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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 Medis - Archiv 2008-2010
Gummifloh71 ( Gast )
Beiträge:

30.01.2008 10:28
Aggressionnen mit Concerta Antworten

Hallo,

ich bin neu hier und habe folgendes Problem. Mein Sohn(ADHS) hat, seit er 6 Jahre alt ist, Medikinet retard 10 mg und später 20 mg bekommen. In der Schule lief alles gut. So gegen 14.oo Uhr hat er dann seinen Rebound bekommen, womit ich aber ganz gut umgehen konnte. Da ich allein erziehend bin, musste mein Sohn in die Ganztagesschule. Da er dort "funktionieren" muss bis ca. 17.00 Uhr und alleine keine unretardierte Tablette um 14:00 Uhr nachnehmen will, wurde er auf Concerta 36 mg umgestellt. Am Anfang klappte alles perfekt. Auch hatten wir keinen Rebound mehr. Und dann ging es los. Er wurde mega aggressiv, manchmal nach einer Stunde, manchmal nach 4 Stunden. Dann flippte er total aus. Wie von Sinnen. Das ging immer eine Stunde ca. und dann den Rest des Tages wie ein Lamm. Kein Arzt konnte mir erklären warum?Die Schule war ganz erstaunt und total verängstigt. Wir haben es dann mit Concerta 18 mg probiert, da ich dachte, die 36 mg wären zu hoch, leider keine Veränderung. 54 mg haben wir noch nicht getestet. Er bekommt jtzt wieder Medikinet retard 20 mg und ich muss meine Arbeitszeit kürzen. Das geht aber nicht für immer. Kennt jemand das gleiche Problem?

Mein Sohn hat Freunde, geht zum Fußball, spielt Handball, schreibt gute Noten, liebt seinen Gameboy, hasst seine Schwester. Wir müssen aber eine Lösung für einen langen Tag finden, denn, wie oben gesagt, ich kann mit dem Rebound umgehen aber die Schule und die Nachmittagsbetreuung nicht und und da gibt es halt nur Concerta. Aber, ich will auch keinen Schulausschluß erreichen durch die Aggressionen. Mein Sohn möchte nicht, das andere wissen das er ADHS hat, bzw. das er TAbletten nimmt. Er will normal sein.

SusanneG Online



Beiträge: 10.271

30.01.2008 23:25
#2 RE: Aggressionnen mit Concerta Antworten

Hi Gummifloh,

erst mal herzlich willkommen in unserem Forum. Netter Nick, hast du den bei Sohnemann abgeguckt?

Du fragst um Rat im Zusammenhang von Aggressionen und Concerta. Mit dem Wenigen, was du schreibst, begebe ich mich da jetzt auf ziemlich dünnes Eis; ich kann bloß ein bisschen rumspekulieren. Also erst mal zu dem, was ich ohnne Spekulationen sagen kann.

1. Concerta macht nicht aggressiv. Wir müssen also nach dem Aggressor suchen.

2. Equasym retard müsste theoretisch etwa neun Stunden wirken. Kommst du damit bis 17.00 Uhr hin?

Jetzt zu den Spekulationen: Da du nicht schreibst, wie alt dein Sohn ist, kann ich nur vermuten, dass er vielleicht so langsam in die Pubertät kommt. Steht bzw. stand bisher die Hyperaktivität im Vordergrund der medikamentösen Behandlung, würde sich auch ein Versuch mit Concerta 54 mg anbieten. Denn 20 mg Medikinet retard ist mehr als 36 mg Concerta, du könntest also schon noch auf 54 mg steigern. Doch ist er eher ein Träumer, wäre das vermutlich zu viel.

Auch die Suche nach dem potentiellen Aggressor ist erst mal bloß ein Stochern im Nebel: Concerta hat am Anfang funktioniert, dann plötzlich nicht mehr. Was hat sich zu diesem Zeitpunkt verändert? Schuljahrwechsel? Lehrerwechsel? Wechsel in der Nachmittagsbetreuung? Probleme beim Essen? Wo rastet er aus? Vormittags in der Schule oder in der Nachmittagsbetreuung?

Hast du abklären lassen, ob es nachvollziehbare gesundheitliche bzw. neurobiologische Ursachen für die Aggressionen gibt? Auf so ein ADS kann sich alles mögliche zusätzlich draufsatteln, was man so schnell gar nicht sieht, weil der größte Teil der Einzelsymptome gleich ist. Möglicherweise wäre ein sog. Mood-Stabilizer zusätzlich zu MPH sinnvoll, oder ein SSRI. Diese Frage müsste der KiJuPsychIATER beantworten können.

