer Sinn: Nun haben wir das EGK, die Blutabnahme und das EEG hinter uns. Morgen habe ich das Gespräch mit dem Kinderarzt, bei dem ich hoffentlich das Rezept bekomme. Ich hatte mit dem Arzt im Vorgespräch vereinbart, dass es ein Medikament sein sollte, dass nur bis mittags wirkt. Ich erhoffe mir, dass sie dadurch sich besser konzentrieren kann, wir besser an den Problemen arbeiten können. Noch ist der Lernstoff kein Probelm: Sie ließt mit Leidenschaft alles, was ihr vor die Nase kommt. Rechnen ist auch ok. Schreiben... naja... das mag sie nicht so. Aber beim HAWIK-Test, den sie im November beim Kinderarzt gemacht hat, kam auch ein guter IQ raus. Der Arzt meinte, es ginge schon Richtung Hochbegabung. 128... keine Ahnung, ob das viel oder wenig ist.
Meine Befürchtung ist nur, wenn ich jetzt nix mache, verliert sie vielleicht den Anschluss und die Probleme werden noch größer. Die Schwierigkeiten hat sich einfach in den Sachen, die so drum herum laufen: Regeln einhalten, sich konzentieren, mit den anderen Kindern auskommen.

Ich bekomme von ihr leider auch oft zu hören, dass sie keine Freunde hat oder dass keiner sie mag. Nach außen wirkt sie so burschikos... fast wie ein Junge , aber im Grund ist sie sehr sensibel. Schwierig alles in Balance zu halten.

Und manchmal gibt es so Tage... so wie heute... an dem gar nix fluppt! Sie kann kaum stillsitzen, macht in die Hose, schreit mich an... und dann bin ich abends soooo fertig, dass ich heulen könnte.

Und dann schau ich hier vorbei und find's toll, dass es hier Leutchen gibt, bei denen alles ganz genauso ist. Das tut gut! DANKE!
So! Das wollte ich einfach mal alles loswerden!

Viele Grüße


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24.03.2014 12:51
#2
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Hallo AnneM,

ein herzliches Willkommen in unserem Forum
Ja, hier gibt es ganz viele Menschen, bei denen alles ganz genauso oder ähnlich läuft.
Vor allem diese überflüssigen Erziehungsratschläge seitens der Familie, KiTa Schule etc ...
(Ratschläge sind auch Schläge )
Im geschlossenen Bereich ist ein intensiverer Austausch mit betroffenen Eltern möglich,

LG
pippilotta


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26.03.2014 16:09
avatar  ferrano
#3
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Willkommen!

Falls 128 das Gesamtergebnis des HAWIK ist, ist sie definitiv hochbegabt. Der Normbereich geht von 90- 115! Da muss die Schule fördern! also im Prinzip jedenfalls, da hast du eine sehr gute Diskussionsgrundlage. Leider nutzt der ganze IQ nichts, wenn die Kinder unglücklich und schlau sind.
Ich rate auf jeden Fall zu kognitiver Verhaltenstherapie und oder Coaching bei ADHS. Dein Töchterle wird viel Kraft brauchen und du auch.

Die leidige(!!- oh, impulsiv!)
diskussion über mangelnde erziehung oder ADHS werden wir wohl noch 1000 Jahre führen.

Schade, dass dabei intelligente Kinder auf dem Weg bleiben.

Hat deine Tochter ein Hobby? Was sie stärkt?
LG
Uli


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26.03.2014 20:48
avatar  AnneN ( gelöscht )
#4
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AnneN ( gelöscht )

Hallo,

ja, 128 ist das Gesamtergebnis. Die Schule weiß das auch... Aber danke für den Hinweis, kann ich gut für's nächste Gespräch brauchen.

Töchterchen ist gern aktiv (klar! ). Z.Z. macht sie noch Karate im Verein (auch mit pädagogischem Ansatz, nicht nur reine Technik). Ich find's für sie toll, aber sie hat von Anfang an (seit 2 Jahren ist sie dabei) keinen wirklichen Spaß daran. Wir haben es nur beibehalten, um für die Schule ein bisschen vorzuarbeiten (Regeln einhalten, auf den Trainer/Lehrer höhren, ZUhöhren etc. ).
Darum haben wir uns jetzt zusammen etwas anderes überlegt. Versuche sie nun als Ersatz für Karate bei einem Schwimmkurs anzumelden. Das war zwar sowieso geplant, aber da sie 2 x mal pro Woche Karate hat, 1 x in der Woche zum Kinderturnen geht (was sie heiß und innig liebt) und seit Neuestem zum Kinderchor (weil sie so gerne singt), wollte ich ehrlich gesagt nicht, dass sie NOCH einen Termin hat. Das ist schon eh alles viel und es war klar, das etwas dafür wegfallen muss.

Leider sind die Wartezeiten da sehr lang - hätte ich vielleicht früher drauf kommen können , aber gut... ich bleibe dran!

LG
AnneN


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27.03.2014 14:31
avatar  ferrano
#5
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Ich sage nur REITEN!

Macht Mädchen stark und glücklicher! Auch wenns teurer ist, aber langfristig gut angelegt.

LG
Uli


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