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ADHS-Selbsthilfe an 365 Tagen im Jahr

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    von Zottel in Vier Tage Urlaub + 2 ADHS-Teen...
  • Einfach herrlich Smilla ! Du hast so ein Talent, die Dinge zu beschreiben! Man kann es sich richtig bildlich vorstellen, erst recht, wenn man selber sein Teenager Exemplar zuhause hat LG Laura
    von Laura S in Vier Tage Urlaub + 2 ADHS-Teen...
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    von smilla in Vier Tage Urlaub + 2 ADHS-Teen...
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    von SusanneG in Vier Tage Urlaub + 2 ADHS-Teen...
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ADHS? Gibt's nicht geht nicht!
von SusanneG In der Kategorie ADHS in den Medien am 04.11.2014 um 00:00 Uhr(zuletzt bearbeitet: 12.11.2014 19:48)

Immer wieder begegnen wir in den Medien, an Stammtischen, ja sogar in den Selbsthilfegruppen - nicht immer, aber immer öfter - der Behauptung, es gäbe gar keine ADHS. Warum eigentlich? Es stellt doch auch niemand Diabetes infrage oder Bluthochdruck oder Kurzsichtigkeit oderoderoder ... Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr drängt sich mir die Vermutung auf, hierfür gäbe es nur zwei Gründe, allerdings völlig unterschiedlicher Natur. Und binär, wie ich nun mal denke, gibt es für mich auch nichts dazwischen.

Gewiss, man kann solcherart Berichterstattung (das Gerede an Stammtischen oder sonstwo ist schließlich nichts anderes als ein Nachbabbeln unseriöser oder unzureichend recherchierter Behauptungen in irgendwelchen Medien) einfach ignorieren. Betroffene wissen nicht nur, dass es eine ADHS gibt - sie wissen auch, wie sie sich anfühlt. Alle anderen plappern irgendetwas nach, was ihnen irgendjemand vorgesetzt hat. Verkaufszahlen (oder ganz modern: Klicks) steigert man am besten mit einer Behauptung, die den geneigten Leser neugierig machen soll, und untermauert diese Behauptung mit gnadenlosen Schuldzuweisungen. Niemand käme auf die Idee, den Wahrheitsgehalt solcher Schuldzuweisungen zu hinterfragen. Wir auch nicht! Denn ist es nicht so, dass wir fast alles glauben, was in der Zeitung steht, weil uns selbst für die kleinsten Zweifel der begründete Anlass fehlt? Weshalb also sollten neurotypische Menschen an der Seriosität der Berichterstattung zur ADHS zweifeln?

Doch irgendwann regt es einen doch auf, diese ewig neue Wiederholung bewusst falscher Recherchen und die immer gleichen - ätzenden! - Schlüsse, die aus irgendwelchen, die ADHS betreffenden und von Wemauchimmer veröffentlichten Zahlen gezogen werden. Denn dieser negativen Presse verdanken wir so ziemlich alle Widrigkeiten, mit denen wir Menschen mit ADHS zu kämpfen haben, sei es nun in der Sonderpädagogik oder bei Versicherungen und natürlich auch bei allem, was irgendwo dazwischen liegt.

Bevor ich hier in Details einsteige, möchte ich die beiden von mir vermuteten Gründe für diesen "schlechten Ruf der ADHS" beleuchten. Hier ist zum einen die Schuldzuweisung an die Eltern, das geht am einfachsten. Zum anderen scheint man sich an der nicht von der Hand zu weisenden Tatsache festzubeißen, dass die Pharmaindustrie Präparate herstellen darf, die nur im Rahmen eines Betäubungsmittelgesetzes verabreicht werden dürfen.

Beides steht zunächst einmal nicht in direktem Zusammenhang zur ADHS. Doch es ist nicht allzu schwer, für den geneigten Leser einen solchen Zusammenhang zu konstruieren. Große deutsche Zeitschriften schaffen dies sogar, indem sie einen durchaus sorgfältig recherchierten und fast ohne Wertung auskommenden Bericht mit einer reißerischen Überschrift garnieren und einen Leitartikel vornean stellen, der vor reißerischer Effekthascherei nur so strotzt.

Als Handlanger dienen den Journalisten hierbei selbsternannte - ganz offensichtlich mediengeile - "Fachleute", durch sie erübrigt sich in aller Regel eine sorgfältige Recherche bei tatsächlichen ADHS-Fachleuten. Und so befinden sich die Selbsternannten in aller Munde - die tatsächlichen ADHS-Fachleute bleiben im Hintergrund und sind es irgendwann einmal leid, ständig gegen Windmühlenflügel zu kämpfen.

