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Dieses Thema hat 5 Antworten
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 Medis - Archiv 2008-2010
doppelherz ( gelöscht )
Beiträge:

02.04.2008 23:03
Weg zur AD(H)S Diagnose Antworten

Hallo alle zusammen,

immer wieder beschäftigt mich die Frage,ob fast alle von euch einen umständlichen und langen Weg zurücklegen mußten bis man bei euch oder euren Kindern die Diagnose von ADHS stellte. Seid ihr auch von Pontius bis Pilatus gerannt? Habt ihr auch mehrere Anläufe nehmen müssen? Habt ihr euch von den verschiedenen behandelnden Ärzten / Diagnostikern sagen lassen müssen, daß alles in Ordnung ist oder ihr eine falsche Erziehung anwendet?
Seid ihr jetzt bei einem Arzt, dem ihr voll vertraut und von dem ihr das Gefühl habt er ist kompetent?

Wie ist es, als eure Kinder erwachsen wurden, mußtet ihr den Arzt wechseln, weil viele nur auf Kinder und Jugendliche spezialisiert sind?
Sind niedergelassene Ärzte kompetenter als die in den Kliniken?

Ich frage, weil ich den Eindruck habe, daß viele von euch auch einen langen, schwierigen Weg bis zur Diagnose hatten. Mich interessiert auch wie die Weiterbehandlung im Erwachsenenalter ist, weil ich denke, daß ich mit meiner Tochter (16 Jahre) bald neue Wege einschlagen muß / kann. Das würde ich in den nächsten Jahren dann langsam angehen lassen. Ich weiß auch und erlebe es so, daß man ständig die Medikation neu überdenken bzw. neu dosieren muss.

Oje, jetzt habe ich aber viel gefragt. Bin neugierig was ihr mir antwortet.

Bis dann und Grüßle
doppelherz

SusanneG Offline



Beiträge: 10.278

03.04.2008 00:22
#2 RE: Weg zur AD(H)S Diagnose Antworten

Hi Doppelherz,

das einschlägige Gespräch beim Kinderarzt war im März, Diagnostik im Juni und Juli und Abschlussgespräch im Oktober - so, und jetzt kommts: 1995!!! Therapiebedarf ergab sich im Mai 1996, Therapiebeginn September 1996. DAS waren noch Zeiten!

In der zehnten Klasse musste meine Tochter ihre innere Einstellung zur Medikation überdenken und hat dies mit meinem Allgemeinarzt (41 km entfernt) getan, der seither auch für sie die Rezepte ausstellt. Doch inzwischen haben wir "hier ums Eck" einen u.a. auch pharmakologisch sehr kompetenten Psychiater.

Obwohl wir ja sonst nix auslassen, hat es bei uns mit Diagnose, Therapie und Medikation sehr gut geklappt. Wäre unser Leidensweg so lange gewesen wie bei den meisten von uns, hätte ich weder Kraft noch Ausdauer noch Geduld, einen GK zu leiten und im Forum Fragen zu beantworten - nein, dann würden wir ja immer noch "völlig untherapiert" auf irgendwelchen Wartelisten rumhocken.

Vielleicht wäre das hier der richtige Platz, einmal zu erwähnen, wie kontraproduktiv die gesetzlich verordnete Verzögerungs- und Verschleppungstaktik ist? Würde man das Geld für die vielen Erst-, Zweit- und Drittgutachten sowie jeweils die Hälfte der Kosten für Klassenwiederholungen, Sozial- bzw. Arbeitslosenhilfe für Jugendliche und junge Erwachsene, Unterhaltsvorschüsse wegen zahlungsunfähiger Väter und Vollzugskosten wegen "Selbstmedikation" und "wegen Schusseligkeit Erwischter" in einen Topf werfen, könnte man an jeder Regelschule einen ADS-kundigen Psychologen/Therapeuten beschäftigen sowie pro Klassenstufe eine kleinere Parallelklasse für verhaltensoriginelle Kinder einrichten. Damit wäre die akute Problematik größtenteils vom Tisch.

