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Dieses Thema hat 43 Antworten
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 Medis - Archiv 2008-2010
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SusanneG Offline



Beiträge: 10.271

22.11.2008 02:23
Zu aggressiv beworben? Antworten

Hi ihr alle,

erinnert ihr euch noch, wie Lilly seit über vier Jahren Strattera anpreist, als wäre es das Allheilmittel bei ADS? Lilly hat Ärzte (und sogar Elternverbände) zu Informationsveranstaltungen eingeladen und ging sogar so weit, Ärzten das Blaue vom Himmel zu versprechen, wenn sie nur genügend Umsatz mit Strattera machen. Dennoch hat man hier an der Basis schnell herausgefunden, dass Strattera nicht unbedingt hält, was es verspricht. Es gibt gute Erfolge beim Verhalten, auch das Einschlafen fällt leichter. Doch neben recht happigen Nebenwirkungen (u.a. Aggression, Depression) muss man Strattera überwiegend mit MPH unterstützen, denn ein bisschen Konzentrationsfähigkeit wäre schließlich auch vonnöten.

Soweit ist alles bekannt, zumindest für euch.

Diese Woche im Gesprächskreis saßen zwei Strattera-Mamas bei mir am Tisch. Das eine Kind bekam von Anfang an Strattera. Das andere Kind wurde von MPH auf Strattera umgestellt, weil sich Tics verstärkten. Zunächst ging alles gut, doch inzwischen wird Strattera bei beiden Kindern mit MPH unterstützt. Vor ein, zwei Jahren hat auch das noch geklappt. Doch seit etwa einem halben Jahr diskutieren wir, ob es wirklich "nur" ADS ist, was hier mit Atomoxetin und MPH therapiert wird.

Aufgrund der inzwischen aufgetretenen, bereits beschriebenen Aggressionen und mitunter länger anhaltenden deprimierten Phasen vermutete ich zunächst beim älteren, später auch beim jüngeren Kind etwas in Richtung bipolare Störung und schickte die Mama mit dem älteren Kind zu einem Psychiater, der sich damit auskennt. Auch der Psychiater "sah" eine bipolare Störung und stellte das Kind auf einen Stimmungs-Stabilisierer ein, was anfangs auch zu nennenswertem Erfolg führte. Doch dann traten Nebenwirkungen auf, die in dieser Heftigkeit nicht akzeptiert werden konnten. Die Mama beschloss, drei verschiedene Medis sind zwei zuviel; sowohl der Stimmungs-Stabilisierer als auch Strattera wurden ausgeschlichen. Dann wurde die MPH-Dosis geringfügig erhöht und siehe da, das Kind ist nebenwirkungsfrei und wieder so unbeschwert, lieb und fröhlich, wie Mama es von früher kannte.

Auf meine Frage, wie denn die Medikation vor Strattera gewesen sei, bekam ich zur Antwort: "Es gab keine Medikation davor; die Klinik, die wir zur Diagnostik aufgesucht hatten, empfahl Strattera als alleiniges Medikament und das bekam das Kind von Anfang an." Offensichtlich wurde Strattera dort angepriesen wie ein warmes Weckle (für Nichtschwaben: Semmel, Brötchen).

Ich war noch heftig damit beschäftigt, meine Stirn zu runzeln, als von der anderen Strattera-Mama die Frage kam, ob denn die Aggressivität und die mitunter sehr deprimierte Stimmungslage bei ihrem Kind eventuell auch von Strattera kommen könnte. Öha, "it's a new option". Sie wird diese Möglichkeit jetzt mit dem Kinderarzt besprechen und - zumindest versuchsweise - Strattera ausschleichen. Man darf gespannt sein, was dabei herauskommt.

Und was lernen wir daraus??? Vielleicht das: Wenn dein Kind noch keine bipolare Störung hat, dann gib ihm Strattera. Es ist dann zwar noch immer nicht bipolar, doch zumindest sieht es ganz danach aus.

Bin ich wieder mal zu heftig? Ich geb's ja zu - für diejenigen, die ihren Kindern aus irgendeinem nachvollziehbaren Grund Strattera geben, bin ich das wohl. Doch ich werde weiterhin recht zickig sein, wenn ich höre, dass ein Kind als Erstmedikation Strattera bekommt und nicht regelmäßig nachgefragt wird, ob sich damit die Symptome bessern.

Dem älteren der beiden Kinder und seiner Familie hätte sehr viel Leid erspart werden können, wenn man in der Klinik nach Bewährtem gegriffen und sich von den Lilly-Versprechungen nicht hätte verführen lassen. Wie es beim jüngeren Kind ausgeht, weiß ich noch nicht, doch ich bin gespannt wie ein Flitzebogen.