Und dann ist da noch unsere Standardfrage: Was geschieht therapeutisch außer der Medikation? In der Verhaltenstherapie würde er lernen, mit seinen Aggressionen umzugehen. Im ADS-kompetenten Elterntraining würdest du lernen, seinen Aggressionen zu begegnen. Jadoch, du hast kein Problem mit dem Rebound - doch das ET kann dir helfen, den Aggressor zu finden und mit deinem Sohn Maßnahmen zur besseren Selbststeuerung zu entwickeln. Wo es VT und ET gibt, erfährst du im nächsten Gesprächskreis.

Viele Grüße
Susanne

Gummifloh71 ( Gast )
Beiträge:

31.01.2008 08:33
#3 RE: Aggressionnen mit Concerta Antworten

Hallo Susanne,

mein Sohn ist 8 1/2 Jahre alt. Die Aggressionen mit Concerta kamen immer vormittags. Ich habe meinen Sohn gefragt, wie oder was passiert und er beschreibt es wie folgt: Er wird ganz doll unruhig und alles fängt an zu kribbeln, wie eine Bombe an der die Zündschnurr brennt und dann durch eine Kleinigkeit oder ein falsches Wort, knallt es. Wie gesagt, er war dann wie von Sinnen, total anderes Kind. Geschrien, geweint, beleidigt, gedroht, mit Gegenständen geworfen, getreten usw. Die Lehrerin hat er getroffen, deswegen die Angst vor ihm. Ich habe mich teilweise mit der Schwester verstecken müssen. Der hat Wörter rausgehauen, die kannte ich noch nicht mal. Und dann, ca nach einer Stunde,war alles vorbei. Hat noch ein bischen geweint und hat auch fast vergessen, was er alles gesagt und gemacht hat. War den Rest des Tages ganz lieb. Hat gespielt, gepuzzelt, tolle Gespräche mit mir geführt. Wie ein anderes Kind. Ich habe schon gedacht, er hätte vielleicht einen Tumor im Kopf weil er so shizopren war. Die Ärzte hier,wo ich wohne,können mir nicht weiterhelfen. Es wird hier nichts angeboten, was für ADHS Kinder geeignet ist. Zu meinem Umfeld kann ich nur sagen, das es eigentlich stimmt. Der Vater holt seine Kinder regelmäßig. Wir haben Haustiere, mein Sohn macht seinen Sport. Ist da erfolgreich und anerkannt. Er ist gut in der Schule. Wir unternehmen viel zusammen. Das einzige sind die Streitereien zwischen den Geschwistern aber da ist es bei anderen Familien wohl auch nicht anders.
Ich dachte, das Equasym genauso lange anhält wie Medikinet?! Wenn es länger wirkt, werde ich einen Versuch wagen. Sind ja jetzt Faschingsferien. Also, er nimmt zu Zeit 30 mg Medikinet muss dann also 30 mg Equasym nehmen, richtig?

Noch was anderes. Es steht eine Klassenfahrt über drei Tage an. Da kann er wohl nicht mitfahren. Wie schon am Anfang erwähnt, lässt er sich vor niemandem und von niemandem als mir die Tablette geben. Schade, dass noch niemand so eine Art Depotpflaster mit Mph, das eine Woche hält, entwickelt hat. So, wie Hormonpflaster oder Nikotinpflaster. Das wär doch mal was.

Falls Du über Hilfe im Saarland oder Kaiserslautern bescheid weisst, wäre ich dir dankbar. Wie gesagt, auf die Aggressionen bei Concerta ist keiner der Ärzte eingegangen. Mein Sohn wiegt bei einer Größe von 138 cm 42 kg. Ist also gut im Futter. Da er aber extrem viel Sport macht, ist er nicht schwabbelig sondern kompakt. Also, Appetitlosigkeit oder Untergewicht als Nebenwirkung haben wir nicht. Eher das Gegenteil.