Falls mal eine Zeit kommt, in der sich das politische Machtgerangel deutlich vom ADS weg verlagert, könnte man es ja mal mit diesem Lösungsansatz versuchen.

Ob niedergelassene Ärzte kompetenter sind als die in den Kliniken kann man nicht generell beantworten. Jedenfalls ist der niedergelassene Arzt immer der gleiche, wohingegen man in der Klinik immer wieder auf andere trifft / treffen kann.

Grüßle
Susanne




Mandelkern Offline



Beiträge: 2.567

03.04.2008 10:26
#3 RE: Weg zur AD(H)S Diagnose Antworten

Hallo Doppelherz,

tja, auch wir hatten so unsere Umwege. Zum Glück bin ich eine eher bockige Mutter und habe immer hinterfragt, was irgendwelche Experten so behauptet haben.

Tochter Nr. 1 war relativ harmlos, nur ein bißchen ein Wenigschläfer, aber nicht so extrem wie später ihr Bruder. Sie war ein sonniges Baby und hat mit 2 Jahren diskutiert wie eine Große, seitdem übrigens nie mehr den Mund zugemacht . Dass sie recht helle ist, war uns klar, aber dass es irgendwelche Probleme deshalb geben könnte, daran dachte ich nun wirklich nicht. Mangels Vergleich fand ich auch ihre Entwicklung normal, erst als sie mit 5 ganze Bücher (keine Bilderbücher) sinnerfassend lesen konnte und weit über 100 rechnete (hatte das aber lange verheimlicht), dabei im Kindergarten die Mütter einen Wettberwerb führten, ob das Kind nun schon 2 oder 3 Buchstaben erkennt, fiel mir auf, dass da etwas VÖLLIG anders ist. Da entdeckte ich das mir bisher unbekannte Wort "Hochbegabung", das schien eine gute Erklärung, diese Kinder sind ja oft nicht ganz einfach. Nach der Einschulung ließ die Lehrerin sie eine Klasse überspringen, die "Experten" fanden das alles ganz toll (HB-Förderung war damals noch nicht so angesagt wie heute, wir liefen sozusagen als gelungenes Musterbeispiel) - aber einige Wochen später verfiel dieses einst sonnige Kind in eine tiefe Depression und äußerte Selbstmordgedanken. Aber da Tochterkind nicht hyperaktiv ist, dachte niemand an ADHS.

Tochter Nr. 2 war "komisch" von Geburt an, ließ sich ungern berühren, hatte Anpassungsschwierigkeiten in jeder Lebenslage, und vieles mehr, würde den Rahmen sprengen. Mit 3 sollte sie, wie hier üblich, in den Kindergarten, den damals unsere Älteste auch besuchte (2 Jahre Altersabstand). Das ging GAR nicht, die Erzieherinnen kamen mit der üblichen Leier, dass sie nur Eingewöhnungsschwierigkeiten hätte, dass ich nicht loslassen könne, das müsse man durchziehen, blablabla. Mitteltochter wurde krank, verweigerte das Essen, war nur noch ein Häufchen Elend - da nahmen wir sie nach rund 4 Wochen "Eingewöhnungskampf" aus dem Kindergarten - ein kleiner Skandal, die Leiterin war stinksauer, das hatte ja noch keiner gewagt, im Ort fragte jeder blöd, warum ich das Kind beim Einkaufen dabei habe, sie sei doch ein Kindergartenkind, blablabla.

Wir gingen mit beiden Töchtern zu einer Feldwaldwiesenpsychologin. Das Ergebnis war schlicht: Unsere Große ist ein "trainiertes" Kind, sie wirkt nur so helle, weil wir uns so sehr mit ihr beschäftigen. Aha, ich war fast durchgehend berufstätig, wenn auch nur wenige Stunden, und wir haben keine Großeltern, die auch nur mit den Kindern in den Zoo gehen, es gab eine kleine Schwester und bis dahin noch ein 3. Kind - klar, da haben wir sonst nix zu tun, als ein Kind zu "trainieren" . Für Mitteltochter lautete die Diagnose, ich habe ein Bindungsproblem, könne nicht loslassen, man müsse die Kindergartengeschichte durchziehen, sonst habe ich sie noch mit 18 am Rockzipfel. Es wurde eine Spieltherapie vorgeschlagen.

