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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 263 mal aufgerufen
 Kinder mit ADHS - Selbsthilfe für Eltern
Supagrobi2.0 ( gelöscht )
Beiträge:

01.08.2014 00:35
#1 Neuvorstellung supagrobi2.0 antworten

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Dieser Beitrag wurde aus dem Thread " Diagnose ADHS: brauche mal ein bisschen Unterstützung!" von einelenabitt hierher kopiert und als neues Thema angelegt. Der Inhalt ist unverändert.

Gruß

lupa

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Hallo,

da ADHS größten Teils vererbt wird, gibt es wohl sehr viele Betroffene. Leider gibt es aber auch eine große Dunkelziffer. Viele erwachsene ADHS-ler wissen es noch nicht, oder sie haben es erst nach 47 Jahren erfahren.

Ich bin mitte 40 und habe 2 Kinder, wovon eines die Diagnose ADS hat. Das jüngere Geschwisterchen (anderen Geschlechts) ist im Krabbelgruppen-Alter, sehr aktiv und unternehmungslustig. Ohne Kindergurt läuft mir mein Kind davon. Ich ernte deshalb ständig Kritik und Beschimpfungen von anderen Müttern und Senioren. Wie ich mich aber dabei fühle, dass ich mein Kind an die "Leine" nehmen muss, danach fragt keiner. Die Ergotherapeutin meines älteren Kindes findet diese Methode sehr gut. Sie nennt es SI-Therapie. Sie meint, gerade bei Kindern (ganz Kleinen) mit ADHS wird die "Leine" wieder empfohlen, da das Kind sich dabei besser spüren kann. Mein Schulkind war vor dem Kindergarten auch schon ziemlich weit, konnte mit 2 bis 20 zählen, sogar auf englisch. Jetzt in der Schule gibt es Probleme: zu langsam, stört den Unterricht, hört nicht zu, gibt sehr schnell auf und wird zornig, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt, fängt Aufgaben garnicht erst an, während die Mitschüler schon fleißig lernen, dreht sich zum Hintermann um und spricht diesen an. Mein Kind kommt jede Nacht zu mir, weil es Angstzustände hat, klammert sich auch sonst sehr an mich.

Am Anfang war es sehr schwer für mich. Mittlerweile habe ich mich mit der Situation abgefunden und unterstütze meine Kinder, so gut ich kann. Dabei kann ich auf die Unterstützung des Vaters nicht wirklich bauen, weil er selbst ADHS hat (was er erst jetzt weiß). Seit über 50 Jahren hat er keine kompetente Hilfe bekommen. Er glaubte bis heute, dass er mit sich selbst ganz gut klarkommt. Aber die Außenwelt sieht das anders. Er kann das nur noch nicht so ganz glauben. Ich schicke ihm per Mail Informationen zu, damit er sich ganz in Ruhe ohne Stress mit diesem Thema beschäftigen kann. Ich merke an seinem Verhalten, dass er versucht, an sich zu arbeiten. Aber den entscheidenden Schritt in die richtige Richtung hat er bereits getan, indem er sein "Anderssein" annimmt.

Je mehr ich mich mit diesem Thema befasse, um so mehr nehme ich mich auch selbst ins Visir. Ich glaube, ich habe auch ADS. Meine Mutter meint, ich habe kein ADS. Auch der Ergotherapeut meines Kindes glaubt nicht, dass ich ADS habe. Dafür ist er sich ziemlich sicher, dass der Pappa ADHS hat. Egal, wir sind die ADHS-Family - basta. Entweder alle oder keiner. Einer für alle und alle für einen.

Das Thema ADHS wird gerne unter den Tisch gekehrt. Warum? Aus Angst vor der Gesellschaft? Aber dabei sind WIR DIE GESELLSCHAFT. Wir sind in der Mehrheit. Wer meint, er sei gesund sollte mal zum Psychologen gehen. Allein was wir täglich konsumieren ist nicht gesundheitsfördernd.

Kurzum: Mein Kind soll, lt. Kinderpsychologen, auch dieses Methylphendidat nehmen. Der Pappa würde es lieber erst an sich selbst ausprobieren, bevor eins seiner Kinder das nimmt. Gute Einstellung von ihm. Respekt. Ich habe mit meinem Kind darüber gesprochen und gesagt: "Wenn du dich damit unwohl fühlst, lassen wir das sein." Ansonsten gibt es 1 vor der Schule und wenn es unbedingt notwendig ist. Mein Kind ist einverstanden. Da gibt es schonmal keinen Stress.

