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Dieses Thema hat 17 Antworten
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 Medis - Archiv 2008-2010
Seiten 1 | 2
Christa ( gelöscht )
Beiträge:

01.11.2008 12:55
Concerta und Tics Antworten

Hallo alle zusammen, hab mal wieder ein Problem. Nachdem wir meinen Sohn (11) wegen Tics von Medikinet retard auf Concerta eingestellt hatten, sind die Tics verschwunden. Das war echt toll! Seit ein paar Tagen hat er aber jetzt so massive motorische Tics, daß wir beim Zusehen schon "wirr" werden. Es nervt total - ihn nervt es auch. Nun habe ich aber beobachtet, daß er auch schon tict, bevor er die Tablette bekommt und wenn sie nicht mehr wirkt auch. Die zusätzliche Gabe von Medikinet scheint zu wirken, aber ganz weg sind die Tics dann auch nicht. Ich bin jetzt verunsichert, weil ich die Tics sonst nur unter Medikation beobachtet habe, ohne aber nicht.
Nun frage ich mich, ob er unterdosiert ist. Er bekommt bei 28,5 kg 36 mg Concerta. In der Schule morgens noch 7,5 mg Medikinet und nachmittags manchmal noch 5 mg Medikinet - je nach Bedarf. Er hat seit Sommer fast ein Kilo zugenommen, ich weiß nicht, ob das wirklich daran liegen kann. Wenn er aufgeregt ist, sind die Tics am allerschlimmsten.
Wäre schön, wenn ihr mir mit euren Erfahrungen weiterhelfen könntet.
Liebe Grüße
Christa

SusanneG Offline



Beiträge: 10.271

01.11.2008 15:53
#2 RE: Concerta und Tics Antworten

Hi Christa,

mein Wissen über Tics ist beschränkt. Ich gehe davon aus, dass Mel sich dazu noch äußern wird.

Nach meinen Informationen sind Tics schon vor der Gabe von MPH da, werden aber inmitten des täglichen Chaos nicht so wirklich wahrgenommen. Anders ausgedrückt: Die ADS-Symptome werden vorrangig wahrgenommen und deshalb auch vorrangig behandelt; kaum ist das einigermaßen im Griff, nimmt man die Tics erst so richtig wahr. MPH steigert in aller Regel die Tics nicht; doch ohne MPH-Wirkung treten sie dann verstärkt auf. Bei Medikation mit Concerta ist häufig zu beobachten, dass die Tics erst so richtig anfangen, wenn die Concerta zu wirken aufhört.

Es gibt Medis gegen die Tics. Die sollten aber nur von einem Arzt verschrieben werden, der wirklich weiß, was er da tut.

Es ist mir wichtig, deutlich zu machen, dass du die Dosierung von MPH nicht von den Tics abhängig machen solltest. Mit MPH behandelt man ADS, Tics behandelt man mit Neuroleptika.

Weshalb gibst du morgens zur Concerta noch 7,5 mg Medikinet? Wenn die 36er Concerta nicht ausreicht, solltest du auf 54er Concerta umsteigen. Dieses Auf und Ab bei der MPH-Medikation erscheint mir nicht sinnvoll. Geschieht dies, um die Differenz von 5,5 mg einzusparen??? Oder braucht dein Sohn für die Schule tatsächlich soo viel mehr MPH?

Gewiss, ich habe hier schon öfter geraten, bei Medikation mit Concerta den Schulvormittag mit etwas unretardiertem MPH zu unterstützen. Doch dabei kommt es auf die Verhältnismäßigkeit an. Mit 7,5 mg Medikinet verdoppelst du fast die Wirkung der Concerta. DAS erscheint mir ein bisschen viel.

Ob dein Sohn unterdosiert ist, kann ich dir nicht sagen - nicht bei diesem Mix. Um das herauszufinden, musst du dich zuerst mal von dem Gedanken trennen, mit MPH die Tics wegzukriegen. Achte mal ausschließlich auf die ADS-Symptome und gib ihm mal NUR Concerta. Je nachdem, wie lange eine Concerta ohne weitere MPH-Beigaben wirkt, kannst du daraus auf eine Unterdosierung schließen.

Ich hoffe, ich habe dich jetzt nicht allzu sehr verwirrt.

