Methylphenidat als Doping bei Sportlern

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15.08.2007 14:00
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#1
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Hallo ihr Lieben,
gestern war ich bei meiner Mutter zu Besuch . Im Verlauf des Gesprächs erzählte sie mir von einem Fernsehbericht über Medikamentengabe an ADHS - Kinder. Ein gewisser Professor stellte darin wohl dar, daß die Medis die die Kinder nehmen auch von Sportlern zu Doping benutzt würden.

Und , daß es sich bei den Medis um Psychopharmaka handele.

Ich versuchte meiner Mutter daraufhin zu erklären, daß das schon sein könnte . Allerdings bekommen die Kinder eine wesentlich niedrigere
Dosierung was man nicht mit dem Doping eines Sportlers vergleichen kann.

Irgendwie haben mir aber stichhaltige Argumente gefehlt!

Könnt ihr mir weiterhelfen?

Ach ja, dieser Prof. meinte wohl auch ,daß selbst schwierige Fälle durch geeignete Therapien (u.a. Reittherapie), auch ohne Medis zurecht-
kämen!

Zwar macht unser Filius auch Ergo. , Judo und Schwimmen. Aber ohne Medis klappt es nicht !

Meine Mutter meinte dann:" Ja ich weiß ja , daß du viel für den Bub tust."

LG Angie


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15.08.2007 22:34
#2
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Hi Angie,

wer sich für sportliche Höchstleistungen dopen will, greift nicht unbedingt zu MPH. Allerdings wird bei Doping-Kontrollen auch auf MPH getestet. Leistungssportler, die an Wettkämpfen teilnehmen (und ggf. einer Doping-Kontrolle unterliegen), sollten wissen, dass MPH bis zu 72 Stunden im Urin nachweisbar ist.

MPH beeinflusst den Neurotransmitterstoffwechsel im Gehirn - und eben weil bei unseren Kids dieser Neurotransmitterstoffwechsel nicht genauso funktioniert, wie er soll, geben wir ihnen MPH. Schließlich kriegen Menschen mit Fehlsichtigkeit ja auch eine Brille.

Im übrigen haben wir medientechnisch grad ein Sommerloch. In dieser Saure-Gurken-Zeit kommen mit steter Regelmäßigkeit immer irgendwelche Berichte über Eltern, die ihre Kinder mit "Drogen" vollstopfen, obwohl man doch auch ohne Medikamente auskommen könnte. Die Berichterstatter sind in aller Regel schlecht bzw. einseitig informiert. Für Therapien gibt es ellenlange Wartelisten und kaum hat man einen Therapieplatz ergattert, wartet man noch mal endlos, bis der Kostenträger die Übernahme der Therapiekosten bewilligt. Und wenn dieser Professor, wie immer er auch heißen mag, der Ansicht ist, es ginge auch ohne Medis, dann möge er doch bitte mal da ansetzen, wo in aller Regel die Negativspirale unserer Kinder beginnt: in der Schule. Lehrpläne, die sich auf die originären Aufgaben der Schule beziehen, und qualifizierte Lehrer wären schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Und ein bisschen weniger Existenzangst bei den Eltern würde auch zu etwas mehr Stabilität im Umfeld unserer Kinder beitragen. Ich weiß, wovon ich rede. In meiner Schulzeit wurden Schüler nicht von der Schule verwiesen, weil sie schwierig waren - man hat sich mit ihnen auseinandergesetzt und hat sie nicht unterwegs einfach rausgemobbt.

Lies mal die älteren Beiträge im Forum. Da müsste einiges zu finden sein über den Umgang mit Großeltern, die mehr auf die Medienberichte und die Meinung der Nachbarn geben als auf die Ansicht der behandelnden, fachkundigen Ärzte ihrer Enkel. Je mehr und je besser du selbst dich informierst, desto weniger werden dir künftig die Argumente ausgehen. Falls doch, schick einfach die Großeltern in den nächsten Gesprächskreis.

Lass dich nicht unterkriegen! Viele Grüße

Susanne


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15.08.2007 23:05
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#3
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Hallo Angie,

in allen Punkten kann ich SusanneG nur beipflichten.

