Trennung wegen ADHS?

  • Seite 1 von 2
03.10.2006 20:11
avatar  ( Gast )
#1
avatar
( Gast )

Hallo...

Also unser vierjähriger Sohn ist sehr Verhaltensauffällig, und wird demnächst auf ADHS getestet - alles spricht dafür - und unser Familienleben ist z.zt. alles andere als Harmonisch. Ständig streiten mein Mann und ich uns darüber wie es weiter gehen soll, desweiteren sprechen wir in Sachen Erziehung nicht grade die gleiche Sprache, was bei "normalen" Kindern ja vielleicht nicht so schlimm sein mag, doch bei unserem Sohn geht das gar nicht.
Mein Mann möchte eine Patentlösung die sofort Hilfe bringen soll.
Er vermutet bei sich selbst ADHS, da er als Kind sehr auffällig war, und auch heute noch nicht ganz einfach ist. Doch wenn ich ihm rate mal testen zu lassen, meint er, da kann man eh nix mehr machen. Zu sowas wie einer Therapie würde er nie gehen.
Ich weiß einfach nicht mehr wie es weiter gehen soll. Manchmal frage ich mich, ob es einfacher wäre den Weg alleine zu gehen...

Hat jemand ähnliche Erfahrungen? Kann mir einer was raten? Wie ist es mit erwachsenen ADHS´lern?

...es muß sich langsam etwas ändern!!!

Gruß,
fenria


 Antworten

 Beitrag melden
03.10.2006 23:25
#2
avatar

Hallo liebe Fenria
jetzt lass Dich erst mal drücken!!!!

Ich denke, wir können fast alle hier nachvollziehen, wie es Dir gerade geht! Manche von uns haben das schon hinter sich, manche stecken noch mitten drin... Was es bedeutet, wenn ein Elternteil auch betroffen ist, wissen wir auch (schliesslich wird ADHS ja vererbt...) Nicht nur, dass ein ADHS Kind viel schwieriger zu erziehen ist -nein- dann kommt einem auch noch der selbstbetroffene Elternteil in die Quere, ist schnell impulsiv, moralisiert, meckert, verliert die Geduld, ist inkonsequent usw... stimmts? (... dubi-dubi-du..bei uns bin ICH das betroffene Elternteil...) Du bist jedenfalls nicht alleine mit diesem Problem!

Wenn Dein Mann sich mit Händen und Füßen gegen eine Therapie wehrt, kannst Du leider nichts dran ändern! (Du kannst ihm aber gerne von mir ausrichten, dass man da SEHR WOHL noch "was machen" kann!!! Ich hab meine Diagnose auch erst vor ca. 5 Jahren bekommen und seither hat sich EINIGES in meinem Leben GEWALTIG geändert!!) Aber eine "Patentlösung" gibt es definitiv NICHT!

Vielleicht schaffst Du es wenigstens, ihn mal zu nem Gesprächskreis mit zu nehmen?? (schau mal vorne auf der homepage, ob in eurer Nähe einer ist!) Und wenn das auch nicht geht, dann bleibt nur noch die Möglichkeit, dass er sich selber schlau macht und JEDE MENGE Bücher über das Thema liest!!!!!

Ich selber hab zwar ne Weile Therapie bekommen und ne Weile auch Medis, aber am meisten hat mir der Gesprächskreis und die vielen Infos aus den Büchern (in denen ich mich wieder erkannt habe...) geholfen, mit meinem ADHS umgehen zu lernen!!

Naja...und wenn er das alles auch nicht möchte...? Hm, ich bin niemand, der jemand anderem raten würde, sich zu trennen oder sowas, denn ich finde, das muss jeder selber entscheiden. Und als Aussenstehender hat man NIEMALS genügend Einblick in die gesamte Situation, um sowas auch nur annähernd beurteilen zu können! Ich kann Dir nur raten, für DICH und EUCH als Familie abzuwägen, was schlimmer bzw. besser wäre!

Aber jetzt wartet erst mal die Diagnose Eures Sohnes ab - vielleicht geht Deinem Mann beim Ausfüllen der Fragebögen ja ein "Lichtlein" auf (...so wie mir damals) und er will dann plötzlich DOCH selber Gewissheit haben? ADS-ler ändern nämlich oft ihre Meinung blitzschnell - und wer weiss...??

Ich kann mich noch gut an die Zeit VOR der Diagnose meines Sohnes erinnern, damals dachte ich, ich überlebe das keinen Tag länger! Aber ich habe "überlebt" und ich bin an meiner Aufgabe gewachsen, reifer und ruhiger geworden! Und so schnell bringt mich jetzt nichts mehr aus der Bahn! Und Du wirst sehen, dass es DIR auch so gehen wird! das können Dir hier viele Mamis bestätigen!