Wir Eltern von ADHS-Kindern müssen uns ein Elefantenfell zulegen und mit Ellenbogen durch die Gesellschaft gehen. Klingt komisch, ist aber so. Mein Kind wurde schon vor den Augen einer Kindergruppe weggeschickt, weil es zu spät kam. Es sind Ferien und es war eine Ferienaktion. Ich sagte der Leiterin, dass doch Ferien sind und dass man in der Schule pünktlich sein muss, aber in den Ferien kann man doch mal ein Auge zudrücken. Aber sie ließ sich nicht erweichen. Gut, brauchen wir nicht, drauf gepfiffen!

Jetzt kommts noch dicker: Der Kinderpsychologe meinte, mein Kind solle diese Tabletten nehmen, weil es zu teuer ist, für mein Kind eine Fachkraft in die Schule zu bestellen, da schon sehr viele Anträge in Bearbeitung sind. Soll ich den Kinderpsychologen wechseln? Ich denke drüber nach.

Liebe ADHS-Grüße!

Supagrobi2.0

lupa Offline



Beiträge: 1.157

02.08.2014 01:19
#2 RE: Neuvorstellung supagrobi2.0 antworten

Hallo supagrobi2.0,

noch einmal an dieser Stelle:

Herzlich willkommen im Forum des ADHS Deutschland e.V.!

Du schreibst uns über die Geschichte deiner Familie. Wenn ich es richtig herauslese, gibt es eine gesicherte ADHS - Diagnose "nur" für dein älteres Kind. Es gibt ein jüngeres Geschwisterkind anderen Geschlechts. Das ältere Kind besucht die Schule.
Es wäre interessant zu wissen, wie alt die Kinder (bzw. das Schulkind mit der ADHS - Diagnose) ist und welche Klasse es besucht. Das hilft, die Situation besser nachvollziehen zu können.

Du berichtest über Kindis Schulprobleme:

Zitat
zu langsam, stört den Unterricht, hört nicht zu, gibt sehr schnell auf und wird zornig, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt, fängt Aufgaben garnicht erst an, während die Mitschüler schon fleißig lernen, dreht sich zum Hintermann um und spricht diesen an.


Das sind alles die ganz typischen Probleme von ADHS - Kindern im (Grund-)schulalter! Und ich bin mir sicher: alle Eltern hier können Dir nachfühlen, was das für Dich und Kind bedeutet!

Zitat
Mittlerweile habe ich mich mit der Situation abgefunden und unterstütze meine Kinder, so gut ich kann.


Ich weiß nicht, ob man sich mit der ADHS - Problematik unserer Kinder wirklich abfinden kann ... aber wir müssen sie akzeptiern ... wir haben nämlich keine andere Wahl. Dass Du deine Kinder unterstützt und hinter ihnen stehst ist super und sehr, sehr wichtig für die Kinder!

Zitat
Dabei kann ich auf die Unterstützung des Vaters nicht wirklich bauen, weil er selbst ADHS hat (was er erst jetzt weiß).


Heißt das, dass auch der Vater eine gesicherte Diagnose von einem Facharzt hat?

Zitat
Je mehr ich mich mit diesem Thema befasse, um so mehr nehme ich mich auch selbst ins Visir. Ich glaube, ich habe auch ADS. Meine Mutter meint, ich habe kein ADS. Auch der Ergotherapeut meines Kindes glaubt nicht, dass ich ADS habe. Dafür ist er sich ziemlich sicher, dass der Pappa ADHS hat.


Sein eigenes Verhalten unter der ADHS - Brille zu reflektieren kann sicher nicht schaden ... irgendwoher müssen es die Kinder ja schließlich haben ... und natürlich können auch beide Elternteile betroffen sein.
Wenn es für Dich wichtig ist, Sicherheit in dieser Frage zu bekommen, dann such dir einen, in der Erwachsenendiagnostik kompetenten und erfahrenen Facharzt in Deiner Nähe. Auskunft zu Namen und Adressen kann man Dir sicherlich bei einem unserer Gersprächskreise in Deiner Nähe erteilen.
Schau mal hier:
http://www.adhs-deutschland.de/Home/Unse...lfegruppen.aspx

Aber bitte!!!: Weder die eigenen Eltern, noch der Ergotherapeut des Kindes (oder die Kita - Erzieherin, Lehrerin ...) sind hierfür die geeigneten Personen!!! Eine ADHS - Diagnostik ist zeitaufwändig, erfordert die Zusammenschau zahlreicher lebensgeschichtlicher Fakten und verlangt vom Diagnostiker viel Erfahrung und Fachkompetenz. Mal so eben dem äußeren Anschein nach geht da garnichts!!!