Für unsere Kinder ist es besonders schlimm, denn sie müssen täglich mit negativen Erfahrugen klar kommen, im Gegensatz für nicht ADS´ler.
Meine Tochter hatte solche starken psychischen Probleme, dass sie mit 11 Jahren nicht mehr leben wollte. Immer wieder haben meine Mutter und ich versucht heraus zu bekommen, was bei ihr nicht stimmt. Durch einen Zufall bekamen wir mit, dass es ADS auch ohne Hyperaktivität gibt.
Also sind wir in eine Klinik gegangen und haben sie testen lassen. Seit dem nimmt sie MPH und ist ein glücklicher und zufriedener Mensch, wir auch. Die Probleme sind weniger und kleiner geworden. Unsere Nerven liegen nicht mehr blank.
Wenn ich mir vorstelle, wie meine Tochter vor MPH war, bin ich froh, dass es dieses Hilfsmittel für Menschen mit ADHS gibt.
Es gibt so viele Menschen, die ein Hilfsmittel benötigen, nicht immer in Tablettenform. Die meisten wollen diese Hilfsmittel nicht missen, weil diese Hilfsmittel es ihnen ermöglichen in unserer Welt besser bestehen zu können.

Ich kenne dein Gefühl, dass du dich andauernd rechtfertigen musst. Leider gibt es viele Menschen, die können einfach nicht verstehen, was es heißt anders zu sein. Welche Mühe, Kraft und Arbeit benötigt wird vom Betroffenen und deren Angehörigen um den Anforderungen des Lebens zu meistern. Wenn ich an meine Tochter denke, wie gut es ihr jetzt geht, bin ich sooooo froh, dass es MPH gibt.

Ich wünsche dir viel Kraft.

Grüßle

doppelherz


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15.08.2007 23:15 (zuletzt bearbeitet: 15.08.2007 23:16)
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#4
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Hallo,

ich kann nicht beurteilen, ob sich diese Medikamente auch als wirksame Dopingmittel einsetzen lassen. Man kann ja so ziemlich alles fuer gute oder eben negative Zwecke nutzen; insofern war die Aussage evtl. hinsichtlich der Aussenwirkung nicht ganz durchdacht.

Ich denke es ist in erster Linie mal wichtig, wofuer man die Medis nutzt. Und da sind wir doch auf der "weissen" Seite.

Zudem habe ich haeufiger mit Prof' s zu tun und musste in der Vergangenheit feststellen, dass das auch nur Menschen sind. Seht es ihm einfach nach.

Gruss

Werner
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16.08.2007 15:40
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#5
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Hallo,
danke für eure Antworten. Trotzdem bleibt da ein bitterer Nachgeschmack! Gerade , weil ich dachte meine Mutter hätte verstanden, daß wir jahrelang dafür gekämpft haben ohne Medis auszukommen . Wobei wir uns die Medis als allerletzte Option offen lassen wollten.

Deshalb bin ich halt auch enttäuscht. Andererseits , weiß ich natürlich , daß meine Mutter es nur gut meint.

Mein älterer Bruder mußte auch eine Zeitlang Psychopharmaka nehmen. Er war da ca. 18 Jahre alt und hat sie dann einige Jahre genommen.
Er hatte diverse Drogen genommen und dabei psychische Probleme erlitten . Unter anderem das hören von Stimmen in seinem Kopf.

Er hat aber (mit den Medis) einen super Ausbildungsabschluss , eine Umschulung gemacht und macht jetzt ein Fernstudium .

Als ich sie daraufhinwies meinte sie nur : "Aber nicht als Kind"

Ich sagte ihr dann , daß es Studien gibt die besagen , daß gerade ADS Kinder die nicht medikamentös begleitet wurden dazu neigen später Drogen zu nehmen.

LG Angie


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16.08.2007 16:06
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#6
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Hi,

manchmal sollte man die Diskussion mit unserer Elterngeneration nicht ganz so eng sehen. Ich habe hin und wieder auch so Unterhaltungen und werde mir aber immer wieder ueber folgende Sachverhalte klar:

- unsere Eltern haben diverse Entwicklungen nicht mehr mitbekommen und argumentieren daher oft aus "veraltetem"
Wissen
- wir werden aus deren Sicht eigentlich nie ganz Erwachsen
- sie haben uns ja "Gross" bekommen und sehen sich daher in der Richtigkeit ihrer Sichtweise bestaetigt

Ich bekomme von meinen Eltern oft praktische und nuetzliche Hinweise. Aber wenn es mit medizinischen Erkenntnissen zu tun hat, nehme ich die Kommentare nicht mehr ganz so ernst.