Du kannst jederzeit hier ins Forum kommen, eine/r von uns weiss fast immer nen Rat und wir lassen Dich nicht alleine

Ganz liebe Grüße käferle


 Antworten

 Beitrag melden
03.10.2006 23:25
#3
avatar

.... uuuppsssi, wie ist der da: denn da rein gekommen?
sorry, war ein Versehen!!!!!


 Antworten

 Beitrag melden
04.10.2006 13:28
avatar  ( Gast )
#4
avatar
( Gast )

Das kenne ich auch zu genüge.....Und mein Mann (31 Jahre) steckt gerade mitten in den Untersuchungen und es hat sich bisher schon sehr viel verändert. Es hat aber auch sehr lange gedauert bis er eingesehen hat das was gemacht werden muß. Ich drücke Dir die daumen das es bei Euch wieder besser wird.


 Antworten

 Beitrag melden
04.10.2006 17:13
avatar  ( Gast )
#5
avatar
( Gast )

Danke Euch beiden für Eure Antworten!

Ich weiß das mir kein Außenstehender meine Entscheidungen abnehmen kann (manchmal leider), und ich denke auch es ist sinnvoll erstmal die Diagnose von unserem Sohn abzuwarten, soll nächste Woche losgehen.

Schön auch von Deiner Selbsterfahrung zu hören, Käferle, denn das was Du so beschrieben hast (moralisierend, inkonsequent...)trifft absolut auf meinen Mann zu. Vielleicht wird er durch die ganzen Test´s ja auch einsichtiger, es ist ja auch immer was anderes ob ich ihm etwas sage, oder Außenstehende. Ich gebe die Hoffnung noch nicht ganz auf!

So, dann wünsche ich Euch noch einen schönen Tag



 Antworten

 Beitrag melden
04.10.2006 23:29
avatar  ( gelöscht )
#6
avatar
( gelöscht )

Hallo Fenria!
Mir hat alleine schon die Diagnose sehr viel geholfen!
Therapie hatte ich danach nur 25 Stunden,danach hat die Therapeutin aufgeben!
Wir haben uns die meiste Zeit auch über alles mögliche Unterhalten,am wenigsten über mich!
Aber alleine ,das ich bestimmte Verhaltensweisen ,von mir ,jetzt zuordnen konnte,
hat mir schon viel weitergeholfen.
Es ist,bei mir, eben ein großer Unterschied,ob man etwas vermutet oder eine Diagnose dazu hat!
Bei vielen Sachen hat sich mein Verhalten dadurch geändert!
Bis bald,Ailixia!


 Antworten

 Beitrag melden
05.10.2006 10:33
#7
avatar

Hallo Fenria,

oh ja, wie gut ich das kenne ! Mein Mann ist der Meinung, Psychologie ist ja ganz nett, aber oftmals kann er mit dem "Psychogebabbel" nichts anfangen - Kommunikation ist seine Sache nicht, er ist eher ein großer Schweiger . Das führt dazu, dass immer ICH die treibende Kraft bin bei Elterngesprächen mit der Therapeutin, dass ICH Informationen einhole, dass ICH ihn auf bestimmte Verhaltensweisen der Kinder hinweise, dass ICH ihn daran erinnere, was wir im Elterntraining mal gelernt haben - und dass ICH phasenweise sehr sauer war, weil ich mich immer total alleingelassen gefühlt habe.

Inzwischen habe ich mich damit abgefunden, dass er einfach so tickt. Er gibt sich Mühe, manchmal muss ich auch wieder schubsen, dass er daran denkt, aber er wird nie derjenige sein, der aktiv Probleme angeht *seufz*. Als hochgradiger ADS'ler (nicht diagnostiziert - ER doch nicht *g*) vergißt er auch oft, was wir abgemacht haben. Das ist einfach "klasse" in der Kindererziehung, die Kleinen wissen das sehr gut auszunutzen, und am Ende streiten wir Alten uns *seufz*. Kleiner Einschub: Mit unserem Hund war ICH in der Hundeschule, und ER bringt es fertig, teilweise andere Kommandos anzuwenden als ich - inzwischen grinse ich darüber nur noch .

Es gab durchaus auch Momente, da dachte ich daran, besser alleine weiterzumachen, als noch ein 4. Kind (=Göga) mit zu erziehen . Zumals mein Mann halt auch viel arbeitet, und das noch zu familienunfreundlichen Zeiten - das Geld fällt halt nicht vom Himmel, so dass ich viel alleine bin mit den Kindern.