Diese Psycho sah uns niemals wieder .

Nur - die Probleme ließen nicht nach, die Kinder passten nirgendwo hin. Mitteltochter zeigte eindeutige HB-Tendenzen, das war uns ja wenigstens nicht mehr neu, die Große verschusselte alles, Typ "zerstreuter Professor". Leistungsmäßig fiel das in der Schule zwar nicht auf, weil sie dem Stoff immer deutlich voraus war, aber auch als noch so helles Kind sollte man sein Schreibzeug mitnehmen, Hausaufgaben machen, mitbekommen, wann die Pause endet, all so organisatorischer Kram eben.

Aber auch die Lehrerin (zum Glück dann eine andere) meinte, das Kind sei zu intelligent, da müsse man nachsichtig sein. Bloß die ständigen depressiven Phasen konnte keiner so richtig erklären.

In Tübingen gibt es eine HB-Spezialistin, die wurde uns von unserem HB-Verein empfohlen. Für sie war dann schnell klar: Die Kinder müssen mehr gefördert werden, besonders Tochter Nr. 2. Gib dem Hirn Futter, und die Kinder werden wieder fröhlich. Kostete je Diagnose einiges an Geld, aber es hörte sich glaubhaft an.

Ich versuchte also, drei Kindern gerecht zu werden und irgendwie ihr Hirn auszulasten. Ständig mit dem Gefühl, ich mache alles falsch, denn die Ausraster blieben, die Verstimmungen blieben, das Chaos blieb.

Und irgendwann, in einem Chat bei den Pfiffikids (gibt es nicht mehr), erwähnte Anneliese (Eigensinn-Seiten, der Link steht auf der Hauptseite), dass es ja auch zusätzlich ADHS sein könnte..... Ich hatte noch nie davon gehört, dass es auch NICHT-hyperaktive ADS'ler gibt, wies den Gedanken an "auch das noch" weit von mir. Letzten Endes landete ich dann bei Binie und Mike im Gesprächskreis, wurde an die Expertin weitergeleitet und ENDLICH hatten wir eine fast vollständige Diagnose (die "Kleinigkeiten" am Rande sind nur Beigaben, nicht das Hauptproblem). Aber aufgrund der Eile, wir waren ja schon völlig verzweifelt, zahlten wir auch hier die Diagnosen aus eigener Tasche.

Es dauerte noch Jahre (und dauert auch noch an), in denen wir sehr viel über ADHS gelernt haben, bei Junior stellte sich dann nicht mehr die Frage, warum schläft dieses hibbelige Kind niemals nie, da warteten wir nur darauf, dass er alt genug für eine offizielle Diagnose war .

Psychologisch betreut werden wir noch von der Kinderpsychologin, die Kinderärztin stellt die Rezepte aus. Wir haben noch ein paar Jahre Luft bis zur Volljährigkeit.

Irgendwann ließ auch ich mich diagnostizieren, in der für Frauen wohl typischen Situation: irgendwann bricht man vor lauter Kinder, Haushalt, Job und unerledigten Dingen zusammen. Ich habe nichts mehr wirklich auf die Reihe bekommen (nach außen hin schon, mußte ja irgendwie gehen, aber in mir war alles durcheinander). Die Diagnostik machte die Kinderpsychologin, aber als ich dann nach einer langen Zeit bereit war, Medis zu nehmen, ging dieser Kampf los. Meine Hausärztin verschrieb sie mir zunächst auf Privatrezept (sprich, ich mußte selbst zahlen), war aber etwas misstrauisch, denn "SIE ? Sie sind doch gut drauf, haben alles im Griff, SIE brauchen Medikamente ? Mein Mann unterrichtet an der XY-Schule, eigentlich sind ADS'ler ganz anders!". Als ich dann seltene Nebenwirkungen bekam, war sie nicht bereit, weiter zu probieren und ich stand ohne Arzt da. Durch den ADS e.V. oder dieses Forum (sorry, ich weiß nicht mehr genau, wer mir den Namen gegeben hat) bekam ich dann einen Tipp, welche Ärztin erwachsene ADS'ler medikamentös betreut, bekam dann auch einen Termin (mußte sagen, wer mich schickte, also eine Aktion wie bei einem Geheimdienst ), wurde sehr gut versorgt, aber mußte dann noch mit meiner Hausärztin abklären, dass ich nun indirekt zwei "Hausärzte" habe - die andere Ärztin ist zu weit weg für eine Hausärztin.