Zitat
Mein Kind soll, lt. Kinderpsychologen, auch dieses Methylphendidat nehmen.


Wenn es sich tatsächlich um einen Psychologen handelt, dann darf dieser gar keine Medikamente verschreiben. DAS dürfen in Deutschland nur Ärzte. In diesem Fall würde es sich vermutlich um einen Kinder - und Jugendpsychiater handeln (jedenfalls wäre das die zuständige fachärztliche Richtung) ...
"Dieses Methylphenidat" klingt irgendwie wenig begeistert ...!? Hast du Bedenken / Ängste hinsichtlich der Medikation? Hier kannst Du deine Fragen jederzeit stellen. Außerdem findest Du im Forum zu diesem Thema viele hilfreiche Informationen und Erfahrungsberichte. Beginnen solltest Du hier:

Grundsätzliches zu MPH-Medikamenten

DIe Geschichte einer Mami

Entscheiden könnt ihr natürlich nur selber.
Sowohl aus unserer eigenen Geschichte, als auch aus der Erfahrung im Austausch mit anderen Eltern kann ich Dir nur sagen: Leicht war die Entscheidung für Medikamente am Anfang für alle nicht. Aber HILFREICH waren die Medikamente am Ende für die allermeinsten Kinder (und damit auch für die Eltern!). Auch und v.a. hinsichtlich der von Dir zu Beginn geschilderten Schulprobleme!

Zitat
Der Pappa würde es lieber erst an sich selbst ausprobieren, bevor eins seiner Kinder das nimmt. Gute Einstellung von ihm. Respekt.


Entschuldigung! Aber an diesem Punkt muss ich Dir in aller Deutlichkeit widersprechen!!! Das ist keine gute Idee und auch keine gute Einstellung! Ich möchte Dir wirklich nicht zu nahe treten, aber das ist in meinen Augen fahrlässiger Unsinn!!!
Was bitte, wollt ihr mit diesem Selbstversuch herausfinden? Wie es Papa nach der Einnahme des Medikaments geht? Das sagt euch noch lange nicht, wie es Kind damit ergehen wird. (Und für den Fall, dass Papa keine gesicherte ADHS - Diagnose hat, wäre das Ganze gleich doppelt sinnlos. Einem gesunden, beschwerdefreien Menschen würde mal ja auch kein anderes Medikament verabreichen, um zu sehen, wie es am Patienten wirkt.)
Die Reaktionen auf Methylphenidat (MPH) sind individuell und auch je nach verwendetem Präparat sehr unterschiedlich. Erwachsene und Kinder reagieren darauf verschieden und benötigen unterschiedliche Dosierungen. Gerade weil die individuelle Dosierung für jedes Kind / jeden Erwachsenen erst über die Zeit detailliert herausgefunden werden muss, ist die Aufdosierung des Medikaments zu Beginn der Behandlung ja so schwierig und erfolgt immer unter engmaschiger Kontrolle erfahrener Ärzte. Schnell mal eben eine Pille einwerfen ... so einfach ist es eben leider nicht ...
Glaub mir: So ein Selbstversuch brächte euch keinerlei brauchbare Erfahrungswerte!!!
Und mal ehrlich: bräuchte euer Kind eine Brille, würde Papa die auch erst mal vier Wochen probetragen? Oder wenn Kind zur Behandlung einer bakteriellen Infektion ein Antibiotikum verschrieben bekäme, würdet ihr das auch erst mal an euch ausprobieren? Ich hoffe, Du nimmst es mir nicht übel und verstehst, worauf ich hinaus will. Warum sollte es sich mit MPH anders verhalten? Nur weil das Medikament auf einem anderen Rezept verschrieben wird, ist es dehalb nicht per se "gefährlich" und bedarf der vorherigen "Testung" der Eltern.
MPH ist für unsere Kinder eine wirksame Hilfe, sich besser konzentrieren und fokussieren zu können. Und aus diesem Effekt resultieren dann meist zahlreiche, weitere positive Folgeerscheinungen.