Gruss

Werner

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16.08.2007 19:40
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#7
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Hallo Angie,

ich kann dein Problem voll nachvollziehen. Bei mir hat das Thema ADS fast zu einem Bruch mit meinen Eltern geführt. Es ist einfach verletzend und enttäuschend, wenn ausgerechnet unsere Eltern so denken. Aber auch sie sind nur Menschen. Und wie viele Menschen können sie ihre Meinung nur aus den Medien oder aus eigenere Erfahrung machen. Und die Medien reden nicht unbedingt gut über das Thema ADS, wie du ja mitbekommen hast. Eigene Erfahrung haben unsere Eltern mit uns gemacht, vergessen aber, das jedes Kind anders ist. Ehrlich gesagt, denke ich auch nicht immer dran. Außerdem haben unsere Eltern ja auch nicht ihren Enkel 24h am Tag, 7 Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr um sich und damit auch einen ganz anderen Eindruck von ihren Enkeln. Das liegt ja auch in der Natur der Dinge.
Nimm es daher deiner Mutter also nicht übel. Sieh es einfach mal so: Deine Mutter macht sich Sorgen um ihren Enkel und wünscht ihm auch nur das Beste. Und das ist doch super.
Ansonsten muss ich auch allen bepflichten, die hier geschrieben haben, was der Vorteil des MPH´s ist. Ich kenne aber wie gesagt dieses schale Gefühl, das du jetzt deiner Mutter gegenüber hast. Daher fiel dieser Beitrag so aus.

Kraftgebende Grüße von

Frankenstein

Nur wer das Pech kennt, weiß auch, was Glück ist.

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16.08.2007 21:06
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#8
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( Gast )

Hallo an alle,
Danke!!!


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16.08.2007 22:39
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Hallo Angie,

auch ich kenne das Gefühl von allen verurteilt zu werden. Meine Verwandschaft war mit am schlimmsten. Mein Sohn bekommt seit 2 Jahren Medis und ich mag gar nicht mehr an die Zeit ohne denken.
Er spielt ja schon seit längerem im Verein Fußball und Doping war dort nie ein Thema. Doch jetzt steht er kurz davor Saarlandauswahl zu spielen und einige superschlaue meinten ich solle sofort die Medis absetzten,da ich ihm sonst eine wichtige Chance verbauen würde.(Als ob er die ohne Medis bekommen hätte.)

Alles wurde hochgespielt und madig gemacht.

Also fragte ich beim Fußballverband nach und siehe da.... Er braucht nur ein Attest vom Arzt in dem steht warum er die Medis nimmt und alles ist ok.

Mittlerweile hat er die Aufnahme in die Sportklasse geschafft d.h. er wird in der Schule sportlich gefördert, neben dem normalen Unterricht.

Ohne seine Medis wäre er nie soweit gekommen und ich bereue es sehr, das ich mich so lange geweigert habe sie ihm zu geben.


Allso net mehr ärgern,nur wundern!!!!


Liebe grüße Tina


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17.08.2007 08:11
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#10
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Hallo Angie und Tina,

irgendjemand muss doch immer gegen einen "schießen", das ist völlig normal (leider).

Ich habe mir inzwischen angewöhnt, mit bestimmten Personen (auch den Großeltern, besonders Opa) darüber nicht mehr zu diskutieren, ob und warum und überhaupt meine Kids die Medis bekommen.

Auch mir gings vor knapp 3 Jahren (uiiiii, schon so lange) so, dass ich auf einmal ein Kind hatte, das sich besser konzentrieren konnte und endlich auch Freunde gefunden hat. (leider sind die inzwischen schon wieder nicht mehr Freunde, aber das Spiel kennen wir ja). Um nichts in der Welt möchte ich die Medis missen. Sie haben uns zumindest soweit gebracht, dass wir ein einigermaßen normales Leben führen können.

Zum (Leistungs-)Sport: Mein Sohn schwimmt auf Wettkämpfen und hat es inzwischen auch in den Kader geschafft. Er muss einmal jährlich zur Sportärztlichen Untersuchung. Auf dem Attest muss dann vermerkt werden, dass er MPH bekommt. Und das wird wiederum auf dem Wettkampfpass vermerkt.

Bei älteren Sportlern muss allerdings vor jedem Wettkampf ein Antrag bei der NADA gestellt werden wegen den Medis. Erst wenn die NADA ihr Okay gibt, darf er auch mit Medis antreten. Im Normalfall gibt die NADA bei ADHS-lern ihr Okay.

LG
Simone

wir lieben unsere Kinder - auch dann, wenn anderes es gerade mal nicht können

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