Momentan nehme ich keine Medis (sehr unvernünftig, aber ich kann mich nicht aufraffen).

Fazit:

Man kann nicht generell sagen, ob ein Arzt oder eine Klinik besser geeignet ist. Meine Ärztin würde sicher auch deine Tochter betreuen, ich schicke dir gerne die Adresse. Unsere "komischen" Kinder haben von Anfang an sehr viel Geld gekostet, das uns keiner erstattet hat. Noch heute ist Juniors Lehrerin der Meinung, es ist Erziehungssache. Während niemals jemand auch nur ein Wort über den Anteil der Väter sagt, sind immer wir Mütter in der Kritik. Sich gegen "Experten" zu wehren ist wahnsinnig schwer. Es ist schlicht zum Heulen, und ich bekomme nach wie vor die Krise, wenn ich ab und zu über Analytiker stolpere, für die es ADHS gar nicht gibt. Ich glaube, diese Typen sind sicher zu wenig gestillt worden !

Das war jetzt viel zu lange, soviel zum Thema "heute arbeite ich konzentriert meine Liste ab" !

Liebe Grüße
Mandelkern

Simone Offline



Beiträge: 1.078

03.04.2008 14:00
#4 RE: Weg zur AD(H)S Diagnose Antworten

Hallo Doppelherz,

Anfang 2002 bei der Familienpsych.Beratungsstelle gewesen, weil großer Sohn alles kaputtmachte, rebellierte, nichts mehr ging. Dort nach einiger Zeit mal die Frage nach ADHS gestellt.Wurde rundweg abgelehnt. Mitte 2003 in der Mutter-Kind-Kur die dortige Psychologin auf ADHS angesprochen, weil alles immer schlimmer wurde, keiner bekam ihn mehr in den Griff. Er selbst lief völlig aus der Spur. Da hatten wir die 1.Klasse hinter uns. Dann im Sommer 2004 wurde ich direkt von der Lehrerin und der Kinderärztin angesprochen, mein Kind testen zu lassen. Da am gleichen Tag auch noch der GK stattfand, hab ich mich dann dorthin begeben und gottseidank gleich die richtigen Adressen bekommen. Seit Herbst 2004 sind wir bei unserer Therapeutin (erst zur Diagnose und dann weiter).

Der Kleine war schon mit 2 Jahren sehr auffällig, da hatten wir grade erst die Diagnose vom Großen. Der Kleine hat seine Diagnose dann 2006 im Alter von 4 Jahren erhalten.

Beide sind in der gleichen Praxis wegen der Therapie(der kleine aber bisher nur Ergo, die richtige Therapie erkämpfen wir grade).

Kinderärzte haben wir 2. Einer fürs "grobe" wie Schnupfen, Husten, Heiserkeit. Der andere wegen den Medis.

Einen Grund zum Wechseln hatte ich bisher noch nicht. Das liegt aber vermutlich daran, dass ich damals sofort in den GK gegangen bin und die richtigen Tipps bekommen habe.

Wie es später weitergeht: keine Ahnung. Darüber mach ich mir Gedanken, wenns soweit ist. Haben ja noch ein paar Jährchen Zeit.

Grüßle
Simone

Nur gemeinsam sind wir stark! - Heute schon die Welt auf den Kopf gestellt?