Das waren jetzt die Neuigkeiten aus meinem GK - fürs Wetter sind Herr Kachelmann und der Winterdienst zuständig.

Viele Grüße
Susanne

Gabi ( gelöscht )
Beiträge:

22.11.2008 14:06
#2 RE: Zu aggressiv beworben? Antworten

Hallo Susanne,

erst mal eine Frage,was ist eine bipolare Störung???Achsel zuck,,,,,,
Aber das mit Stratterra kann ich ja aus eigener Erfahrung auch nur so weiter geben.Gebe dir vollkommen Recht.
Mein Sohn wurde auch sehr agressiv davon.Und von Konzentration,,,,keine Spur.

PS.
Dank dem Herrn Kachelmann sind wir noch gut um den Schnee drum herum gekommen.

LG Gabi

SusanneG Offline



Beiträge: 10.271

22.11.2008 18:20
#3 RE: Zu aggressiv beworben? Antworten

Hi Gabi,

eine bipolare Störung ist eine manisch-depressive Störung. Stimmungswechsel, wie bei ADS, doch in der Regel länger anhaltend. Bipolar hat auch was mit dem Stoffwechsel im Gehirn zu tun und einige der Symptome sind ähnlich wie bei ADS. Bipolar tritt in der Regel zwischen dem 16. und dem 24. Lebensjahr erstmals auf. Doch ADS kann man angeblich auch erst ab vier Jahren diagnostizieren. Was haben dann die Schreibabies?

Laut Psychiater ist eine bipolare Störung etwas, was man nicht unbedingt braucht und was in jedem Fall einer Behandlung bedarf; ADS ist dagegen wie ein Segen. Zitat Ende.

Viele Grüße
Susanne

ferrano Offline



Beiträge: 598

23.11.2008 20:29
#4 RE: Zu aggressiv beworben? Antworten

Liebe Susanne,
trotzdem möchte ich noch einwerfen, dass nicht jedes Schreibaby auch Ads hat.
Ansonsten macht mich diese Strattera Geschichte sehr unglücklich - verdammt, die armen Kids!

Bei uns schneits aber!!!Ich finde das richtig schööön, wie ein paar unschuldige, weiße Flocken für Aurfuhr sorgen ... hihi und schön aussehen tuts auch!
Gute Woche euch allen!
Uli

SusanneG Offline



Beiträge: 10.271

23.11.2008 21:55
#5 RE: Zu aggressiv beworben? Antworten
Hi Uli,

nicht immer, aber immer öfter ... wird bei Schreibabies Jahre später ADS diagnostiziert. Dies dürfte sich so ähnlich verhalten wie bei LRS, die kann man auch ohne ADS haben - ist aber häufig mit dabei.

Und nicht jeder pubertierende Zwerg ist bipolar; auch wenn es so sehr danach aussieht, dass sogar ein (hier: ein sehr mit dem Störungsbild vertrauter) Psychiater darauf reinfällt. Deshalb war es mir wichtig, hier diesen Hinweis zu geben.

Im übrigen finde ich es auch herrlich, dass es draußen schneit. Obwohl mich dieser Schnee gerade schlappe 80 Euro gekostet hat, weil ich noch Sommerreifen drauf hab. Denn irgendwann ist "irgendwann in der Zukunft" plötzlich "Jetzt".

Grüßle
Susanne
Gabi ( gelöscht )
Beiträge:

23.11.2008 23:01
#6 RE: Zu aggressiv beworben? Antworten

Hallo Susanne,
das mit dem bipolar geht mir nicht mehr aus dem Kopf.
Sorry,ich hoffe ,ich mußte dafür kein neues Thema schreiben?

Unser Junior bekommt ja nach dem ausschleichen der Medikinet Tabletten noch einen Neuroleptikum Saft,damit er nicht so agressiv ist.Ohne den Saft ist er gar nicht zu ertragen.Mache mir jetzt die Gedanken,das es bipolar ist.
Denn vorher hatte er das überhaubt nicht.Oder hat das alles wirklich nur mit der Pubertät zu tun???
Sollten wir damit mal einen Phsychiater aufsuchen oder meinst du es wäre blödsinn???
Ich mache mich jetzt echt verrückt.

LG Gabi

SusanneG Offline



Beiträge: 10.271

23.11.2008 23:58
#7 RE: Zu aggressiv beworben? Antworten

Hi Gabi,

Aggressionen sind noch lange keine bipolare Störung. Eine Manie und Aggressionen unterscheiden sich ziemlich deutlich. Doch eben die nähere Beschreibung dessen, was zunächst als Aggressionen definiert wurde, hat mich in Zusammenhang mit den depressiven Phasen auf die (immer noch weit entfernte) Möglichkeit einer bipolaren Störung gebracht.