Viele Grüße
Susanne

Christa ( gelöscht )
Beiträge:

01.11.2008 18:38
#3 RE: Concerta und Tics Antworten

Hallo Susanne,
das Tics nicht durch MPH weg gehen, ist mir schon klar, wir hatten dieses "Tic-Problem" aber noch nie so wie jetzt. Zusätzlich Medikinet in der Schule bekommt er, weil der KA das so angeraten hat. Junior hat in der letzten Woche auf die E-Schule gewechselt. Vorher auf der integrativen Hauptschule haben die Lehrer dem Arzt mitgeteilt, er wäre so furchbar bla..bla..bla, daher haben wir für die Schule erhöht. Junior selber sagt, er könne sich genauso gut konzentrieren wie vorher, tatächlich ist er aber wohl motorisch ruhiger und macht auch im Unterricht besser mit. Abends habe ich die Erfahrung gemacht, daß er unter den 5 mg "einfach besser funktioniert". Ich weiß allerdings nicht, wie lange Concerta bei ihm wirkt. Er selber sagt, er würde überhaupt nicht merken, wann die Wirkung da ist und wann weg. Ich meine nun, daß er seit ca. zwei Wochen viel eher am nachmittag anfängt wieder zu drehen. Vor ein paar Wochen habe ich ihm wenn nur gegen 17.30 Uhr noch mal was gegeben, Gabe Concerta um 6.00 Uhr. Im Moment bekommt er Concerta um 6.45 Uhr und spätestens um 16.00 dreht er wieder langsam ab.
Ich will Montag mit dem KA wegen einer Erhöhung von Concerta sprechen, habe aber Sorge, weil die Erhöhung ja nicht wirklich ohne ist.
Zur hohen Dosierung kann ich dir noch sagen, daß er vor Concerta morgens 30 mg Medikinet und mittags noch mal 10 mg Medikinet bekam. Das haben wir nur wegen der Tics und des Schulwechsels auf die Ganztagsschule geändert.
Nun ist ja alles wieder anders durch die E-Schule. Da hat er maximal bis 13.30 Uhr Schule und muß erst um 8.00 aus dem Haus. Aber wegen der Schule hatte ich mich ja schon genug ausgeheult! Mit der E-Schule haben wir, so wie es aussieht, eine gute Wahl getroffen. Der Lehrer dort hat bislang wegen der Tics nur einmal Nachricht gegeben, auffällig war es gegen 12.00 Uhr.
Viele Grüße
Christa

Gabi ( gelöscht )
Beiträge:

03.11.2008 11:22
#4 RE: Concerta und Tics Antworten

Hallo Christa,
auch unser Sohn(13) hat von Medikinet Tics.Wir haben schon alles mögliche ausprobiert.Alles half nichts.
Er bekommt nur dieses schnellwirksame Medikinet.Und siehe da ,es klappt besser.Er hat damit nicht so viele Tics.Sie sind zwar da,aber halten sich in Grenzen.Er kommt auch gut damit klar.
er nimmt morgens 20 mg,,,um 9 in der Schule nochmal 20mg,,,um 12 in der Schule auch 20 mg,zu Hause um ca.14.3 Uhr nochmal eine 10 er zum ausschleichen.Am WE manchaml auch weniger.
Ich muß sagen es klappt super im Moment.
Was wir von Medikinet Retard nicht sagen konnten.Da hatte er sehr starke Tics.Er hatte sich manchmal gar nicht mehr unter Kontrolle.Er litt regelrecht darunter.

Sprich mal mit deinem KA darüber,zu wechseln auf schnellwirkendes normales Medikinet.

LG Gabi

Melody71 Offline



Beiträge: 606

04.11.2008 16:17
#5 RE: Concerta und Tics Antworten

Hallo christa,

ich kann mich susannes Worten nur anschließen.
Gegen die Tics wird MPH nur "nebensächlich" helfen.

Die Erfahrung zeigt jedoch, das die Tics immer dann verstärkt auftreten, wenn die MPH-Wirkung im Körper sich verändert.
entweder wenn neuer wirkstoff (schnell)angeflutet wird oder aber wenn der Wirkstoff (zu schnell für die Tics) abfällt.

Die Tatsache das die Tics unter der Wirkung von MPH schwächer bis kaum da sind, ist mehr dem inneren "aufgeräumt sein", der inneren Ruhe und des des niedrigen Streßlevels zuzuschreiben.