Anyes ( Gast )
Beiträge:

03.04.2008 22:05
#5 RE: Weg zur AD(H)S Diagnose Antworten

Hallöchen
also wir hatten die Diagnose ziemlich schnell und einfach bekommen, wobei ich mit allem gerechnet habe, aber nicht mit ADS. Ich hatte bis dahin keine Ahnung, dass es auch ADS ohne "H" gibt.
Aber am besten fange ich von vorne an:
Mein Sohn war schon immer anders als andere.
Er war sehr ruhiges und zufriedenes Baby, für mich war das Babyjahr reine Erholung. Was auffällig war, er ließ sich nie einCremen, da hat er geschrien wie am Spieß, Babymassage wäre absolut undenkbar!
Er hat sehr früh gesprochen, wurde zweisprachig erzogen was überhaupt keine Probleme machte.
Da er Einzelkind ist, und es war damals schon so gut wie klar, dass er das auch bleibt, habe ich immer Wert drauf gelegt, dass er viel unter Kinder kommt. Also erstmal eine Krabbelgruppe, dann ab 2 Jahren Spielkreis. Zur der Zeit sprach mein Sohn schon fließend in 2 Sprachen und ich bin fast umgefallen als mich am Ende des Spielkreisjahres, als er knapp 3 Jahre alt war, die Erzieherin fragte: was denn der KA dazu sagt, dass der kleine noch kein einziges Wort spricht ?!
Er hat tatsächlich ganzes Jahr lang weder mit der Erzieherin noch mit den Kindern Wort gewechselt.
Im KG ging es dann weiter, die Eingewöhnungphase war reine Katastrophe. Gespielt hat er generell allein. Erst nach mehr als einem Jahr hatte er dann ein Paar ausgesuchte Freunde und hat mit 3 von 6 Erzieherinnen einigermaßen gesprochen- nur das wichtigste.
Ich wurde immer und immer wieder von den Erzieherinnen angesprochen, dass er sie nicht wahrnimmt, in eigener Welt lebt .....
Es gab auch sonst einige kleine Sachen, die mir auffällig waren, ich wurde aber immer von der Familie meines Mannes vertröstet, das wäre alles doch ganz normal und sein Papa war doch genauso ... usw. (logisch war er genauso, hat ja auch ADS, wie sich später rausgestellt hat! )
Mit 4 Jahren haben wir durch Zufall rausgefunden, dass unser Sohn lesen kann, und zwar alles, es hat ihm niemand beigebracht, er hat sich das selbst durch zugucken beim vorlesen eingeeignet.
Ich habe ihn dann getestet ob er auch schreiben kann, und er schrieb was ich gesagt habe, zwar ohne jegliche Grammatik, ist doch klar, und in Großschrift, aber er schrieb alles.
Zählen konnte er auch immer weiter und immer weiter und einfache + Aufgaben hat er eigentlich mit 3 schon hingekriegt.
Selbstverständlich haben wir uns gefreut was für ein cleveres Kerlchen wir haben und wollten das auch der Omi und dem Opa vorführen , aber Pustekuchen! Unser Sohn hat es niemanden gezeigt, es war sein Geheimnis was nur Mama und Papa mit ihm teilen durften.
Ich habe im KG davon nichts erzählt, mir war klar, er zeigt es nicht und die würden denken, ich habe nicht alle beinander!
Mit 6 Jahren meinten sie dann, er wäre nicht Schulreif und soll noch 1 Jahr im KG bleiben.
„Wie er ist nicht Schulreif? Er kann lesen und schreiben seit er 4 ist!“
Das haben sie mir, wie ich vermutet habe, nicht geglaubt. Er hat angeblich in der Vorschule, die sie einmal die Woche hatten, ganzes Jahr nichts gemacht und wäre auch von der sozialen Seite nicht reif für die Schule und viel zu viel verspielt.
OK- noch ein Jahr KG, schließlich ist der Papa doch auch mit 7 in die Schule gekommen und es hat ihm nicht geschadet!
Es hat sich aber auch in dem Zusatz Kindergartenjahr nichts geändert und mir war klar, dass es „so“ in der Schule nicht klappen kann!
Ich habe dann in den Ferien vor der Einschulung den KA darauf angesprochen, was ich übrigens schon die ganzen Jahre immer wieder mal getan habe, er meinte immer nur: "Der Junge ist nur ein bisschen schüchtern". Diesmal bestand ich aber eisern dran, dass er ihn psychologisch untersucht.
Er hat 10 Untersuchungstunden mit uns vereinbart bei denen ich nicht dabei war. Immer beim abholen hat mir der KA kurz zwischenberichtet.
Erst war es Verdacht auf Selektiven Mutismus, dann Verdacht auf Asperger Syndrom, das hat er beim nächsten mal wieder ausgeschlossen, dann Hochsensibilität und beim Endgespräch kam er damit, dass er "höchstwahrscheinlich" ADS ohne H hat und wir können "probieren" ihm MPH zu geben ob er darauf anspricht.
Das war mir alles sehr suspekt und deshalb habe ich mir eine Expertin für ADS gesucht und schnell gefunden, bei der wir recht schnell (ich glaube, es war innerhalb von 2 Tagen) einen Termin bekommen haben. Sie hat sich in 2 Mehrstündigen Sitzungen intensiv mit meinem Sohn beschäftigt, Tests gemacht und in dem Diagnosebericht stand unter anderem : ADS Hypoaktiv, HB- IQ 130, hochsensibel, Hinweis auf inter- und intrapersonellen Konflikt.