So, liebe Grüße Jaqueline

ck2004 ( Gast )
Beiträge:

31.01.2008 17:16
#4 RE: Aggressionnen mit Concerta Antworten

Hallo Gummifloh,

mein Sohn (6 Jahre) hat vor ca. 3 Wochen ebenfalls Concerta (18) verschrieben bekommen.Leider war es so, dass er nach ca. 4 Stunden über erhebliche Bauchschmerzen geklagt hat. Da dies nicht die einzigen Nebenwirkungen waren haben wir auf Equasym Retard umgestellt - bisher mit gutem Erfolg.
Das Problem, welches dein Sohn hat, könnte mit der Art der Freisetzung des Wirkstoffes bei Concerta zu tun haben. So weit mir bekannt ist wird der erste Teil sofort freigesetzt. Der weitere Teil des Wirkstoffes wird erst dann freigesetzt, wenn die "Schutzschicht" abgebaut wurde (nach ca. 4 Stunden) so dass ab da der Wirkstoff wieder dosiert (durch eine kleine gelaserte Öffnung) nach und nach freigesetzt wird. Wenn also die Wirkung des ersten Teil nachläßt - der zweite Teil aber noch nicht freigesetzt wird – dann hat er vor dem Wirken des zweiten Teils seinen „Rebound“. Warum es bei dem einen keine Probleme gibt und bei anderen es zum (zwischenzeitlichen) Rebound kommt könnte durchaus daran liegen, ob man einen schnellen oder langsameren Stoffwechsel hat.

SusanneG Online



Beiträge: 10.271

31.01.2008 21:24
#5 RE: Aggressionnen mit Concerta Antworten

Hi Gummifloh,

achteinhalb ist noch ein bisschen früh für Pubertät, damit war die erste Spekulation schon mal nix. Und so ein Tobsuchtsanfall ist auch nicht unbedingt das, was passiert, wenn man zwischen der initial freigesetzten Dosis und der retardierten Dosis so ein kleines "Reboundle" hat (wobei der Hinweis von ck2004 durchaus richtig ist).

Doch die 36er Concerta ist zu wenig, wenn er jetzt Medikinet retard 30 mg bekommt. Wenn du so pi mal Daumen ausrechnen willst, wieviel MPH du bei einem anderen Medikament brauchst, musst du wie folgt rechnen:

30 mg Medikinet retard (oder Ritalin LA) entspricht einer Einmaldosis von 15 mg und wirkt ca. sechs Stunden. Da Equasym retard etwa neun Stunden wirkt, brauchst du drei mal die Einmaldosis von 15 mg, also 45 mg (gibt es vermutlich mit 40 mg; entweder das reicht oder man muss noch eine kleine draufpacken). Concerta wirkt etwa zwölf Stunden, also vier mal 15 mg. Dem würde die 54er Concerta am ehesten entsprechen.

Du kannst also durchaus noch einen Versuch mit einer 54er Concerta starten. Sollte dein Sohn tatsächlich durchknallen, weil seine Magensäfte die Ummantelung der Concerta nicht schnell genug aufdröseln, kannst du morgens noch 5 mg Medikinet (stinknormales, nicht retardiertes) dazugeben. Dadurch kannst du die Wirkung der Initialdosis von Concerta ein bisschen verlängern.

Kaiserslautern ist eine besondere Gegend, wir hatten die Diskussion hier vor geraumer Zeit schon mal. Gib mal bei Suche "Kaiserslautern" ein und guck dir die alten Beiträge an. Dann schreib eine Private Mail an die entsprechenden Forumsteilnehmer und frag nach, ob sie inzwischen eine gute Adresse gefunden haben. Denn meiner Ansicht nach sollte ein kompetenter KiJuPsychiater mal ein Auge auf diese Aggressionen werfen. Suche auch bitte nach einer Selbsthilfegruppe. Wenn du bei uns http://www.ads-ev.de nicht fündig wirst, wirf mal einen Blick auf die Website des ADHS Deutschland http://www.adhs-deutschland.de, vielleicht findest du dort eine.

Klassenfahrt: gute Idee, das mit dem MPH-Pflaster . Wir wünschen uns seit vielen Jahren MPH-Raumspray, haben uns bislang aber leider nicht durchsetzen können bei den Pharmas. Immerhin haben wir jetzt Retard-Medis bekommen, das ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung . Wann ist denn die Klassenfahrt? Doch selbst wenn du Sohnemann bis dahin richtig eingestellt kriegst und er sogar seine Medis selbst nehmen würde, ist da noch das Problem mit dem abendlichen Rebound. Wie würde er es denn aufnehmen, wenn er freiwillig auf die Klassenfahrt verzichtet?

Es hilft dir zwar nicht weiter, doch ich schreibe es trotzdem: Ich halte es für Quatsch und vollkommen kontraproduktiv, dass heutzutage schon Grundschulkinder auf Klassenfahrt mit Übernachtung gehen müssen. Damit tut man unseren ADlerkindern überhaupt keinen Gefallen.

Viele Grüße
Susanne

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