Leider habe ich gerade nicht das alter deines Sohnes im kopf.
Es zeichnen sich mittlerweile auch altersabhängig gewisse Tichochphasen ab.
Die sind meist zwischen 6 oder 7 und dann wieder ab ca. 9 Jahren.
und dann wenn die Pubertät einsetzt sowiso.

Deine Beobachtung das die Tics nun auch auffällig (bzw. da) sind ohne die Wirkung des Methylphenidats bestätigt das, was auch die Forschung sagt.
Tics sind da, auch wenn sie unauffällig sind und werden nicht durch MPH hervorgerufen.

Anhand deiner Beschreibung würde ich dazu tendieren zu sagen, dein Sohnemann hat gerade eine Tichochphase, die evtl. auch mit den Veränderungen zusammenhängen die er in der letzten Zeit durchlebt.
Streß, Aufregung, Unsicherheit, Druck (? mal genauer fragen ob evtl. gerade irgendwas "los"ist ?) und "Ungewöhnliches" (man kann fast sagen jegliche Art von starker Emotion) jeglicher Art triggern Tics gern.

Bezüglich Neuroleptika zur Behandlung von Tics (übrigens auch off label susanne) sage ich ganz klar aus der eigenen erfahrung heraus, erst dann, wenn der Leidensdruck beim KIND sehr stark / stark genug (hört sich doof an) ist.
Die Nebenwirkungen sind einfach sehr, sehr stark und man braucht einen wirklichen Fachmann, um diese Medies gezielt einzusetzen.
und auch dann brauchts viel Glück, denn nicht jedes Medie wirkt und oft sind die Nebenwirkungen eben stärker als der Nutzen.

Sollte man also gut abwägen.

Soweit mal meine Erfahrungen.

LG Mel

SusanneG Offline



Beiträge: 10.271

04.11.2008 19:32
#6 RE: Concerta und Tics Antworten
Hi Mel,

schön, dass wir dich haben! Danke.

Sind die Neuroleptika grundsätzlich off label oder nur bei Patienten unter 18?

Könnte man bei Christas Sohn (11 Jahre, sh. oben) vermuten, dass die Tics u.a. auch daher kommen, dass die MPH-Dosierung dauernd schwankt? Wenn man bedenkt, dass er irgendwann zwischen 10.00 und 11.00 Uhr von 16,5 mg urplötzlich auf 9 mg runterplotzt und dann am Spätnachmittag/Abend, wenn die Concerta so langsam ausschleicht, nochmal 5 mg unretardiertes MPH verpasst kriegt, wundert es mich nicht, wenn Tics auftreten.

Von dem Arzt, der so eine wunderliche MPH-Dosierung für gut hält, würde ich meinem Kind ganz sicher keine Neuroleptika verschreiben lassen. Wobei - ich wiederhole es nochmal - ich nicht empfohlen habe, Neuroleptika zu geben; ich wollte nur deutlich machen, was man ggf. womit behandelt.

Viele Grüße
Susanne
Melody71 Offline



Beiträge: 606

04.11.2008 22:04
#7 RE: Concerta und Tics Antworten

Hallo susanne,

Ja Neuroleptika sind grundsätzlich alle und egal in welchem Alter off label.
Es gibt definitiv keine zugelassenen Medikamente für Tourette, Ticstörungen ect.
die wirken alle nur "zufällig" und sind alle ausschließlich für andere Störungsbilder zugelassen.

Und auch deine Vermutung bezüglich Christas Sohn und die auftretenden Tics
wäre für mich eine mögliche Erklärung.
Ich sehe es bei uns auch immer und immer wieder.

Bei der Kombi AD(H)S und Tics muß man sich das vorstellen wie eine Gemüsesuppe und die Medies sind die Kräuter.
Man kommt nicht drumherum auszuprobieren.
aber mit der Zeit gibt es natürlich auch Erfahrungswerte.

Viele Betroffene mit Ticstörungen brauchen z.B. viel Wirkstoff der direkt und schnell angeflutet wird fürs AD(H)S... überwiegend wegen der Impulssteuerung, die bei der Kombi Tic und AD(H)S fast immer ein riesengroßes Problem darstellt. wenn man Glück hat halten sich die Tics mit kurzwirkendem MPH in Grenzen.
Sohnemann bräuchte das eigentlich auch. Wirkt einfach effektiver im AD(H)S-Bereich.

ABER die Tics halten sich bei uns dann eben nicht mehr in Grenzen, das triggert dann den Leidensdruck und schon sind wir wieder im Teueflskreis.