Also, meiner Meinung nach war die Diagnose recht schnell gestellt, da sie auch gleich war, wie die vom KA, habe ich es dann auch geglaubt, habe dafür Ca. 400,- Euro hingeblättert und es ging los mit Medi Einstellung, was ich persönlich viel schlimmer finde und da sind wir eigentlich bis Heute und wahrscheinlich noch lange nicht fertig!
KA haben wir inzwischen gewechselt, aber die Geschichte habe ich hier schon ausführlich geschildert. Jetzt haben wir eine KÄ die uns vom GK empfohlen worden ist und eine Ki.ju.Psychiaterin , weil wir inzwischen auch Verdacht auf Tourett Syndrom haben.
Oje wer soll das noch lesen??? Entschuldigung! Ich habe mich ein bisschen vergessen! Ich sage doch immer, irgendwann muss ich ein Buch schreiben.
Gruß Anyes


doppelherz ( gelöscht )
Beiträge:

06.04.2008 21:05
#6 RE: Weg zur AD(H)S Diagnose Antworten

Hallo ihr lieben,

vielen Dank für eure ausführlichen Antworten. Es waren viele interessante Informationen dabei und eure Beiträge haben mich beruhigt. So kann ich mit neuer Kraft mich auf den nächsten Weg machen.
Nur in Kurzform will ich euch noch unsere Geschichte erzählen.
Begonnen hat alles eigentlich, so finde ich, schon vor der Geburt:

1. kam sie als Beckenendlage zur Welt

2. gleich nach der Geburt, war sie voll da, d.h. sie schaute mit großen, neugierigen Augen in ihre neue Welt

3. sie schrie unendlich viel, ich konnte sie meist nur beruhigen, wenn sie neben oder auf mir lag, schlief sie endlich schlief sie sehr lang

4. hatte ich immer das Gefühl, dass sie nicht schlafen kann / wollte, weil sie so viel erleben wollte und aber auch nicht abschalten konnte (auch heute noch will sie alles mitnehmen und geht gerne über ihre körperlichen /geistigen Grenzen)

5. hatte sie immer Kontaktschwierigkeiten, weil sie so impulsiv war und im Verhalten auffällig / anstrengend

6. lange wusste ich nicht, ob sie vielleicht auch schwerhörig ist, da sie über den auditiven Weg nichts aufnahm, nur mit extrem visuellen Kontakt konnte ich sie erreichen

7. ihre Kindergärtnerin, meine Tochter war ca. 4 Jahre alt, meinte ich solle sie auf ADHS testen lassen, das tat ich auch, leider ohne Erfolg