Wie gesagt, man kann es ignorieren. Und wenn dann bekannt wird, welch großer Schaden durch unseriöse Berichterstattung in Verbindung mit Selbsternannten-Gläubigkeit tatsächlich angerichtet wurde, dann sagen wir alle: Oh, so genau haben wir das gar nicht gewusst. Oha! Hatten wir das nicht schon mal, vor knapp siebzig Jahren? Unsere Eltern / Großeltern / Urgroßeltern haben das damals auch nicht so genau gewusst ...

In meinem heutigen Beitrag möchte ich der Frage nachgehen, weshalb es so einfach ist, pseudowissenschaftliche Weisheiten unter die Leute zu bringen. Denn die Unseriösen und Selbsternannten sind ja nicht doof. Und vielleicht komme ich ja irgendwann auch noch dahinter, wer von dieser ganzen gezielten Desinformation profitiert.

Neben dem Fernsehen und den Printmedien bietet das Internet ein reichhaltiges Spektrum seriöser und unseriöser Berichterstattung zur ADHS. Dieser Vielfalt ist man - als nicht betroffener Interessierter oder als aufgrund einer frischen ADHS-Diagnose Informationssuchender - hilflos ausgeliefert. Wie soll man denn jetzt herausfinden, was man glauben darf?

Bisher hatte ich immer einen globalgalaktischen Rat zur Hand: Wenn "Ritalin" und "ruhigstellen" ohne Negierung im gleichen Satz vorkommt, sollte man den Artikel nicht lesen, sondern wegschmeißen. Dieser Rat ist nach wie vor richtig. Das Schlimme ist nur: Er reicht bei Weitem nicht mehr aus! Die ADHS-Negierer haben sich inzwischen neue Strategien zugelegt, und die sind noch viel gefährlicher.

Manche Berichte beginnen ziemlich sachlich und fangen damit sofort zB die Eltern ein, deren Kinder in der Schule mehr oder weniger große Schwierigkeiten haben. Natürlich sind wir alle bereit, abzunicken, dass manche Kinder mehr als eine Chance brauchen, dass kleine Klassen besser sind als große, dass Lehrkräfte mehr auf Details achten und nicht alle Schüler über den gleichen Kamm scheren sollen, dass Hausaufgaben nicht die ganze Familie dominieren dürfen und dass unsere Kinder mehr Zeit zum Spielen brauchen - und zwar draußen an der frischen Luft mit anderen Kindern und nicht drinnen alleine vor der x-box. Wer von uns würde dem nicht zustimmen?! Doch Obacht! In der Regel driften die Autoren dieser Artikel dann ab in ihre Vorstellungen einer heilen Welt, in der kein Kind Medis braucht, um glücklich zu sein, und niemand eine ADHS diagnostizieren muss, denn eine solche gibt es in der heilen Welt ja gar nicht.

Auch hier bin ich noch bereit, einem Großteil solcher Aussagen zuzustimmen. Oh ja, ich kann sie mir gut vorstellen, diese heile Welt, in der Kinder draußen spielen, im Sommer mit Rad oder Inlinern ins Freibad und im Winter auf Schusters Rappen - hilfsweise mit dem Bus - zum Schlittenfahren oder Eislaufen gehen können! Ich bin so aufgewachsen - mein Handy hieß Telefonzelle und zur Nutzung derselben hatte ich immer zwei Zehnerle im ... ja, falls vorhanden, in der Hosentasche - falls nicht, im ... Schuh! Doch jetzt, an genau dieser Stelle, muss man wieder hart auf den Boden der Gegenwart plumpsen. Nicht alle Kinder können so einfach "raus zum Spielen", die Englisch-Vokabeln mit ins Freibad nehmen, die Schlittschuhe schultern und nachmittags einfach bloß Kind sein. Und ich muss hier nicht aufzählen, weshalb das so ist. Das weiß jeder selbst.

Ich bin ohne Fernseher aufgewachsen und kann da heute auch noch locker drauf verzichten (auf mein WLAN eher nicht). Ich bin aber nicht allein auf dieser Welt! Ein Bildschirm, gleich welcher Art, gehört heute zum Leben dazu. Niemand ist eine Insel.

Die Welt unserer Kinder ist nicht mehr so, wie sie einmal war. Deshalb sind das alles fromme Wünsche, die leider nichts mit der Realität zu tun haben. Und ganz genau aus diesem Grund haben auch solcherart Schilderungen als Einführung in die These "ADHS gibt's nicht - und falls doch, darf man sie keinesfalls therapieren!" rein gar nichts mit der Realität zu tun. Im Gegenteil, sie sind gefährlich; sie beeinflussen Betroffene, vor allem aber wiegeln sie Nichtbetroffene auf, damit diese den Betroffenen das Leben schwer machen können - was diese auch mit großem Eifer tun.

Da ist sie wieder, die bohrende Frage: Qui bono? Wer profitiert von solchen Hetzkampagnen?

... fragt sich
Susanne


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