Da die manisch-depressive Störung weder bei Kinderärzten noch bei Kinder- und Jugend-Psychiatern explizit du deren häufigsten Erfahrungen gehört (und deshalb von ihnen auch nicht sofort erkannt wird), habe ich die Mama mit ihrem Kind zum Erwachsenen-Psychiater geschickt. Und für diesen, der ja mit Kindern und der Behandlung von Kindern mit Strattera nicht über so umfängliche Erfahrungen wie ein KiJuPsychiater verfügt, sah es nach den Schilderungen von Mutter und Kind ganz nach bipolar aus.

Weshalb wird bei deinem Sohn Medikinet ausgeschlichen? So ein Quatsch. Medikinet setzt man einfach ab und damit hat es sich. Und wegen der Neuroleptika wendest du dich sinnvollerweise per pm an Mel, die kennt sich damit am besten aus.

Was genau meinst du mit "vorher"? Vor Medikinet, vor der Pubertät, oder vor was sonst?

Eigentlich wollte ich mit meinem Beitrag nicht erreichen, dass jetzt alle Mamas mit aggressiven Pubertierenden zum Psychiater gehen und fragen, ob ihr Kind eine bipolare Störung hat. Im Gegenteil, ich wollte diejenigen, deren Kinder Strattera bekommen, darauf hinweisen, dass dabei möglicherweise Symptome auftreten, die auf eine ganz andere Störung als stinknormales ADS hinweisen. Und ursächlich dafür ist nicht eine andere Störung, sondern ein Medikament, das bei den Ärzten so sehr beworben wurde, dass es mitunter auch bei Kindern eingesetzt wird, die von MPH weitaus mehr profitieren würden.

Vergiss das bipolar ganz schnell wieder. Es ist nicht unsere Aufgabe als Mütter, Fachärzte zu konsultieren und dabei schon eine vermutete Diagnose mitzubringen. Unsere Aufgabe als Mütter ist es vielmehr, mit einem Kind, das sich (unter Medikation) verändert, den Arzt aufzusuchen und zu fragen, was dieser Veränderung zugrunde liegt - und das so oft und so lange, bis diese Frage eine Antwort und damit möglichst auch eine Lösung gefunden hat.

Viele Grüße
Susanne

Gabi ( gelöscht )
Beiträge:

24.11.2008 07:15
#8 RE: Zu aggressiv beworben? Antworten

Hallo Susanne,

ich meinte mit ausschleichen des Medikinets,das er zum Schluß nur noch 10 mg bekommt,damit sie nicht so abruppt raus ist aus dem Körper.Damit er nicht in die Rebount Phase reinrutscht.

Mit vorher meinte ich:Als er nur Medikinet alleine bekam,ganz am Anfang, ja wo von Pubertät noch keine Spur zu sehen war.Den Neuroleptikum-Saft zusätzlich Abends nimmt er jetzt seit ca.3-4 Monaten.Aus dem Grunde weil er nach Abklingen der Medikinet Wirkung sehr agressiv wurde.

Ok,dann mach ich mir jetzt mal nicht mehr zu sehr einen Kopf über bipolar.Werde aber nochmal beim KA nachfrgen,ob das mit den Agressionen abklingen wird,wenn die Pubertät zu Ende ist.

Danke Dir. LG
Gabi

Zottel Offline



Beiträge: 2.694

09.12.2008 08:49
#9 RE: Zu aggressiv beworben? Antworten

Hallo Susanne,

zu diesem Medi gehen momentan "schlechte" Meldungen durch die Medien. Gib mal Frontal 21 und Strattera in die Suchmaschine ein.

Einerseits sind wir ja negtive Berichterstattung wenns um Medis geht gewohnt aber andererseits habe ich bis jetzt noch nicht wirklich viel positives von dem Medi gelesen.

Liebe Grüße

Zottel

Zottel Offline



Beiträge: 2.694

09.12.2008 09:07
#10 RE: Zu aggressiv beworben? Antworten

Hallo nochmal,

es gibt da anscheinend heute um 21 Uhr im ZDF in der Sendung "Frontal" einen Bericht zum Thema. Nachdem ich heute schon etwas gegoogelt habe befürchte ich, daß der Bericht nicht gerade Objetiv ausfallen wird.

Wenn ich nicht einschlafe werde ich mir die Sendung ansehen.

Grüße

Zottel

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