Aber: Wenn man akzeptieren kann, dass der Partner nunmal so ist, wie er ist, wenn die Zeit vergeht, und er zunehmend lernen wird, dass ADS nicht mit einem Patentrezept in 6 Wochenerledigt ist, dann hat man schon viel geschafft. Eine Trennung wäre nur ein weiteres Fass, das Dich und Deinen Sohn belastet. Wenn es sonst keine Gründe gibt, würde ich das jetzt erst einmal als Durststrecke betrachten und Trennungsgedanken etwas auf Eis zu legen.

Ich kann Deine Gedanken wirklich gut verstehen ! Bei ADHS hilft in schweren Zeiten vor allem, immer nur von Tag z Tag zu denken - plötzlich ist wieder ein halbes Jahr herum und man sieht Land....

Viele Grüße,
Mandelkern





 Antworten

 Beitrag melden
05.10.2006 16:06
avatar  Simone
#8
avatar

Hallo Mandelkern,

hast du da grade unsere Familie beschrieben? Das könnten glattweg wir sein. Aber punktgenau, ausser dass wir keinen Hund und nur 3 Kinder (einschließlich GöGa) haben......

LG
Simone
wir lieben unsere Kinder - auch dann, wenn anderes es gerade mal nicht können


 Antworten

 Beitrag melden
05.10.2006 16:48
avatar  ( gelöscht )
#9
avatar
( gelöscht )

Hallo Fenria,

leider hab auch ich schon ne gescheiterte Ehe hinter mir, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass mein damaliger Mann leider so gar nicht mit dem Chaotentum
von meiner Tochter und mir klargekommen ist. Er selber ist superautoritär und notfalls
mit Schlägen erzogen worden und wollte nicht begreifen, dass das bei unserer Tochter gar nichts bewirkt, ausser vielleicht das Gegenteil.

Ich hab seit einigen Jahren nun einen neuen Lebensgefährten, der fand das alles erst noch ziemlich witzig und lebendig bei uns, bis dann die Schulprobleme bei meiner Tochter dazukamen und hier wirklich der Dauer-Punk abging.

Mit ADS kann er nicht wirklich viel anfangen, er bemüht sich zwar sehr nachzuvollziehen,
warum meine Tochter so ist, wie sie ist, aber VERSTEHEN kann er es einfach nicht.
Da müsste ja dein Mann eigentlich im Vorteil sein, er müsste es ja verstehen können.
Ich schreibe bewusst "müsste", denn ich bemerke bei mir immer wieder, wie grauenhaft ich das finde, dass meine Tochter mir so absolut ähnlich ist. Ich will eben so partout nicht (stampf mit dem Fuß auf!), dass sie so ist wie ich und so einen chaotischen Lebenswandel hat. Und ich will nicht, dass sie die gleichen Fehler macht und ich will nicht, dass sie so eine Schulkarriere hinlegt wie ich, und ich will nicht, dass sie sich nicht konzentrieren kann, und ich will nicht, dass sie so unordentlich ist und und und... Und aus genau diesem Grund seh ich manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht und mache leider alles falsch. Vielleicht fühlt sich das für deinen Mann ähnlich an, und in seinem Bemühen das Kind zu "ändern" und zu "verbessern" weiss er einfach nur nicht, wie er es richtig machen soll?

Diesbezüglich kann ich mich dann nur Käferle anschließen, sprich informieren aus Büchern, in Gesprächskreisen, im Forum oder Chat hier, oder überall wo es eben Hilfe gibt.

Eine Patentlösung hab ich leider auch nicht, und ein manchmal sehr disharmonisches Familienleben auch, ich bekomme auch leider keine Therapie oder Elterntraining. Aber trotzdem ist es viel besser geworden, in dem ich eben versucht habe "meinen" Weg zu finden damit umzugehen, und vielleicht solltet ihr beide euren finden, entweder zusammen oder jeder für sich, aber immer im Hinblick auf das Kind und eine Verbesserung der Situation.

In diesem Sinne wünsch ich euch alles Gute,

maijana


 Antworten

 Beitrag melden
06.10.2006 02:06
avatar  ( Gast )
#10
avatar
( Gast )

Hallo fenria,

ich kann mich Käferle anschliessen. Wir haben drei Kinder, mein Ältester und mein Mann haben ADHS. Es war ein extrem langer Weg, bis mein Mann endlich zu einem Arzt ging, der etwas davon verstand. Für unsere Ehe war es sehr schwer. Es hat oft gekracht. ich habe schon immer mit dem meisten ganz alleine gestanden. Der Unterschied kam, als erst ich und dann mein Mann sich über die Krankheit bewusst wurde.
Er war eben nie aus Böswiligkeit antribeslos, ständig erschöpft, super schnell gestresst,geräuschempfindlich... Er hat in seinen 409 Jahren auch schon viele Niederlagen erfahren.
Heute verstehen wir es besser und kämpfen gemeinsam - auch wenn es manchmal hart ist.

Allen Mut der Welt!

Liebe Grüsse,
Rose


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!