Zitat
Ich habe mit meinem Kind darüber gesprochen und gesagt: "Wenn du dich damit unwohl fühlst, lassen wir das sein."


Auch hier rate ich Dir zur Vorsicht! Dass Du mit Kind darüber sprichst ist wichtig und absolut notwendig. Aber warum legst Du Kind schon vorher in den Mund, dass es sich damit unwohl fühlt und ihr es wieder sein lasst? Lass es Kind doch einfach erst mal ausprobieren. Es kennt doch seine Probleme in der Schule und in seinem gesamten Umfeld. Das ist doch SEIN tägliches Leben. Also kannst Du doch ganz neutral erklären, dass das Medikament Kind dabei helfen wird, sich besser zu konzentrieren und so viele dieser schwierigen Situationen besser zu bewältigen. Und dann beobachtet ihr gemeinsam, wie es Kind damit geht. Aber nach Möglichkeit bitte neutral, ohne eine negative Erwartungshaltung schon im Vorfeld. Gib deinem Kind doch die Chance, auch positive Erfahrungen damit machen zu dürfen!

Zitat
Der Kinderpsychologe meinte, mein Kind solle diese Tabletten nehmen, weil es zu teuer ist, für mein Kind eine Fachkraft in die Schule zu bestellen, da schon sehr viele Anträge in Bearbeitung sind.


Nun, hier hat euer Psychologe sich sicher nicht gerade sehr geschickt ausgedrückt ...
Aber das Eine (die Medikation mit MPH) und das Andere (der Schulbegleiter), das Du hier ansprichst, hat eigentlich nichts miteinander zu tun. Und zwischen Beidem eine Abhängigkeit herzustellen im Sinn von "weil der Schulbegleiter teuer ist und es keine Plätze gibt, bekommt Kind jetzt Medikamente" ist ganz sicher schlichtweg falsch. Es geht einfach um grundverschiedene Dinge:

Medikamente verschreibt der zuständige Facharzt nach gesicherter Diagnose.

Einen Schulbegleiter kann man in begründeten Fällen über das Jugendamt beantragen (jedenfalls in meinem Bundesland ist das so). Kinder mit ADHS bekommen jedoch in aller Regel KEINEN Schulbegleiter (vereinzelte Ausnahmen kann es natürlich trotzdem geben).

Meist ist das auch weder nötig noch sinnvoll, denn
1. was soll der Schulbegleiter denn für Kind tun? Er kann es doch nicht von außen her aufmerksamer machen. Wäre das möglich, gelänge das auch den Lehrern. Um dieses Ziel zu erreichen, sind Medikamente das eindeutig erfolgversprechendere Mittel. Und
2. bedeutet ein Schulbegleiter für ein Kind auch ein enormes Stigma. Überlege mal, was es für ein (nach außen hin körperlich gesund erscheinendes) Kind bedeutet, ständig in Begleitung eines anderen Erwachsenen in der Klasse zu sitzen. Das ist kein wünschenswerter Zustand!
Zudem sind Schulbegleiter i.d.R. kein pädagogisches Fachpersonal (sondern junge FSJler oder Buftis, die meist gerade eben selber die Schule abgeschlossen haben ... Im besten Fall sind sie für ihre Aufgabe motiviert und haben "Lust" auf Dein Kind ... mehr nicht). Denen müsstest Du erst mal seeehr viel, über ADHS allgemein und wie damit speziell bei Deinem Kind umzugehen ist, beibringen. Und bis das einigermaßen läuft, ist das Schuljahr vermutlich rum. Und dann kommt wieder ein Neuer ... genauso unerfahren ...
Hattet ihr denn über die Möglichkeit eines Schulbegleiters für euer Kind nachgedacht / gesprochen?

So, ich hoffe, ich habe Dich mit meiner langen Stellungnahme zu Deinem Beitrag nicht völlig verschreckt ...!? Du bist hier jeder Zeit mit allen Fragen willkommen!

Viele Grüße

lupa

Ja, ich bin durchgeknallt und nein, ich kann mich nicht mal eben zusammenreißen.

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