8. Wir waren immer wieder bei Hörtests, weil sie so schlecht sprach, ich selber schwerhörig bin

9. Logopädie wollte man vor dem 5. Lebensjahr nicht machen, wir lebten damals noch in Berlin und ich vermute es gab einfach zu lange Wartezeiten

10.eine Ergotherapeutin schaute sich meine Tochter an und meinte sie wäre ein Grenzfall, sie könne noch nichts sagen

Hinzu kommt, dass ich nicht wusste, dass es auch ADHS in Hypoform oder Mischform gab

11. beim Einschulungstests wäre sie beinahe nicht eingeschult worden, aber meine Tochter wollte unbedingt

12. ich versuchte, da ich noch nicht wusste, was für eine Problematik meine Tochter hat, sie in eine Schule gehen zu lassen mit montesorischen Zügen, das leider fehlschlug (sie sollte eigenverantwortlich arbeiten und das klappte überhaupt nicht), ich nahm sie nach einem halben Jahr raus und brachte sie in eine "normale" Regelschule, dort ging es viel besser, doch Hausaufgaben waren eine Katastrophe oder jede Kleinigkeit, das sie lernen sollte bedurfte viel Übung

13. sie war immer sehr eigensinnig und nur mit extremen Kraftaufwand meinerseits(meinem Mann war alles egal, da er schwerkrank war, heute nicht mehr lebt, diese Situation hat noch alles verschärft)

14. vor 8 Jahren bin ich wieder in meine Heimat ins Schwabenländlle zurück und meine Mutter stellte auch fest, dass einfach etwas nicht stimmt

15. in allen Fächern benötigte sie viel Übung, in Deutsch in der Rechtschreibung und in der Grammatik, in Mathe mussten wir täglich die verschiedenen Rechenarten üben, in den Sachfächern benötigte sie mehr Übung, aber trotz allem war sie sehr begeistert von der Schule, es war für sie eine Strafe, wenn die Ferien kamen und im Auswendiglernen war sie gut

16. in der 5. Klasse Realschule versuchten wir es mit einem Nachhilfeunterricht, die über PC die Rechtschreibung übten (LOS), dort wunderte man sich, dass meine Tochter sehr wechselnde Leistungen erbrachte, einmal war alles super, das nächste Mal ganz schlecht, man wusste nicht mehr wie man ihr helfen konnte

17. durch Zufall erfuhren wir über ADHS ohne H und wurden durch einen Anzeige auf eine Selbsthilfegruppe aufmerksam, dort erzählten wir von unseren Problemen, man empfahl uns einen niedergelassenen Arzt in unserem Ort, dieser hörte sich unsere Geschichte an, machte kurze Tests (höchstens 1/2 Stunde)und gab uns MPH, meinte wir sollten es einfach versuchen, entweder schlägt es an oder nicht

18. MPH schlug an, aber wir hatten unsere Schwierigkeiten, dass wir keine wirklich Diagnose hatten, durch LOS bekamen wir eine Adresse in einer Klinik am Bodensee

19. dort war man zuerst entsetzt, dass meine Tochter MPH nimmt ohne Diagnose, wir gaben morgens kein MPH und so wurde sie zuerst ohne MPH und dann mit MPH getestet, man stellte fest, dass sie ADS mit Teilleistungsstörung im auditiven Bereich hat

20. Seit 2004 habe wir die Diagnose(da war meine Tochter 12 Jahre alt) wir haben die Anweisung erhalten 2 Jahre täglich MPH zu geben und danach nochmals zu kommen, das taten wir auch, dann ging unsere Geschichte mit Strattera los, das ich hier schon öfters niedergeschrieben habe


Jetzt habe ich aber auch viel geschrieben.

@ Mandelkern

Liebe Mandel,

bitte schicke mir die Adresse von der Ärztin per PN. Danke.



@alle

Ich freue mich, wenn ich es bald in einen GK schaffe, dann kann ich noch weitere Fragen stellen.


Liebe Grüße an alle
doppelherz

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