Die langsam einschießenden Hormone werden bei christas sohn vermutlich ihr übriges tun.
Dazu die Umstellung mit der neuen schule, und wer weiß, was sonst gerade so noch in seinem sozialen Umfeld los ist.
Es lohnt sich da mal genauer drauf zu schauen und zu gucken ob man irgendwo und irgendwie streß und Druck herausnehmen kann.
(E-Schule mag gut sein in Bezug auf die Beschulung, aber da sind immer verhaltensauffällige Kinder, also mal genauer nach Pausen, Heimweg ect. nachfragen)

Man muß bei diesen Kombistörungen einfach einen vertretbaren und einigermaßen gesunden Mittelweg finden und immer den blick auf alles rundherum im Auge haben um evtl. mögliche Erklärungen zu finden.
und selbst dann gelingt es einem nicht die Tichochphasen zu umgehen, das sind einfach stoffwechselgeschichten, die kann man nur bedingt "regulieren".
ein auf und ab ist da völlig normal.

Den perfekten Weg wird man leider nicht finden, aber einen erträglich Weg, das ist gut möglich.
Dazu gehört viel Akzeptanz und Toleranz bezüglich den Tics.
Sowohl beim Betroffenen als auch bei den direkten Bezugspersonen.
und oft braucht das viel, viel Zeit.

Tut mir leid das ich euch da nichts positiveres erzählen kann.


LG Mel



SusanneG Offline



Beiträge: 10.271

04.11.2008 22:14
#8 RE: Concerta und Tics Antworten

Hi Mel,

nicht viel Positives? Dieser ganze Haufen Erklärungsansätze ist ja wohl mehr als positiv. Negativ ist bloß die off-label-Kiste bei den Neuroleptika *hmpf*.

Jedenfalls herzlichen Dank; deine Ausführungen werden Christa sicher weiterhelfen, um ein konstruktives Gespräch mit dem Arzt zu führen.

Grüßle
Susanne

Melody71 Offline



Beiträge: 606

05.11.2008 10:34
#9 RE: Concerta und Tics Antworten

gern geschehen

LG Mel

Christa ( gelöscht )
Beiträge:

07.11.2008 19:42
#10 RE: Concerta und Tics Antworten

Hallo! Vielen lieben Dank für eure Antworten. Komme leider erst heute dazu, in Ruhe zu antworten. Ich habe direkt am Montag mit dem KA telefoniert. Wie ich schon vermutet hatte, will er Concerta nicht erhöhen. Er meinte dann, man könnte die Tics mit Tia... behandeln. Auch aufgrund früherer Ausführungen hier im Forum will ich das aber nicht, sofern es nicht unbedingt sein muss. Er meinte dann, man könnte auch versuchen, die MPH Medikation zu verändern. Das tun wir jetzt.
Vor den Sommerferien hatte Marcel ja morgens 30 mg Medikinet retard und mittags gegen 14.30 Uhr noch einmal 10 mg Medikinet retard. Nur wegen der damals plötzlich auftretenden Tics und des Wechsels auf die Ganztagsschule haben wir auf Concerta 36 mg gewechselt. Der KA meinte damals noch, es könnte gut sein, dass die 36-er ausreicht. Jetzt wissen wir, dass dem nicht so ist.
Nun bekommt er seit Dienstag morgens 30 mg Ritalin LA. Die wirkt ca 6 Stunden. Dann sollte ich nach Bedarf mittags noch unretardiertes Medikinet geben. Ich gebe ihm jetzt sofort nach der Schule 5 mg und nach 3 Stunden dann noch einmal 5 mg. Hier zu Hause reicht das dann auch aus. Jetzt muss ich mich Anfang der nächsten Woche wieder mit dem KA in Verbindung setzen und alles besprechen.
Die Tics sind mittlerweile wieder gut erträglich, aber wie ihr schon geschrieben habt, wird das ja viel mit dem Stress mit der neuen Schule zu tun gehabt haben. Wir sind jedenfalls froh, dass sie wieder weniger sind.

Nun hab ich mich folgendes gefragt: Wenn das MPH an sich überhaupt nichts mit den Tics zu tun hat, könnte ich dann nicht wieder auf die Medikation vor den Ferien wechselt (Medikinet retard)? Wird es dann nicht so gewesen sein, dass vor den Ferien auch eine Tichochphase war?

Liebe Grüße
Christa

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